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28.07.2010
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Vor Klimagipfel in Cancún

Blockierer aller Länder vereinigen sich

Von Christoph Seidler
Klima-Aktivistin (in Hong Kong, Dezember 2009): Schwierige Verhandlungen
AFP

Klima-Aktivistin (in Hong Kong, Dezember 2009): Schwierige Verhandlungen

Scheitert der Klimagipfel in Cancún, bevor er begonnen hat? Weil in den reichen Industrienationen klimapolitischer Stillstand herrscht, lehnen sich auch Schwellenländer wie Indien und China entspannt zurück. Die Gefahr wächst, dass die Welt bald ohne internationales Klimaschutz-Abkommen dasteht.

Ab kommenden Montag trifft man sich wieder im "Maritim". Dann kommen in dem Bonner Hotel Diplomaten aus aller Welt zusammen, um den Klimagipfel im mexikanischen Cancún im Dezember vorzubereiten. Doch die Stimmung ist mies. In den USA ist gerade die Verabschiedung eines Klimagesetzes auf lange Sicht unwahrscheinlich geworden. Nun geschieht, was Beobachter befürchtet hatten: Die einflussreichen Schwellenländer Brasilien, Südafrika, Indien und China nehmen das Debakel im US-Senat zum Anlass, die internationalen Verhandlungen weiter zu blockieren.

Die Mitglieder der sogenannten Basic-Gruppe treffen sich seit dem weitgehend gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen regelmäßig. Jetzt haben sie nach einer Zusammenkunft in Rio de Janeiro signalisiert, dass sich die Welt wohl auch beim kommenden Gipfel in Mexiko nicht auf einen Vertrag werde einigen können. "Sollten die US-Senatoren bis Cancún immer noch kein Gesetz fertiggestellt haben, werden wir kein rechtlich verbindliches Abkommen erzielen", sagte Südafrikas Umweltministerin Buyelwa Sonjica am Montag.

Die Konfliktlinien sind aus Kopenhagen bekannt: Die Industriestaaten bekennen sich zwar zu ihrer Verantwortung für den bisherigen Klimawandel, fordern aber von den aufstrebenden Schwellenländern, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu senken. Denn Tatsache ist, dass die Emissionen von Ländern wie Indien rasant steigen. Die Schwellenländer wiederum wollen ihr Wachstum nicht durch strenge Klimaregeln abwürgen - und verlangen von den reichen Staaten Finanz- und Technologietransfers.

"Ich denke, wir sind nach Kopenhagen alle etwas schlauer", sagte der indische Umweltminister Jairam Ramesh in Rio de Janeiro. "Unsere Erwartungen für Cancún sind realistisch, wir können keine Wunder erwarten." Der wichtigste Grund für die Schwierigkeiten sei das Fehlen von klaren Rahmenbedingungen für die versprochenen Finanztransfers von den Industrie- in die Entwicklungs- und Schwellenländer. Brasilien, Südafrika, Indien und China wollen sich nun im Oktober in Peking treffen, um eine gemeinsame Position für Cancún festzulegen. Das Verhandeln dürfte für die Industriestaaten dann nicht unbedingt einfacher werden.

Swimmingpool oder Tunnel ans andere Ende der Welt?

Eine Einigung in diesem Jahr sei unwahrscheinlich, hatte der Ende Juni aus dem Amt geschiedene Uno-Klimachef Yvo de Boer erklärt. Die internationalen Klimagespräche glichen einem Bauprojekt, bei dem eine Gruppe von Leute gemeinsam ein Loch grabe, sagte de Boer dem Magazin "NZZ Folio". Manche würden denken, sie arbeiteten an einem Swimmingpool, andere glaubten, einen Tunnel auf die andere Seite der Welt fertigzustellen. "Früher oder später kommt es zu Spannungen, weil die eine Seite befürchtet, der Pool würde zu tief, während die andere bemängelt, der Tunnel sei noch nicht tief genug."

