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18.11.2011
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Zweiter Test am Cern

Neutrinos erneut schneller als das Licht

INFN

Nach Einsteins These unmöglich - im Experiment aber offenbar wahr: Wieder haben Physiker Neutrinos gemessen, die schneller als Licht sind. Erlebt die Physik eine Revolution? Noch sind die Experten skeptisch. Aber sie bereiten sich schon darauf vor.

Hamburg - Im September elektrisierte eine Meldung aus dem Forschungszentrum Cern Physiker weltweit: Bei Experimenten des internationalen Opera-Projekts bewegten sich Neutrinos minimal schneller als das Licht. Die Ergebnisse stellten Albert Einsteins Relativitätstheorie samt der Lichtgeschwindigkeit als größtmögliche Geschwindigkeit im Universum in Frage - und Physiker vor ein riesiges Rätsel: Sind die Elementarteilchen mit extrem geringer Masse wirklich schneller als Licht? Und wenn ja, warum?

Für erstere Frage wird die Antwort offenbar immer eindeutiger: Die Cern-Physiker haben in einem neuen Versuch das verblüffende Resultat bestätigt. Erneut waren Neutrinos um 60 Nanosekunden flinker.

Über mehrere Tage hinweg maßen die Forscher erneut die Geschwindigkeit von Licht- und Neutrinostrahlen. Diese legten unterirdisch 730 Kilometer zurück - von Genf bis ins Gran-Sasso-Massiv nahe Rom. An den Ergebnissen änderte sich nichts, es waren die gleichen wie vor einigen Monaten.

Und noch mehr: Die statistischen Analysen seien diesmal sogar noch stabiler ausgefallen, berichten die Forscher im Online-Archiv arXiv. "Diesmal hatten wir eine viel bessere Technik, die präzisere Messungen ermöglichte", sagt Caren Hagner, die an der Universität Hamburg Experimentalphysik lehrt und in Genf mitforscht. Die neuen Untersuchungen haben die Forscherin überzeugt. Bei der ersten Veröffentlichung hatte sie es noch abgelehnt, im Bericht als Co-Autorin genannt zu werden - jetzt stimmte sie zu. Zumal auch weitere Gruppen innerhalb des Opera-Projekts die Ergebnisse reproduziert haben.

Sollte also das Licht doch nicht die größtmögliche Geschwindigkeit im Universum sein? Lag Einstein falsch? Zweifel an den Experimenten bestehen - selbst bei Hagner. Sie und die anderen Forscher konnten zwar keine Fehler in den Versuchen feststellen, aber "Kabelprobleme oder menschliche Messfehler - so etwas kann passieren", sagt die Physikerin. Die einzige Möglichkeit, solche Unsicherheiten auszuschließen, seien weitere Experimente - vor allem von anderen Forschergruppen.

Von Japan über Illinois in den USA bis zum Südpol wollen Forscher es nun wissen. Sie wollen in den nächsten Monaten selbst untersuchen, was schneller ist: Neutrinos oder das Licht. "Wenn die Elementarteilchen wirklich schneller sind, ist die Relativitätstheorie trotzdem nicht falsch, aber sie müsste erweitert werden. Und auch das wäre schon revolutionär", sagt Hagner. Klarheit darüber erwartet sie bereits innerhalb des nächsten Jahres. Physiker haben schon mal damit begonnen, nach möglichen Ursachen für das Phänomen zu fahnden.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass Neutrinos und Licht über Kabel geleitet werden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jha

Forum

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insgesamt 499 Beiträge
1. Das scheint ja echt der Hammer zu sein!
Delago 18.11.2011
Wirklich bemerkenswert. Langsam fange ich auch an, daran zu glauben. In den Artikeltext hat sich ein Fehler eingeschlichen. In "Sollte also das Licht doch die größtmögliche Geschwindigkeit im Universum sein? " [...]
Wirklich bemerkenswert. Langsam fange ich auch an, daran zu glauben. In den Artikeltext hat sich ein Fehler eingeschlichen. In "Sollte also das Licht doch die größtmögliche Geschwindigkeit im Universum sein? " fehlt vermutlich ein "nicht".
2. Albert hat sich doch
sophistson 18.11.2011
nur versprochen. Er meinte eigentlich (irgendwie fast) masselose Teilchen.
nur versprochen. Er meinte eigentlich (irgendwie fast) masselose Teilchen.
3. Ich habe nie verstanden, warum das Licht das schnellste Ding im Universum sein soll
Europa! 18.11.2011
Kann mir das jemand erklären?
Kann mir das jemand erklären?
4. Was hat das für Konsequenzen?
pklauss 18.11.2011
Das wollte ich auch eben anmerken. Angeblich haben Neutrinos ja eine, wenn auch sehr kleine Ruhemasse. Müsste die nach Einstein jetzt negativ sein? Läuft Zeit für diese Neutrinos jetzt rückwärts? Müsste sich das [...]
Zitat von DelagoWirklich bemerkenswert. Langsam fange ich auch an, daran zu glauben. In den Artikeltext hat sich ein Fehler eingeschlichen. In "Sollte also das Licht doch die größtmögliche Geschwindigkeit im Universum sein? " fehlt vermutlich ein "nicht".
Das wollte ich auch eben anmerken. Angeblich haben Neutrinos ja eine, wenn auch sehr kleine Ruhemasse. Müsste die nach Einstein jetzt negativ sein? Läuft Zeit für diese Neutrinos jetzt rückwärts? Müsste sich das nicht in den Zerfallszeiten widerspiegeln? Auf den ersten Blick ist ja auch Newton kohärent, nur bei großen Geschwindigkeiten kommt Einstein ins Spiel. Vielleicht ist wie bei dem Matroschka-Puppen. Es taucht immer wieder eine neue Theorie auf je extremer die Bedingungen sind.
5. Trotzdem nicht falsch
Philo 18.11.2011
Soso, "Trotzdem nicht falsch". Die Relativitätstheorie ist so offensichtlich paradox und ein furchtbares Flickwerk, da braucht es keine überlichtschnellen Neutrinos um das erkennen zu können. "Trotzdem nicht [...]
Soso, "Trotzdem nicht falsch". Die Relativitätstheorie ist so offensichtlich paradox und ein furchtbares Flickwerk, da braucht es keine überlichtschnellen Neutrinos um das erkennen zu können. "Trotzdem nicht falsch" drückt die kindliche Trotzigkeit aus mit der die Wissenschaft sich seit über 100 Jahren weigert ihren hochnotpeinlichen Irrtum einzugestehen. Ich bin jetzt schon gespannt mit was für neuem grotesken Flickwerk man versuchen wird diese "Theorie" und damit sich vor der letztendlich unvermeidlichen totalen Blamage zu retten.

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