20.05.2012
Ausgegraben - Neues aus der Archäologie
Mit einer Ladung Weizen nach Virunum
Von Angelika Franz+++ Auf der Jagd nach dem letzten Inkaherrscher +++
Wo liegt Atahualpa, der letzte Herrscher der Inka, begraben? Das glaubt die ecuadorianische Historikerin Tamara Estupiñán vom Fränzösischen Institut für Andenstudien (IFEA) herausgefunden zu haben. Nicht hoch in den Anden nämlich, sondern im nassen Tiefland Ecuadors, sechs Autostunden südwestlich der Hauptstadt Quito.
Nach einem Bürgerkrieg gegen seinen eigenen Bruder wurde Atahualpa von den Truppen Francisco Pizarros gefangen genommen. Im Gegenzug für sein Leben bot er den Spaniern an, einen großen Raum mit Gold und Silber zu füllen. Genützt hat es ihm nichts: 1533 richteten die Eroberer den letzten Inkaherrscher hin. Nach seinem Tod war das große Inkareich - das zu Beginn des Jahrhunderts noch fast die gesamten Anden vom südlichen Kolumbien bis zur Mitte Chiles und Teile Argentinien umspannt hatte - praktisch am Ende. Doch Atahualpas Grab wurde nie gefunden.
Estupinan fand in den alten Berichten über Atahualpas loyalen General Ruminahui Hinweise darauf, dass er die Leiche nach Süden ins Tiefland auf der Westseite der Anden schaffte. Dort fand Estupinan eine Farm namens Malqui - was auf Quechua, der Sprache der Inka, "Mumie" bedeutet. Bei der jüngsten Begehung der Stätte entdeckte sie Inka-Architektur - eventuell die Reste einer bedeutenden Grabstätte. Dazu gehörte auch ein unterirdischer Kanal: Fließendes Wasser spielte in an den heiligen Stätten der Inka stets eine bedeutende Rolle. Die Ausgrabungen sollen im Juni beginnen. Atahualpa selbst jedoch werden die Archäologen nicht mehr antreffen. Es ist unwahrscheinlich, dass in dem nassen Boden nach 500 Jahren noch Reste der Mumie erhalten sind.