Tatsächlich wirken die Verhandlungen derzeit so, als arbeiteten die Teilnehmer an einer Pfütze. Der US-Senat wird sich wahrscheinlich nicht vor September wieder mit dem Thema Klimaschutz befassen. Ein fertiges Gesetz bis zum Klimagipfel im Dezember ist mehr als unwahrscheinlich. Für Kopenhagen-Teilnehmer ist das ein Déjà-vu, denn beim Gipfel vor einem Jahr sah die Lage ganz ähnlich aus. Die innenpolitische Blockade in den USA lieferte vor allem China einen Vorwand, keine Konzessionen zu machen.

Auch andere Staaten liefern Argumentationshilfe für internationale Klimablockierer. So zum Beispiel Australien: Die Regierung hat gerade ein Emissionshandelssystem bis ins Jahr 2012 verschoben. Zuvor hatte die Industrie massiven Druck ausgeübt. Auch die Europäische Union kann sich nicht durchringen, im Alleingang ambitionierte Klimaziele zu beschließen. Ein gemeinsamer Brief der Umweltminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens mit der Forderung, bis zum Jahr 2020 nicht 20, sondern 30 Prozent weniger CO2 als 1990 auszustoßen, fand nur bei EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard Unterstützung.

Das liegt auch an fehlender Rückendeckung für Norbert Röttgen innerhalb Deutschlands. So hat Kanzlerin Angela Merkel ihren Umweltminister gezielt gebremst: Sie stehe nur dann hinter dem 30-Prozent-Plan, wenn er keine zusätzlichen Lasten für die deutsche Wirtschaft mit sich bringe, sagte Merkel in einer CDU-Präsidiumssitzung. Deutschland sei beim Klimaschutz ohnehin schon Vorreiter. Wenn Europa mehr sparen wolle, dann seien die anderen EU-Länder in der Pflicht.

Niemand bewegt sich

"Es gibt keinen Zweifel, dass die Industrieländer ihre Ziele zur Emissionsminderung anheben müssen", hat die neue Uno-Klimachefin Christiana Figueres auf ihrer ersten Pressekonferenz erklärt. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Niemand bewegt sich, während die Zeit für eine Einigung knapp wird.

Doch was geschieht, wenn die Staaten auch in Mexiko beim Klimaschutz nicht vorankommen?

Der von 100 Ländern formal unterstützte "Copenhagen Accord" ist rechtlich unverbindlich. Und für das Kyoto-Protokoll tickt die Uhr: Es läuft Ende 2012 aus. Im schlechtesten Fall steht die Welt danach ganz ohne Regeln zur CO2-Begrenzung da - und auch ohne ein finanzielles Ausgleichssystem für den Klimaschutz in ärmeren Staaten. Denn der internationale Emissionshandel, über den sich Geld für Klimaprojekte beschaffen lässt, stünde mit dem Ende von Kyoto mangels rechtlicher Grundlage vor dem Aus.

Im Uno-Klimasekretariat arbeiten Fachleute derzeit an einem Plan B. Einen entsprechenden Auftrag hatten einige Kyoto-Staaten den Bonner Experten im Juni gegeben: Was passiert, wenn es keinen Nachfolger für das Kyoto-Protokoll gibt, das den Industrieländern derzeit Reduktionsziele auferlegt, die Schwellenländer aber nicht in die Pflicht nimmt? Nach Wunsch von Klimachefin Figueres sollten sich die Staaten zumindest auf eine Verlängerung des Protokolls einigen. Möglich seien ein oder zwei Jahre - ganz nach Wunsch der Regierungen.

