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24.02.2012
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Paviane

Neuer Chef verursacht Fehlgeburten

Shayna Liberman

Blutbrustpavian-Weibchen mit Jungtier: Fehlgeburt bei neuem Alphamännchen

In Pavian-Rudeln herrschen raue Sitten: Ein neuer Anführer tötet gern den Nachwuchs, den er nicht selbst gezeugt hat. Jetzt haben Forscher erstmals in freier Natur nachgewiesen, dass viele Weibchen ihre Schwangerschaften in dieser Situation lieber selbst beenden.

Manche Tiere haben eine brutale Methode, um ihr Erbgut zu verbreiten: Dominante Männchen, die neu in eine Gruppe kommen, töten gern den Nachwuchs anderer Männchen. Bei Nagetieren etwa haben Biologen in solchen Situationen bemerkenswertes beobachtet: Bei einem Großteil der trächtigen Weibchen kommt es zu Fehlgeburten.

Die Biologin Hilda Bruce hat den nach ihr benannten Effekt vor einem halben Jahrhundert an gefangenen Mäusen nachgewiesen. Jetzt haben Wissenschaftler ihn nach eigenen Angaben erstmals auch in freier Wildbahn belegt - allerdings nicht bei Nagetieren, sondern bei Affen.

Eila Roberts von der University of Michigan und ihre Kollegen haben fünf Jahre lang eine Population wilder Blutbrustpaviane (Theropithecus gelada) im äthiopischen Simien-Mountains-Nationalpark beobachtet. Sie zählten die lebend geborenen Jungaffen in Gruppen, in denen sich ein neues Männchen etabliert hatte. Außerdem sammelten sie Kot, um anhand der enthaltenen Hormone festzustellen, welche Weibchen trächtig waren und seit wann.

Das Ergebnis: 80 Prozent aller Schwangerschaften wurden in den ersten Wochen nach Ankunft des neuen Männchens abgebrochen, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Science" schreiben. Als Auslöser des Bruce-Effekts gilt ein Geruchsreiz: Der Duft eines fremden Männchens führt bei Weibchen zu einer Veränderung des Hormonhaushalts und damit letztlich zur Fehlgeburt.

Die Herden der Blutbrustpaviane werden in der Regel von einem Weibchen geleitet, haben aber auch ein hervorgehobenes Männchen. Der Schwangerschaftsabbruch scheine sich für die Weibchen aus evolutionärer Sicht zu lohnen, da ihr Nachwuchs ansonsten in Gefahr schwebe, getötet zu werden, so die Forscher. Damit könne man den Bruce-Effekt als eine erfolgreiche Anpassungsstrategie der Weibchen betrachten: Sie maximierten ihre Kinderzahl in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft.

mbe/dpa

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