06.05.2010
Rekord
USA stoßen sieben Prozent weniger CO2 aus
Kohlekraftwerk vor dem Capitol: USA drosseln ihren CO2-Ausstoß
Washington - Die USA sind ihrem Ziel einen erkennbaren Schritt näher gerückt: Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid ist nach Angaben der Behörde für Energieinformation (EIA) 2009 um sieben Prozent gegenüber 2008 gesunken (siehe Grafik links). Einen derart hohen Rückgang gab es seit Beginn der Statistik vor gut 60 Jahren nicht.
Könnte es sein, dass sich ein Gespür für die Umwelt in den Köpfen der amerikanischen Bevölkerung langsam doch festsetzt? Die EIA glaubt nicht daran: Ein gestiegenes Umweltbewusstsein sei alleine nicht der Grund, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Vielmehr habe auch die massive Konjunkturkrise dazu beigetragen - zusammen mit einem anhaltenden Trend zu einer insgesamt weniger energiehungrigen Wirtschaft sowie zu Energiequellen, die weniger schädliches Kohlendioxid freisetzen.
Ein genauerer Blick auf die Daten verrät, wie sehr die Wirtschaftsflaute zum CO2-Rückgang beigetragen hat. So sank die Kohlendioxid-Intensität der Industrie 2009 um drei Prozent. Doch dahinter steckt kein langjähriger Trend: 2008 war dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gestiegen.
Den EIA-Angaben zufolge ist der CO2-Ausstoß in den USA seit Anfang des neuen Jahrtausends im Durchschnitt um lediglich 0,9 Prozent pro Jahr zurückgegangen. In den neunziger Jahren hingegen gelangten im Schnitt noch jedes Jahr 1,4 Prozent mehr des Treibhausgases in die Atmosphäre. Die größte Volkswirtschaft der Welt und die aufstrebende Wirtschaftsmacht China sind derzeit zusammen für rund 40 Prozent allen produzierten Kohlendioxids verantwortlich. In Schwellenländern wie Indien steigen die CO2-Emissionen mehr als gefürchtet an.
US-Präsident Barack Obama strebt an, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 17 Prozent unter das Niveau von 2005 zu drücken. Sein Klimagesetz hängt jedoch im Kongress fest. Obama wollte mit Zugeständnissen bei Ölbohrungen vor der US-Küste Republikaner für sein Gesetz gewinnen. Nach der Ölpest im Golf vom Mexiko ist aber fraglich, ob Obama an dieser Strategie festhalten kann.
cib/dpa