Im Bezug auf Cancún tritt im übrigen auch Figueres auf die Euphoriebremse. Die Vorstellung, dass "ein magisches, weltweites Abkommen" alle Probleme lösen könne, werde den bisherigen Schritten nicht gerecht. Selbst wenn schon morgen ein neuer Klimavertrag verabschiedet würde, wäre es alles andere als sicher, ob er vor dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls in Kraft treten könnte. Dafür muss das Dokument nämlich von mehr als 100 Staaten ratifiziert werden. Beim Kyoto-Protokoll hat das acht Jahre gedauert.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
1. Was für ein Vergleich!
alex300 28.07.2010
Manche würden denken, sie arbeiteten an einem Swimmingpool, andere glaubten, einen Tunnel auf die andere Seite der Welt fertig zu stellen. "Früher oder später kommt es zu Spannungen, weil die eine Seite befürchtet, der Pool [...]
Manche würden denken, sie arbeiteten an einem Swimmingpool, andere glaubten, einen Tunnel auf die andere Seite der Welt fertig zu stellen. "Früher oder später kommt es zu Spannungen, weil die eine Seite befürchtet, der Pool würde zu tief, während die andere bemängelt, der Tunnel sei noch nicht tief genug." ---------------- Sysiphus müsste eigentlich Steine auf einen Berg rollen... Aber, wer dem anderen die Grube gräbt... Bekommt ein Climategate!
2. Das wird ...
mexi42 28.07.2010
keinen Einfluss auf die Atmosphäre haben, wenn es kein Abkommen gibt. Weniger Tagungen, weniger Flüge, weniger Kondensstreifen ...
Zitat von sysopScheitert der Klimagipfel in Cancún, bevor er begonnen hat? Weil in den reichen Industrienationen klimapolitischer Stillstand herrscht, lehnen sich auch Schwellenländer wie Indien und China entspannt zurück. Die Gefahr wächst, dass die Welt bald ohne internationales Klimaschutz-Abkommen dasteht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,708718,00.html
keinen Einfluss auf die Atmosphäre haben, wenn es kein Abkommen gibt. Weniger Tagungen, weniger Flüge, weniger Kondensstreifen ...
3. Es ist unwichtig
Der Emigrant 28.07.2010
IEA, Lloyds viele andere sagen ganz klar, dass es nicht mehr genug Öl und Gas gibt, um die befürchteten Klimagase freizusetzen. Somit ist es richtig, sich nicht mehr um das Klima zu kümmern. Wichtiger ist es, sich auf die [...]
IEA, Lloyds viele andere sagen ganz klar, dass es nicht mehr genug Öl und Gas gibt, um die befürchteten Klimagase freizusetzen. Somit ist es richtig, sich nicht mehr um das Klima zu kümmern. Wichtiger ist es, sich auf die Energiekrise vorzubereiten.
4. Klimaschutz - Warum? - Teil 1
efka 28.07.2010
Ein Sakrileg für die Gutmenschen, die Ökojupies und Müslis! Was ist denn Klimaschutz? Verhandlung von RECHTEN die Schadstoffe emittieren zu dürfen. Es ist einfach nur "Big Business"! Dieses scheinheilige [...]
Ein Sakrileg für die Gutmenschen, die Ökojupies und Müslis! Was ist denn Klimaschutz? Verhandlung von RECHTEN die Schadstoffe emittieren zu dürfen. Es ist einfach nur "Big Business"! Dieses scheinheilige Geschwafel vom bösen CO2, das an allem Schuld ist und auf Kosten der Nachkommen verteufelt wird. Früher hiess es: "Schuld an Allem sind die J....., oder die S....." Jetzt ist es das CO2, das natürlich "nachweislich" oder nur "mutmaßlich" die Klimaerwärmung verschuldet. Und die Mainstream-Presse fällt natürlich in das Fahrwasser der Katastrophen und Horrorszenarien ohne zu rechercherien, denn die Wahrheit kommt von Reuters oder den anderen Grossen