14.01.2011
Wetterphänomen
Warum Australien unter Fluten leidet
Gewaltige Regenfluten haben Australien heimgesucht. Im Osten des Landes war es der regenreichste Dezember seit Beginn der Messungen. In manchen Ortschaften zieht sich das Wasser inzwischen zurück, so dass Aufräumarbeiten beginnen können. Jetzt fragen sich die Australier, was die Katastrophe ausgelöst hat und ob die Klimaerwärmung damit zu tun hat.
Tausende Kilometer weiter östlich nahm das Desaster seinen Anfang. Über dem Pazifik braut sich alle paar Jahre das Wetterphänomen La Niña zusammen, es sorgt für veränderte Verhältnisse: Luftdruckschwankungen fachen dort Passatwinde an, die warmes Wasser verstärkt nach Westen treiben. Es staut sich vor Australien. Gigantische Mengen Wasser verdunsten, sie gehen schließlich als Regen nieder. Immer wieder hat Australien katastrophale Fluten erlebt.
In den vergangenen Monaten maßen Meteorologen das stärkste La-Niña-Ereignis seit den siebziger Jahren. Das war vorhergesagt worden, weil zuvor ein El Niño über dem Pazifik aufgezogen war. El Niño ist das umgekehrte Wetterphänomen, es treibt warmes Wasser nach Südamerika.
Die Regenfälle der letzten Wochen in Australien waren extrem. Gleichwohl zeigen die Daten des australischen Wetterdienstes keinen Trend bei der Niederschlagsentwicklung: weder für Ostaustralien, noch für das ganze Land; weder fürs gesamte Jahr, noch fürs Frühjahr oder für den Sommer (den Jahreszeiten der letzten Wochen in Australien).
Ebenso wie zu viel Regen fürchten die Australier zu wenig Niederschlag - je nach der Klimazone ihrer Region. Im Südosten und Südwesten des Landes kämpften Landwirte in den vergangenen Jahren mit extremer Dürre.
Der Uno-Klimareport 2007, der den Stand der Klimaforschung zusammenfasst, widmet dem Thema "Dürre in Südwestaustralien" ein eigens Kapitel. Ergebnis: Ein Niederschlagstrend für die Zukunft ist nicht festzustellen. Der Australische Wetterdienst hingegen sieht für das ganze Land in einem Report von 2007 eher eine Abnahme der Regenfälle im Laufe des Jahrhunderts voraus.
Gleichwohl gibt es einen Grund dafür, dass künftig heftigere Regenfälle in Ostaustralien zu erwarten sein könnten: Das Meer vor der Küste des Landes hat sich in den vergangenen 40 Jahren um ein halbes Grad erwärmt. Entsprechend mehr Wasser verdunstet, es fällt mehr Regen. Indes: Wo und wann der Niederschlag fällt, ist ungewiss. Nur eines ist sicher: Australien wird weiterhin mit Starkregen und Dürre rechnen müssen.
boj

