26.01.2012
Schmallenberg-Virus
Kampf gegen neue Tierseuche wird dauern
Lamm in einem norddeutschen Betrieb: Mittlerweile vier Länder von Seuche betroffen
London/Bielefeld - Das Schmallenberg-Virus breitet sich in Deutschland und Europa aus. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist es für Menschen ungefährlich, doch für Nutztiere stellt es eine Gefahr dar. "Stündlich treffen neue Meldungen ein", sagt Thomas Mettenleiter, der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit verfolgt, wie der Erreger sich weiterverbreitet: "Wir haben es mit einer Tierseuche zu tun, die mittlerweile vier europäische Länder erfasst hat", so Mettenleiter.
Das Virus, das bei den Tieren schwere Krankheiten und Geburtsfehler auslösen kann, war bislang in Deutschland, Belgien und in den Niederlanden aufgetreten. Nun sind vier Schafe in den britischen Grafschaften Norfolk, Suffolk und East Sussex positiv getestet worden. In Deutschland sind mehr als 50 Betriebe in sechs Bundesländern betroffen: neben Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein jetzt auch Baden-Württemberg.
Die Fallzahlen dürften weiter steigen, zumal ab April auch die Kühe kalben. Die Arbeit an einem Impfstoff könnte längere Zeit in Anspruch nehmen - obwohl zahlreiche Forscher an dem Problem arbeiten: "Wir haben ganz bewusst darauf verzichtet, Patente auf unsere Entdeckungen zum Schmallenberg-Virus anzumelden", sagte Mettenleiter. "So geben wir sowohl die von uns entwickelten Untersuchungsmethoden als auch das Virusisolat frei."
Das Institut auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern hatte den Erreger, der schwere Schädigungen unter anderem bei neugeborenen Lämmern und Kälbern verursachen kann, im November 2011 erstmals diagnostiziert und beschrieben. Die Forscher haben das Protokoll für den Genomnachweis und Informationen über Genomsequenzen veröffentlicht. Damit solle auch die Suche nach Impfstoffen beschleunigt werden. Institutschef Mettenleiter dämpfte aber Erwartungen, dass schon in wenigen Monaten ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte.
Laut Bundesagrarministerium soll für das Virus eine Meldepflicht eingeführt werden. Damit sollen Labors verpflichtet werden, alle nachgewiesenen Fälle zu melden. So wollen Veterinärbehörden die Ausbreitung besser beobachten und bekämpfen. Über eine entsprechende Verordnung soll der Bundesrat Ende März entscheiden, dann könne sie gegebenenfalls in Kraft treten. Deutschland setzt sich auch für eine EU-weite Meldepflicht ein.
chs/dpa