Manipulationskonzernen. Gab es nicht "Klimaerwärmung" schon immer? Nein - Nicht in dem Ausmaß! Warum hatten denn die Alpen zu Cäsars Zeiten keine Gletscher und die römischen Siedler hier in Mitteleuropa nahezu jährlich 2 Ernteperioden und warum war der Weinbau bis nach Schweden und England verbreitet? Warum gab es in Höhenlagen von ca.2200 m üNN Hochmoore deren Entstehung alleine ca 4500 Jahre dauert? Wahrscheinlich hat Ötzi und Vorgänger den Torf und Arvenstämme mit 50 cm Durchmesser mit Hilfe von dänik'schen Ausserirdischen hochgeschafft. Nein! Das kann nicht sein - denn das darf nicht sein, weils nicht ins pseudo-ökologische Müslikonzept passt! Dann wären ja die Ganze Verarsche mit den "Energiesparlampen" (welche Energie sparen denn die genau) für die Katz gewesen - oder die ganze Schoose mit den Kat-Einbauten und Autofiltern nur eine Industrieabzocke? oder die manische und hirnrissige Dämmerei von Leitungen, Kaminen und Häusern nur ein gigantisches Geschäft mit der Blödheit der Leute und die dadurch eilaufenden Zinsen ein Geschäft der Banken ohne Gleichen gewesen! Ach Gaggi! Weiter bei Teil 2 EfKa
5. Klimaschutz - Warum? - Teil 2
efka 28.07.2010
Ein Sakrileg für die Gutmenschen, die Ökojupies und Müslis! Teil 2 Nein! Das hat doch alles seine Richtigkeit - denn es werden ja Gesetze verfasst, Verordnungen erarbeitet und die Wachhunde der Gesellschaft [...]
Ein Sakrileg für die Gutmenschen, die Ökojupies und Müslis! Teil 2 Nein! Das hat doch alles seine Richtigkeit - denn es werden ja Gesetze verfasst, Verordnungen erarbeitet und die Wachhunde der Gesellschaft kontrollieren blockwartig die Einhaltung. Und Gesetzeserarbeiter haben sich noch nie geirrt, geschweige denn von Lobbys beeinflussen lassen, denn unsere Statsorgane sind doch Vollprofis die wissen was zu tun ist und die ja laut geschworenem Meineid alles dafür tun, dass uns deutschem Volke keinerlei Schaden entsteht. Da dies also gar nicht sein kann und eben SO ist - müssen wir das Klima schützen - koste es was es wolle! Denn eine reale Bilanz (input - output vergleichend) wird sicher nie gerechnet werden, denn es kommt ja nur auf's Geschäft an, was dabei gemacht wird. Zahlen tuns doch sowieso Wir! Fazit: Steuern rauf auf 50% pro Kopf (Einkommensunabhängig) (Ausnahmen nur für Kontoinhaber einer Schweizer Bank und ein nachweisliches einmaliges Kapital von über 10.000.000 Euros) Alle anderen werden auf Minijob-Ebene heruntergestuft - denn in schwierigen Zeiten müssen Opfer gebracht werden - das versteht sich doch! Und sein Sie doch mal ehrlich: Brutto unter 6,00 Euro in der Stunde reicht doch wirklich aus - das wird doch seit Jahren in einem Feldversuch in der ehem. DDR nachgewiesen. Also hier der Appell an alle Regierungen der Welt: Geht nach Cancun - beschliesst weiter alles sinnvolle und setzt das gleich mal zu Hause um. Rettet die Welt vor dem bösen Klimagas - Schachert euch die besten Konditionen aus und schafft endlich mal diese Polygouvermentalität ab - Eine Weltregierung reicht doch - da brauchts dann keine Klimagipfel mehr (das kostet doch auch Energie und verbraucht CO) und alle anderen Meetings und Beschluss- und Beratungsveranstaltungen fallen dann auch weg. Glauben, dass es was bringt (ausser Kosten zu produzieren), tut euch das sowieso nur noch die Medienbranche - Das Volk glaubt es wowieso nicht mehr! Oder doch? Viel Erfolg! EfKa
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