Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Umweltbiologie

Nanopartikel verändern Verhalten von Fischen

Was passiert, wenn Mini-Kunststoffteilchen in die Nahrungskette gelangen? Versuche schwedischer Forscher lassen vermuten, dass die Nanopartikel von Algen auf kleine Wassertierchen übergehen - und dann auf Fische. Doch damit nicht genug: Das Verhalten der Tiere scheint sich zu ändern.

DPA

Karpfen (Archivbild): Nebenwirkungen von Nanoteilchen auf Lebewesen untersucht

Donnerstag, 23.02.2012   17:57 Uhr

Lund - Kunststoff-Nanopartikel können offenbar das Fressverhalten und den Fettstoffwechsel bei Fischen beeinflussen. Das wollen Forscher um Tommy Cedervall und Sara Linse von der Lund Universität in Schweden im Experiment nachgewiesen haben. Ihre im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlichte Arbeit ist ein weiteres Puzzleteil in der Forschung zu Risiken von Nanoteilchen.

Nanopartikel sind bis zu 100 Nanometer groß und haben unterschiedliche Ursprungsmaterialien. Ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter. Die Teilchen stecken unter anderem in Schutzschichten, Verpackungen, Medizin- und Kosmetikprodukten.

Die Forscher verwendeten für ihre Studie 24 Nanometer große Polystyrol-Teilchen. Sie gaben die Partikel in eine Algenkultur und fütterten diese dann an Zooplankton, also kleine Wasserlebewesen, die sich nicht durch Photosynthese ernähren. Nach einiger Zeit wurde das Zooplankton an Karauschen verfüttert - das sind Fische, die Karpfen ähneln. Eine Kontrollgruppe an Fischen erhielt die gleiche Menge an Nahrung, jedoch ohne Nanoteilchen.

Verhältnis verschiedener Blutfette verschoben

Die Menge des Futters war so knapp bemessen, dass die Fische theoretisch abnehmen und ihre Fettreserven verbrauchen mussten. Innerhalb eines Monats bewegten sich die Tiere in der Testgruppe mit Nanofutter langsamer, hatten weniger Interesse am Plankton und brauchten länger zum Fressen. Die Fische in der Kontrollgruppe nahmen stetig ab, während die Tiere Nanogruppe zunächst Gewicht verloren, am Ende der Versuche aber wieder zunahmen.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Nanoteilchen den Fettstoffwechsel und die Energiereserven beeinflussen. In Bluttests an den Fischen zeigte sich, dass sich das Verhältnis verschiedener Blutfette zueinander verschoben hatte. Außerdem war die Fettverteilung in Muskeln und Gewebe verändert.

In weiteren Tests nahmen die Forscher fluoreszierende Nanopartikel unter die Lupe. Sie konnten die Teilchen in den Algen und nach dem Füttern anschließend in den Plankton-Organismen beobachten. Die Wissenschaftler hoffen darauf, dass ihre Ergebnisse für Standardtests verwendet werden können, um Nebenwirkungen von Nanoteilchen auf Lebewesen zu untersuchen.

Einen weiteren Beitrag zum Risiko von Nanopartikeln hatten jüngst auch US-Forscher nach Versuchen an Hühnern und menschlichen Zellkulturen im Journal "Nature Nanotechnology" veröffentlicht. Dabei hatte sich gezeigt, dass Polystyrol-Partikel die Aufnahme von Eisen im Magen-Darm-System beeinflussen können, wenn sie durch den Mund aufgenommen werden.

Beide Forscherteams betonen allerdings, dass viele weitere Studien nötig seien, um endgültige Aussagen über die Gefahren von Nanoteilchen treffen zu können.

chs/dpa

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Mögliche Gefahren

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP