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23.02.2012
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Umweltbiologie

Nanopartikel verändern Verhalten von Fischen

DPA

Karpfen (Archivbild): Nebenwirkungen von Nanoteilchen auf Lebewesen untersucht

Was passiert, wenn Mini-Kunststoffteilchen in die Nahrungskette gelangen? Versuche schwedischer Forscher lassen vermuten, dass die Nanopartikel von Algen auf kleine Wassertierchen übergehen - und dann auf Fische. Doch damit nicht genug: Das Verhalten der Tiere scheint sich zu ändern.

Lund - Kunststoff-Nanopartikel können offenbar das Fressverhalten und den Fettstoffwechsel bei Fischen beeinflussen. Das wollen Forscher um Tommy Cedervall und Sara Linse von der Lund Universität in Schweden im Experiment nachgewiesen haben. Ihre im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlichte Arbeit ist ein weiteres Puzzleteil in der Forschung zu Risiken von Nanoteilchen.

Nanopartikel sind bis zu 100 Nanometer groß und haben unterschiedliche Ursprungsmaterialien. Ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter. Die Teilchen stecken unter anderem in Schutzschichten, Verpackungen, Medizin- und Kosmetikprodukten.

Die Forscher verwendeten für ihre Studie 24 Nanometer große Polystyrol-Teilchen. Sie gaben die Partikel in eine Algenkultur und fütterten diese dann an Zooplankton, also kleine Wasserlebewesen, die sich nicht durch Photosynthese ernähren. Nach einiger Zeit wurde das Zooplankton an Karauschen verfüttert - das sind Fische, die Karpfen ähneln. Eine Kontrollgruppe an Fischen erhielt die gleiche Menge an Nahrung, jedoch ohne Nanoteilchen.

Verhältnis verschiedener Blutfette verschoben

Die Menge des Futters war so knapp bemessen, dass die Fische theoretisch abnehmen und ihre Fettreserven verbrauchen mussten. Innerhalb eines Monats bewegten sich die Tiere in der Testgruppe mit Nanofutter langsamer, hatten weniger Interesse am Plankton und brauchten länger zum Fressen. Die Fische in der Kontrollgruppe nahmen stetig ab, während die Tiere Nanogruppe zunächst Gewicht verloren, am Ende der Versuche aber wieder zunahmen.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Nanoteilchen den Fettstoffwechsel und die Energiereserven beeinflussen. In Bluttests an den Fischen zeigte sich, dass sich das Verhältnis verschiedener Blutfette zueinander verschoben hatte. Außerdem war die Fettverteilung in Muskeln und Gewebe verändert.

In weiteren Tests nahmen die Forscher fluoreszierende Nanopartikel unter die Lupe. Sie konnten die Teilchen in den Algen und nach dem Füttern anschließend in den Plankton-Organismen beobachten. Die Wissenschaftler hoffen darauf, dass ihre Ergebnisse für Standardtests verwendet werden können, um Nebenwirkungen von Nanoteilchen auf Lebewesen zu untersuchen.

Einen weiteren Beitrag zum Risiko von Nanopartikeln hatten jüngst auch US-Forscher nach Versuchen an Hühnern und menschlichen Zellkulturen im Journal "Nature Nanotechnology" veröffentlicht. Dabei hatte sich gezeigt, dass Polystyrol-Partikel die Aufnahme von Eisen im Magen-Darm-System beeinflussen können, wenn sie durch den Mund aufgenommen werden.

Beide Forscherteams betonen allerdings, dass viele weitere Studien nötig seien, um endgültige Aussagen über die Gefahren von Nanoteilchen treffen zu können.

chs/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
1.
TheDayAfter2 23.02.2012
Ich finde diese Aussage gehört mal vom Kopf auf die Füße gestellt! Als mögliches Opfer einer Politik und eines Fortschrittsglaubens, die erst mal probieren und dann erstaunte Gesichter machen, betone ich, dass noch viele [...]
Zitat von sysopBeide Forscherteams betonen allerdings, dass viele weitere Studien nötig seien, um endgültige Aussagen über die Gefahren von Nanoteilchen treffen zu können.]
Ich finde diese Aussage gehört mal vom Kopf auf die Füße gestellt! Als mögliches Opfer einer Politik und eines Fortschrittsglaubens, die erst mal probieren und dann erstaunte Gesichter machen, betone ich, dass noch viele Studien nötig sein werden, um endgültige Aussagen über die Harmlosigkeit von Nanoteilchen treffen zu können.
2.
FranzM 24.02.2012
Ich muss zugeben, dass ich dem Thema zwar immer mal wieder gefolgt bin, aber zu dem Zeitpunkt schienen Nanopartikel bereits weit verbreitet zu sein in Produkten. Hat man das am Anfang denn gar nicht untersucht, was man [...]
Zitat von TheDayAfter2Ich finde diese Aussage gehört mal vom Kopf auf die Füße gestellt! Als mögliches Opfer einer Politik und eines Fortschrittsglaubens, die erst mal probieren und dann erstaunte Gesichter machen, betone ich, dass noch viele Studien nötig sein werden, um endgültige Aussagen über die Harmlosigkeit von Nanoteilchen treffen zu können.
Ich muss zugeben, dass ich dem Thema zwar immer mal wieder gefolgt bin, aber zu dem Zeitpunkt schienen Nanopartikel bereits weit verbreitet zu sein in Produkten. Hat man das am Anfang denn gar nicht untersucht, was man da einfach an Kunststoffen hinzumischt? Jedes Medizinprodukt, jedes Medikament und Nahrunsmittelzusatz muss doch vorher geprüft werden, wie kann es dann sein, dass hierzu keine Studien gemacht wurden?
3. Tiere können sich nicht wehren
huuhbär 24.02.2012
Der Mensch hat verlernt mit der Natur zu leben. Wasser aus Glasflaschen schmeckt auch ganz anders als aus Plastikflaschen. Mich wundert die Erkenntnis aus der Studie nicht.
Zitat von sysopWas passiert, wenn Mini-Kunststoffteilchen in die Nahrungskette gelangen? Versuche schwedischer Forscher lassen vermuten, dass die Nanopartikel von Algen auf kleine Wassertierchen übergehen - und dann auf Fische. Doch damit nicht genug: Das Verhalten der Tiere scheint sich zu ändern. Umweltbiologie: Nanopartikel verändern Verhalten von Fischen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,817217,00.html)
Der Mensch hat verlernt mit der Natur zu leben. Wasser aus Glasflaschen schmeckt auch ganz anders als aus Plastikflaschen. Mich wundert die Erkenntnis aus der Studie nicht.
4. Nanaopartikel
dr.u. 24.02.2012
Nanopartikel sind eben kein Medikament und kein Nahrungsmittelzusatz. Nanopartikel sind als technische Werkstoffe / Beschichtungen entstanden. Niemand hat vor der Einführung von Stahl eine biologische oder [...]
Zitat von FranzMIch muss zugeben, dass ich dem Thema zwar immer mal wieder gefolgt bin, aber zu dem Zeitpunkt schienen Nanopartikel bereits weit verbreitet zu sein in Produkten. Hat man das am Anfang denn gar nicht untersucht, was man da einfach an Kunststoffen hinzumischt? Jedes Medizinprodukt, jedes Medikament und Nahrunsmittelzusatz muss doch vorher geprüft werden, wie kann es dann sein, dass hierzu keine Studien gemacht wurden?
Nanopartikel sind eben kein Medikament und kein Nahrungsmittelzusatz. Nanopartikel sind als technische Werkstoffe / Beschichtungen entstanden. Niemand hat vor der Einführung von Stahl eine biologische oder Umwelltveträglichkeitsstudie. Das problem dürfte viel mehr darin liegen, dass der Einsatz von Nanopartikel jedeweder Art schon so weit fortgeschritten ist, dass ein Umsteuern gar nicht mehr möglich ist, falls sich ein entsprechend hohes Gefährdungspotential bewahrheiten sollten.
5.
Kidu 24.02.2012
Volle Zustimmung. Die Beweislast muss bei den Erzeugern der Wunderprodukte liegen, nicht umgekehrt. Leider hilft aber auch das nur, wenn man sich weltweit einig ist. Schon für das ganze gentechnisch manipulierte Zeug, das [...]
Zitat von TheDayAfter2Ich finde diese Aussage gehört mal vom Kopf auf die Füße gestellt! Als mögliches Opfer einer Politik und eines Fortschrittsglaubens, die erst mal probieren und dann erstaunte Gesichter machen, betone ich, dass noch viele Studien nötig sein werden, um endgültige Aussagen über die Harmlosigkeit von Nanoteilchen treffen zu können.
Volle Zustimmung. Die Beweislast muss bei den Erzeugern der Wunderprodukte liegen, nicht umgekehrt. Leider hilft aber auch das nur, wenn man sich weltweit einig ist. Schon für das ganze gentechnisch manipulierte Zeug, das bereits in freier Wildbahn unterwegs ist, sollte man sich endlich an einen Tisch setzen - und sämtliche Lobbyisten aussperren. Irgendwann werden wir vielleicht noch feststellen, dass wir selbst das "harmlose Plastik" völlig unterschätzt haben, welches mittlerweile 6 mal so häufig im Meer anzufinden ist wie Plankton - tendenz steigend, langfristige Konsequenz unbekannt...

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