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03.11.2011
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Drohende Wasserknappheit

Verschwendet, verdreckt, verdunstet

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REUTERS

In Australien verdorren ganze Landstriche, Südseeinseln geht das Trinkwasser aus, in Schwellenländern ist es längst ein Luxus: Um den Rohstoff werden künftig wohl sogar Kriege geführt. In Industrienationen wie Deutschland wird das kostbare Gut verprasst - ohne dass der Verbraucher es merkt.

Matt Damons Projekt heißt Wasser. Dass sich Hollywood-Stars für gemeinnützige Projekte engagieren, ihre Prominenz für die gute Sache einsetzen, ist nicht ungewöhnlich: gegen Malaria, Hunger, Kinderarmut, Krieg oder das Regenwaldsterben. Sich für das Thema Wasser einzusetzen, war lange Zeit weniger naheliegend.

Vor relativ kurzer Zeit noch hätte man Wasser als Krisenthema allenfalls mit Dürreperioden in trockenen Weltgegenden in Verbindung gebracht. Inzwischen macht Wasser Schlagzeilen - rund um den Globus, jederzeit: Am Mittwoch stellten die Vereinten Nationen ihren Human Development Report 2011 vor, in dem Wasser eines der wichtigsten Themen ist.

So wie jedes Jahr: Weil es hier zu wenig davon gibt, dort wieder zu viel; weil die Süßwasserpegel sinken, das Salzwasser steigt; weil es zwar nach wie vor allgegenwärtig zu sein scheint, zu oft aber in einem Zustand ist, der kein Leben erhält, sondern Leben gefährdet. Weil 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben; weil Klimawandel und die rapide Urbanisierung der Welt die Engpässe verschärfen.

Und weil uns seit Jahren eine Studie oder Expertise nach der anderen klarmacht, dass wir mehr trinkbares Wasser benutzen und verschmutzen, als im vermeintlich unerschöpflichen Wasserkreislauf nachläuft: "Peak Water" nennen das die Experten, und in vielen Weltregionen ist dieser magische Punkt, an dem aus dem Ressourcenkreislauf mehr entnommen wird, als nachkommen kann, längst überschritten. Natürlich liegt das mit daran, dass wir nun sieben Milliarden Verbraucher sind, aber nicht ausschließlich.

Es liegt auch daran, dass wir mit der Ressource so skandalös schlecht umgehen; dass zudem die Lebensweisen, die mit wachsendem Wohlstand einhergehen, nach immer mehr Wasser verlangen. Bis zu 70 Prozent des in Deutschland genutzten Süßwassers brauchen wir allein für die Kühlung von Kraftwerken. Mehr als 20 Prozent des so erzeugten Stroms ist nicht lebensnotwendig, sondern versorgt unsere Unterhaltungselektronik: Bis 2030, schätzt die Internationale Energieagentur IEA, wird sich dieser Anteil verdreifachen. Auch Smartphones verbrauchen Wasser.

Für die von Matt Damon mitbegründete Hilfsorganisation Water.org ist Wasser vornehmlich ein Problem der armen Welt. Daran ist nichts falsch: Nirgendwo sind Wasserprobleme akuter als in den wirtschaftlich schwachen Nationen, die wie Äthiopien von Dürre oder andere von Cholera-Epidemien heimgesucht werden. Die schlimmste Cholera-Epidemie wütet derzeit in Haiti, und das seit rund zwei Jahren und quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit - kaum jemand sieht mehr hin, es ist zum Teil der Normalität geworden.

Eine neue Qualität gewinnt die Wasserkrise, von der man bei den Vereinten Nationen (Uno) glaubt, dass sie in den nächsten Jahrzehnten zum Grund für Kriege werden könnte, aber erst dadurch, dass sie wahrhaft global wird:

Zu den neuen Hotspots der anlaufenden Wasserkrise gehören China und Russland - vor allem weil der Aufbau einer Infrastruktur zur Be- und Entsorgung, die mit der steigenden Wassernutzung mithalten könnte, nicht schnell genug gelingt. Doch auch der industrialisierte Westen ist nicht davor gefeit, zum Teil des Problems zu werden.

