06.05.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Italiener finanzierten Entdeckung Nordamerikas
Von Angelika FranzIm Internet ist es leicht, statistisch festzustellen, wofür die Menschen sich interessieren - was sie suchen und lesen. Aber wie war es in der Vergangenheit, als wir unsere Neugierde noch aus Büchern befriedigten? Diese Frage versucht Kathryn Rudy zu klären, die an der schottischen St. Andrews Universität Kunstgeschichte unterrichtet - dort, wo auch Prinz William im Hörsaal saß und Katherine Middleton kennenlernte.
Die Forscherin kam zu dem Ergebnis, dass sich die mittelalterlichen Gewohnheiten und Interessen gar nicht so sehr von unseren heutigen unterscheiden: Die Menschen waren auch damals sehr an sich selbst interessiert - und hatten Angst vor Krankheiten. Rudy untersuchte Gebetsbücher des 15. und 16. Jahrhunderts - mit forensischen Methoden. Mit einem Densitometer maß sie die Dunkelheit der Seiten - ein Indikator für die Häufigkeit, mit der sie berührt worden waren. Die dreckigsten Seiten waren die am häufigsten konsultierten.
Die am meisten gelesenste Seite enthielt ein Gebet an den heiligen Sebastian, das oft als Schutz gegen die Pest aufgesagt wurde. Aber auch Gebete, in denen es um die Rettung der eigenen Seele ging, wurden nach den Messungen Rudys oft bemüht. Und offenbar waren die Gläubigen des Mittelalters ebenso wenig Frühaufsteher wir wir heute: Die Gebete, die in den frühen Morgenstunde aufgesagt wurden, zeigten meist nur auf wenigen ersten Seiten schmutzige Fingerabdrücke - offenbar nickten die Leser oft ein, bevor sie ihre Gebete zu Ende sagen konnten.