13.07.2012
Kurioser Paarungstrick
Fisch fischt Fisch
Zum Anbeißen: Fischmännchen (rechts) lockt Weibchen mit Futter-Anhängsel
Die Männchen einer tropischen Fischart locken mit besonders raffinierten Mitteln zur Paarung: Ein Anhängsel ihrer Kiemendeckel imitiert entweder eine Ameise oder einen Käfer - je nachdem, welche Nahrung in ihrem Teil des Flusses häufiger ist. Das Weibchen schnappt nach der vermeintlichen Lieblingsnahrung, und das Männchen nutzt diesen Moment, um die Partnerin zu begatten. Die ungewöhnliche Strategie haben schwedische Forscher bei Zwergdrachenflossern (Corynopoma riisei) in Trinidad beobachtet. Diese Paarungsstrategie erkläre, warum die Köder der Männchen entlang verschiedener Flussabschnitte unterschiedlich aussehen können. Und sie zeige, dass Umweltbedingungen auch die Signale beeinflussen und verändern können, die Tiere innerhalb einer Art verwenden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Current Biology".
Dass Männchen ihre Weibchen anlocken, indem sie Nahrung imitieren, passiert im Tierreich häufiger. Wassermilben beispielsweise ahmen bei ihrer Balz die zuckenden Bewegungen eines ins Wasser gefallenen Insekts nach. Ob solche Werbestrategien aber innerhalb einer Art so flexibel sind, dass sie auch an die jeweilige lokale Vorzugsnahrung angepasst werden können, sei bisher unbekannt gewesen, berichten die Forscher. Mit den Zwergdrachenflosser habe man nun ein solches Beispiel entdeckt.
Der etwa sechs Zentimeter lange Fisch lebt in den Flüssen Trinidads und Venezuelas. Je nach Flussbreite und Uferbewuchs ernährt er sich entweder vorwiegend von Baumameisen, die von überhängenden Ästen ins Wasser stürzen, oder aber von Käfern und Insektenlarven. "Der Anteil der Ameisen variiert dabei je nach Flussabschnitt zwischen 10 und 75 Prozent", schreiben Niclas Kolm von der schwedischen Uppsala-Universität und seine Kollegen. Die einzelnen Populationen entlang des Flusses mischten sich kaum, dadurch bleibe auch das Nahrungsspektrum innerhalb einer Gruppe immer relativ gleich.
Die Forscher beobachteten, dass die Köder der Männchen in ameisenreichen Flussabschnitten eher länglich und gebogen waren - und damit ameisenähnlich. In Abschnitten mit vorwiegend Käfernahrung waren sie kompakter und rundlicher und glichen damit eher einem Käfer. In Laborversuchen testeten die Wissenschaftler, ob Weibchen tatsächlich die Köderform bevorzugten, die ihrer Hauptnahrung entsprach. Dazu fütterten sie in Gefangenschaft aufgezogene Weibchen entweder mit Ameisen oder mit Käfern. Anschließend präsentierten sie ihnen zwei Köder zur Auswahl. "Wie erwartet bissen die an Ameisen gewöhnten Weibchen häufiger in den Köder, der ameisenähnlicher war", berichten die Forscher.
Nach Ansicht der Forscher könnte die Anpassung des Paarungsverhaltens im Laufe der Zeit sogar so weit gehen, dass zwei verschiedene Arten entstehen. Deren Vertreter können sich dann nicht mehr miteinander paaren, weil sie nicht die richtigen Köder besitzen.
wbr/dapd