In der englischsprachigen Welt ist Wasser billige Grundversorgung

Erst langsam reift die Erkenntnis, dass unser bisheriger Umgang mit Wasser höchst fahrlässig war. Noch ganz frisch und heiß umstritten ist etwa der Trend in der angelsächsisch geprägten Welt, in Privathaushalten Wasseruhren zu installieren: Wo Englisch gesprochen wird, da ist Wasser bisher entweder pauschal bezahlt und meist billig, oder sogar völlig kostenlos. Anreize, die Ressource zu sparen, ergeben sich daraus nicht.

In Großbritannien plant die Regierung derzeit, bis 2025 immerhin drei Viertel der Haushalte mit Wasseruhren auszurüsten - bisher zahlt nur ein Drittel der Verbraucher den tatsächlichen Wassergebrauch, der Rest zahlt ein pauschales Trinkgeld. Ähnlich sieht das im notorisch Dürre-geplagten Australien aus. Dort allerdings ist das Umdenken weit gediehen: Verbrauchsrechnungen werden die Pauschalen in den nächsten Jahren ersetzen. So wie in Irland, das 1997 alle Wasserkosten für Privathaushalte völlig abgeschafft hatte: Jetzt sollen landesweit Wasseruhren installiert und dann soll für Wasser kassiert werden - H2O wird selbst da zum wertvollen Rohstoff, wo es im Übermaß vom Himmel fällt.

In den USA ist es den Gemeinden überlassen, wie sie die Sache handhaben wollen - die meisten wollen nicht und kassieren nur Pauschalen. Kaum zufällig verbraucht der Durchschnittsamerikaner auch darum viermal mehr Wasser als ein Europäer: Er zahlt zwar eigentlich nicht weniger für sein Trinkwasser, hat aber keine Anreize, seinen Verbrauch einzuschränken. Das riesige Land erlebt alle Aspekte der Wasserproblematik innerhalb seiner Grenzen. Katastrophale Überschwemmungen gibt es jedes Jahr, lebensbedrohende Dürren ebenfalls - und eine weitere Variante der Wasserkrise, die es in sich hat: Die Verseuchung der Wasservorkommen, weil die Ressource nicht genügend geschützt wird.

Schmutzwasser ist ein wachsendes Problem

Denn andere Ressourcen sind noch knapper und darum teurer. Im Trend liegt derzeit die Gewinnung von Energierohstoffen mit sogenannten Fracking-Verfahren: Dabei macht man Fels, in dem Gas oder Ölschlämme eingelagert sind, brüchig und pumpt dann enorme Mengen Wasser hinein, um die Rohstoffe an die Erdoberfläche zu schwemmen. Sowohl in den USA als auch in Kanada läuft darüber eine heiße Debatte - denn natürlich wird dabei nicht nur jede Menge Wasser verdreckt, das Verfahren birgt auch Risiken für das umliegende Grundwasser.

Am Montag kündigte das US-Innenministerium einen Erlass an, der Firmen "in einigen Monaten" verpflichten soll, beim Fracking eingesetzte Chemikalien offenzulegen - bisher wird da wenig reguliert. Das Thema ist so weit ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen, dass in einer Folge der Krimiserie CSI schon Brunnenvergiftung, explosives Gas im Wasser und Todesfälle als Fracking-Nebenwirkung thematisiert wurden. Im Krimi blieben die Schuldigen übrigens unbestraft, weil es den Fahndern an einer Rechtsbasis für die Bestrafung fehlte - bisher kein unrealistisches Szenario.

