08.02.2011
Expertenwarnung
Wölfe in Nordeuropa vom Aussterben bedroht
Geschossener Wolf in Schweden: Zu wenige Exemplare für sicheres Überleben
Stockholm - Wissenschaftler warnen vor einem möglichen Aussterben der Wölfe in Nordeuropa. Der zwischen Norwegen und dem westlichen Russland lebende Stamm mit etwa 1000 Tieren sei zu klein für ein stabiles Überleben. Inzucht schade zudem dem Nachwuchs, warnen vier Experten in der Zeitung "Dagens Nyheter" vom Dienstag. Der schwedischen Reichstag wollte am Dienstag über das Für und Wider der Wolfsjagd debattieren.
Um das Überleben des Stammes zu sichern, müsste es mindestens 3000 Tiere und einen Austausch mit Wölfen aus anderen Gebieten geben, hieß es in der Zeitung weiter. Die vier Forscher aus verschiedenen Ländern untersuchen für Schwedens Regierung die Lage für die heimischen Raubtierbestände.
In Schweden, wo etwa 200 Wölfe leben, wird seit 2010 heftig über die Wiederzulassung der Jagd auf die Raubtiere gestritten. Die EU-Kommission hat eine Klage gegen Schwedens Regierung angekündigt, nachdem Stockholm 20 Wölfe zum Abschuss freigegeben hatte. Der zuständige Umweltminister Anders Carlgren dafür am Dienstag vor den Reichstag zitiert. Wegen der Inzuchtschäden im schwedisch-norwegischen Stamm will Schwedens Regierung ab diesem Sommer einige Tiere aus dem finnisch-russischen Stamm im eigenen Land aussetzen.
Von den seit Januar zur Jagd freigegebenen 20 Wölfen sind bisher 19 erlegt. Während Umwelt- und Tierschützer die Jagd heftig kritisieren, verlangen sowohl der Jägerverband als auch die Anwohner der betroffenen Bezirke deutlich höhere Abschussquoten.
Auch in Deutschland leben wieder Wölfe in freier Wildbahn. Landesweit gibt es nach Schätzung der Umweltorganisation WWF zwischen 50 und 60 Tiere. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz, wo mittlerweile die Angst vor den Raubtieren wächst. Auch aus Hessen und Bayern werden immer wieder Sichtungen gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern ist nach früheren Angaben des Umweltministeriums seit fünf Jahren ein Wolf in der Ueckermünder Heide nachgewiesen. Er soll sogar eine Gefährtin haben und in diesem Jahr Nachwuchs erwarten. Ein anderer tappte vergangenen August in eine Fotofalle in der Lübtheener Heide.
boj/dpa