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07.04.2012
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Historische Belege

Forscher warnt vor Nordsee-Tsunami

Nordsee: Nicht nur Wellengang, auch ein Tsunami ist möglich
DPA

Nordsee: Nicht nur Wellengang, auch ein Tsunami ist möglich

Vor Dänemark türmten sich die Wassermassen sechs Meter hoch, Mitte des 19. Jahrhunderts traf eine Flutwelle unvermittelt die Nordseeküsten. Im SPIEGEL warnt ein Forscher, dass solche Tsunamis jederzeit wieder entstehen können.

Hamburg - Am 5. Juni 1858 prallte ein Tsunami auf die Nordseeküste. Ohne Vorwarnung rollte die Riesenwelle an dem warmen, windstillen Sommertag auf die Küstenregion zu, hat der Geograf Jürgen Newig von der Kieler Christian-Albrechts-Universität herausgefunden. Der Forscher stützt sich auf zeitgenössische Berichte von Menschen, die das Ereignis auf Sylt, Wangerooge und Helgoland beobachteten. Diese würden sich mit den bekannten Beschreibungen über Tsunamis decken. So sei etwa beschrieben worden, dass das Wasser vor der ersten großen Welle erst zurückgewichen war.

Newig warnt in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL: "So etwas kann jederzeit wieder passieren." Zusammen mit seinem Kollegen Dieter Kelletat hat der Forscher versucht, den Ursprung des Nordsee-Tsunamis ausfindig zu machen.

Wie ihre Recherchen ergaben, wütete die Riesenwelle seinerzeit nicht nur an der deutschen Küste. Berichte von dem ungewöhnlichen Naturereignis liegen auch aus Frankreich, England und den Niederlanden vor. Am heftigsten aber traf die Welle auf die Küsten Dänemarks, wo sie Höhen von über sechs Metern erreichte.

Wahrscheinlich durch einen Hangabrutsch ausgelöst

Aus der zeitlichen Abfolge lässt sich rekonstruieren, dass der Tsunami südwestlich im Atlantik entstanden sein muss. Für die wahrscheinlichste Ursache halten die beiden Geowissenschaftler einen unterseeischen Hangabrutsch, bei dem mehrere Kubikkilometer Gestein auf den Meeresgrund stürzten.

Die Forscher gehen davon aus, dass in früheren Jahrhunderten immer wieder Riesenwellen gegen die deutsche Küste brandeten. "Das Risiko von Tsunamis an der Nordseeküste ist größer als bislang gedacht", sagt Kelletat. "Die Riesenwellen bedrohen eine Region, die jedes Jahr von Millionen Touristen besucht wird."

Von einem früheren katastrophalen Tsunami in Nordeuropa hatten Forscher bereits berichtet: Vor 8150 Jahren trafen bis zu sechs Meter hohe Wellen die Küsten, nachdem ein Beben die norwegische Küste erschüttert hatte und gewaltige Erdmassen in tieferes Wasser gerissen worden waren. Ein verwüstetes Steinzeitlager an der schottischen Küste zeugt von dieser Naturkatastrophe.

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