Das Brunnenthema ist deshalb relevant, weil sich große Teile der meist regional organisierten Trinkwasserversorgung der USA eben auf Brunnen stützt - rund 40 Millionen Amerikaner haben nur eine Trinkwasserquelle. Tausende von Brunnen sollen derzeit verseucht sein, meist aber auf vermeintlich profanem Wege: Eine Kontamination mit wahrscheinlich krebserregenden Insektiziden aus der Landwirtschaft in der Stadt DeLand (Florida) macht zurzeit nur deshalb Schlagzeilen, weil sich die durch Hollywood berühmte Umwelt-Anwältin Erin Brockowich dort engagiert. Sie sagt selbst, es sei nur einer von derzeit tausenden Fällen in den USA.

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insgesamt 209 Beiträge
1. Wasser wird nicht verbraucht
digitalturbulence 03.11.2011
Das regnet ja wieder nach. Hier wird so getan als sei Wasser eine Ölquelle die irgendwann zu Ende geht.
Das regnet ja wieder nach. Hier wird so getan als sei Wasser eine Ölquelle die irgendwann zu Ende geht.
2. Was für ein dusseliger Artikel
viwaldi 03.11.2011
In Deutschland (und anderen Ländern mit mehr Wasserangebot als Verbrauch) ist das Wassersparen die meiste Zeit des Jahres Schwachsinn. In der Sahara muss man auch nicht sparsam mit Sand umgehen. Unseren Wasserleitungen und [...]
Zitat von sysopIn Australien verdorren ganze Landstriche, Südseeinseln geht das Trinkwasser aus, in Schwellenländern ist es längst ein Luxus: Um den Rohstoff werden künftig wohl sogar Kriege geführt.*In Industrienationen wie Deutschland*wird das kostbare Gut verprasst*- ohne dass der Verbraucher es merkt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,793784,00.html
In Deutschland (und anderen Ländern mit mehr Wasserangebot als Verbrauch) ist das Wassersparen die meiste Zeit des Jahres Schwachsinn. In der Sahara muss man auch nicht sparsam mit Sand umgehen. Unseren Wasserleitungen und Kläranlagen würde es BESSER gehen, wenn wir MEHR Wasser verbrauchen würden. Lassen wir uns also nicht Unfug einreden. Lustigerweise haben wir ein relativ gutes Wassernetz (wenig Sickerverluste usw.) und viel Wasser, in südlicheren Ländern wo Wasser tatsächlich knapp sein kann, sind oft die undichte Wasserrohre einer der Hauptverbraucher. Alle Länder in einen Topf zu werfen beim Thema "Wasserverbrauch und Verschwendung" ist grober Unfug. Was nützt es Inder, wenn es im Harz regnet?
3. Wer die Zeit liest,
ishigami_san 03.11.2011
dem wird kürzlich ein Artikel aufgefallen sein, dass extremes Wassersparen von Privathaushalten in Deutschland sogar unnötig ist.
dem wird kürzlich ein Artikel aufgefallen sein, dass extremes Wassersparen von Privathaushalten in Deutschland sogar unnötig ist.
4. Harzwasser
ishigami_san 03.11.2011
In Flaschen abfüllen und nach Indien fliegen ^^
Zitat von viwaldiWas nützt es Inder, wenn es im Harz regnet?
In Flaschen abfüllen und nach Indien fliegen ^^
5. Verprassen ist wieder mal polemischer Quatsch..
real_jester 03.11.2011
Es gibt bei uns halt ausreichend Wasser. Da kann man auch nicht von verprassen sprechen. Und in Südspanien wird die Sonne verprasst... Das Problem ist sogar dass wir zu wenig Wasser verbrauchen, mit Problemen für die [...]
Es gibt bei uns halt ausreichend Wasser. Da kann man auch nicht von verprassen sprechen. Und in Südspanien wird die Sonne verprasst... Das Problem ist sogar dass wir zu wenig Wasser verbrauchen, mit Problemen für die Infrastruktur: http://www.is-kassel.org/unser-wasser-kassel/presse/2005/april2005/wassersparen.htm

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Vor-/Nachteile der Energieträger

Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

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