12.10.2006
Abessinischer Wolf
Neue Impfstrategie fürs Überleben
Nur noch 500 Abessinische Wölfe sind am Leben: Die seltenste Hundeart der Welt steht kurz vor dem Aussterben. Eine neue Impfstrategie könnte die in Äthiopien lebenden Tiere retten: Statt wie bisher möglichst alle Abessinischen Wölfe gegen Tollwut zu impfen, sollen nur diejenigen den Impfstoff erhalten, die in der Nähe bereits infizierter Artgenossen leben. Das berichtet ein internationales Forscherteam in dem Wissenschaftsjournal "Nature". Den Modellrechnungen der Forscher zufolge würden etwa 30 Prozent aller Tiere ein Tollwut-Vakzin erhalten - was nach Ansicht der Wissenschaftler ausreicht.
Der Strategiewechsel war nötig geworden, weil es zu aufwendig ist, alle Tiere zu impfen: Abessinische Wölfe (Canis simensis) leben in schwer zugänglichen Bergregionen Äthiopiens - alle müssten einzeln einfangen und geimpft werden. Die Forscher berichten von fünf Rudeln mit jeweils zehn bis 50 Tieren; in den Bale-Bergen im Südostens Äthiopiens lebe noch eine weitere Population mit etwa 350 Tieren.
Mit der neuen Impfstrategie ließe sich verhindern, dass es erneut zu einem großflächigen Tollwutausbruch kommt, den ein Großteil der etwa 500 verbliebenen Abessinischen Wölfe nicht überleben würde, sind die Wissenschaftler überzeugt. Anfang der neunziger Jahre waren drei Viertel der damals lebenden Abessinischen Wölfe in den Bale-Bergen gestorben. "Wir haben nach einer Impfstrategie gesucht, die Tollwut-Ausbrüche so weit einschränkt, dass eine gefährdete Tierart nicht Gefahr läuft, ganz ausgerottet zu werden, sagte Dan Haydon von der University of Glasgow, einer der Autoren der Studie.
Dazu hatte der Biologe mit Kollegen verschiedene Studien über Impfstrategien analysiert. Dabei stellte sich heraus: Jene, die die Ansteckungen zwar nicht verhindern, aber immerhin die Zahl der wirklichen großen Ausbrüche verringerten, waren "effektiv und viel besser umzusetzen". Erklären lässt sich das mit der Superspreader-Theorie. Sogenannter Superspreader sind infizierte Menschen oder Tiere, die besonders viele andere anstecken - in diesem Fall eben jene Abessinischen Wölfe, die Tollwut und Kontakt zu vielen Artgenossen haben. Diese Superspreader gelten als der Schlüssel, um Epidemien zu verhindern.
fba/dpa