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11.12.2010
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Klimakonferenz in Cancún

Boliviens erfolgloser Einzelkämpfer

Aus Cancún berichtet Christoph Seidler
Boliviens Uno-Botschafter Solón: "Konsens bedeutet nicht Einstimmigkeit"
AFP

Boliviens Uno-Botschafter Solón: "Konsens bedeutet nicht Einstimmigkeit"

In einer verzweifelten Aktion hat Bolivien versucht, sich gegen die Beschlüsse des Klimagipfels von Cancún zu stellen - und ist spektakulär gescheitert. Die Nachtsitzung dürfte in die Völkerrechts-Lehrbücher eingehen. Deutschlands Umweltminister begrüßt das.

Niemand weiß, wie oft der Mann im weißen Hemd mittlerweile schon um das Wort gebeten hat. In den letzten Stunden des Klimagipfels von Cancún ist Pablo Solón Dauergast am Mikrofon. Stellenweise gleichen die Verhandlungen einem Zwiegespräch zwischen ihm und der mexikanischen Gipfelpräsidentin Patricia Espinosa. "Wir möchten es für das Protokoll klarstellen, dass es keinen Konsens gibt", sagt Solón. Wieder einmal.

Als einziger von 194 Staaten stellt sich Bolivien in den letzten Stunden des Gipfels offen gegen die geplanten Beschlüsse. Man sei zwar nur ein kleines Land, aber man spreche für die Welt, sagt der frühere Gewerkschaftsaktivist Solón. Die Dokumente des Treffens, vorgelegt von der von Espinosa geleiten Präsidentschaft, müssten breit diskutiert werden - zu viele Probleme gebe es damit: die Rolle der Weltbank zu Beispiel, die Zukunft des Kyoto-Protokolls und so weiter. Wenn sein Vorstoß Erfolg hat, wird der Gipfel von Cancún gar nichts beschließen, so viel ist klar.

Selbst die ideologischen Unterstützer der links gerichteten Regierung von Evo Morales haben sich zu diesem Zeitpunkt weitgehend von Bolivien abgewendet. Die Delegierten von Venezuela, Kuba oder Ecuador fordern lediglich, dass der Gipfel die Bedenken des Landes anhören möge. Ernsthafte Unterstützung sieht anders aus.

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Cancún: Gipfel der Aktivisten
Boliviens Uno-Botschafter Solón ficht das nicht an. Er kämpft allein gegen alle. Immer wieder meldet er sich zu Wort. Mal um mal stellt er klar, dass sein Land den geplanten Beschlüssen widerspricht. Eigentlich herrscht bei der Uno das Prinzip der Einstimmigkeit. Solón kann also darauf hoffen, den ungeliebten Beschluss in letzter Sekunde noch zu Fall zu bringen. Doch seine Chancen stehen schlecht.

Dass es die Bolivianer den Organisatoren des Gipfels nicht leicht machen würden, hatte sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Immer wieder hatte Solón in Pressekonferenzen beklagt, sein Land werde bei den Verhandlungen in die Ecke gedrängt. Das sei nicht akzeptabel. Gleichzeitig blieben die Diplomaten des Staates einigen wichtigen Treffen fern. Das nervte wiederum viele andere Delegationen.

Mit eiserner Freundlichkeit und Vehemenz macht Gipfelpräsidentin Espinosa klar, dass sie die Beschlüsse des Klimagipfels notfalls auch gegen den Widerstand der Bolivianer fällen lassen will. Offenbar hat sie sich vorher mit den Juristen des Uno-Klimasekretariats abgesprochen. Die Mexikanerin ist sich ihrer Sache deswegen sicher.

Seit Jahren habe man die Themen diskutiert, nun sei es an der Zeit, endlich Beschlüsse zu fassen, sagt Espinosa. Die Position Boliviens werde selbstverständlich in die schriftliche Dokumentation des Gipfels aufgenommen. Ein Vetorecht gebe es nicht. "Konsens bedeutet nicht Einstimmigkeit", sagt die Mexikanerin. Es ist dieses kleine, aber wichtige Detail, das die Basis für Espinosas Verhalten bildet.

Solón kocht. "Unser Land hat die selben Rechte wie alle anderen auch." Doch Espinosa lässt ihr kleines Hämmerchen fallen. Die Entscheidung ist getroffen. Die Nachtsitzung von Cancún dürfte in die Völkerrechts-Lehrbücher eingehen, als Tag an dem die Abstimmungsregeln der Vereinten Nationen neu definiert wurden.

"Das hat Chance, Geschichte zu schreiben. Wir haben erlebt, dass der Missbrauch des Konsensprinzips keinen Erfolg hat", sagt Deutschlands Umweltminister Norbert Röttgen nach der Sitzung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Solón grollt: "Heute ist es Bolivien, morgen könnte es ein anderes Land sein." Die Staaten der Welt haben ihn nicht gehört. Das Cancún Agreement ist beschlossene Sache. "Eine neue Ära hat begonnen", sagt Gipfelpräsidentin Espinosa.

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insgesamt 34 Beiträge
1. ..
Haavaa 11.12.2010
Wohl eher die Nachtsitzung von Cancún als von Kopenhagen......
Wohl eher die Nachtsitzung von Cancún als von Kopenhagen......
2. Beschlüsse, Interpretationshoheit, Internationalismus, Exekutivismus, Parteienstaat
dasky 11.12.2010
In die Völkerrechtslehrbücher wird eingehen, dass ein Staat bzw. eine Staatengemeinschaft - in zynischer, unverschämter und grenzenloser Überheblichkeit wird an verantwortlicher Stelle gerne auch von "Schicksals" [...]
Zitat von sysopIn einer verzweifelten Aktion hat Bolivien versucht, sich gegen die Beschlüsse des Klimagipfels von Cancún zu stellen - und ist spektakulär gescheitert. Die Nachtsitzung dürfte in die Völkerrechts-Lehrbücher eingehen. Deutschlands Umweltminister begrüßt das. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734124,00.html
In die Völkerrechtslehrbücher wird eingehen, dass ein Staat bzw. eine Staatengemeinschaft - in zynischer, unverschämter und grenzenloser Überheblichkeit wird an verantwortlicher Stelle gerne auch von "Schicksals" (http://de.wikipedia.org/wiki/Schicksalsgemeinschaft)gemeinschaften gesprochen - nicht mehr so gut ist, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht, sondern so gut, wie sie diese Minderheiten ignoriert, drangsaliert oder womöglich terrorisiert, und sei es durch Öko - Bioterrorismus. Schachtschneider (http://www.youtube.com/watch?v=BtInXIHfxeM) hat nicht nur im europäischen Rahmen, sondern auch im globalen Rahmen gesehen vollkommen Recht.
3. was ist denn nun regelkonform?
GerdM1974.and-friends.org 11.12.2010
weiss denn jemand ob Boliviens Einwand berechtigt war? Anfangs hat der SPON auch geschrieben, dass ALLE Mitgliedstaaten zustimmen müssten
weiss denn jemand ob Boliviens Einwand berechtigt war? Anfangs hat der SPON auch geschrieben, dass ALLE Mitgliedstaaten zustimmen müssten
4. Pablo Solón
imagine 11.12.2010
Der einsame Rufer in der Klimawüste... Schade; der Stellenwert Boliviens scheint nicht sehr hoch zu sein. Guter Mann - und leider allein gegen alle.
Der einsame Rufer in der Klimawüste... Schade; der Stellenwert Boliviens scheint nicht sehr hoch zu sein. Guter Mann - und leider allein gegen alle.
5. Wird Zeit, dass Südamerika
frank_lloyd_right 11.12.2010
sich endlich wieder u´zuräkmelödet - schade, daß das nicht Brasilien, sondern Bolivien war - Leute, denen die Gier angesichts der Lage ihres Landes und der Zustände so grotesk erscheinen muß wie damals Marx. Insofern war es [...]
sich endlich wieder u´zuräkmelödet - schade, daß das nicht Brasilien, sondern Bolivien war - Leute, denen die Gier angesichts der Lage ihres Landes und der Zustände so grotesk erscheinen muß wie damals Marx. Insofern war es ein Sieg für Bolivien und eine Niederlage für den Rest, den ganzen beschissenen Rest der Menschheit... verdammt sind sie alle.

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