13.07.2012
Nachtbaumnattern
Meister der Körperspannung
Braune Nachtbaumnatter: Die Schlangen strecken sich über Abstände von über zwei Metern
Cincinnati/USA - Schlangen sind beweglich und schlängeln sich wie selbstverständlich durch dichtes Geäst. Besonders geschickt klettern können braune Nachtbaumnattern: Sie überbrücken Höhenunterschiede von über zwei Metern - dabei sind die größten Exemplare selbst kaum länger.
Auf Klettertour recken sich die Reptilien mit dem wissenschaftlichen Namen Boiga irregularis kerzengerade und nahezu senkrecht in die Höhe und halten sich nur mit ihrem Körperende an einem Ast fest. Dabei sind die Nattern starken mechanischen Kräften ausgesetzt; vergleichbar mit einem Balken, der auf der linken Seite im Mauerwerk steckt und mit seiner rechten Seite frei in den Raum ragt.
Für ihre Experimente bildeten Greg Byrnes und Bruce Yayne in einem Labor der Universität Cincinnati große Höhenunterschiede und große seitliche Abstände nach. Diese Bedingungen finden Nattern auch häufig im Geäst. In dem künstlichen Hindernisparcour der Forscher stellten zehn Baumnattern ihr Klettertalent unter Beweis. Nachzulesen sind die Ergebnisse im "Journal of Experimental Biology".
In dem Versuch reckte sich etwa eine 127 Zentimeter lange Natter 77,5 Zentimeter senkrecht in die Höhe, um ihr Ziel zu erreichen. Bei einem weiteren Test mussten die Schlangen eine ähnliche Höhe überwinden - zudem lag das Ziel aber seitlich versetzt. Die Nattern reckten ihren Körper also in einem 45-Grad-Winkel über den Abgrund. Um das letzte Stück zu überwinden wagte eine Schlange sogar einen kleinen Sprung. Zu sehen sind Ausschnitte des Versuchs auf zwei Videos im Zusatzmaterial der Studie.
Hohe Barrieren gegen Natternplage
Auf der Insel Guam im Westpazifik könnte das Wissen um die Kletterkünste der Schlangen bald helfen, der Natternplage Herr zu werden: Dort wurden die Schlangen vermutlich während des Zweiten Weltkriegs eingeschleppt. Seitdem vermehrten sie sich unkontrolliert und gefährden Vogelarten und kleine Säugetiere.
Da die Nattern auf Guam bis zu drei Meter lang werden können, weisen Byrnes und Jayne darauf hin, dass die Tiere dort horizontale Entfernungen von bis zu 1,5 Metern und Höhenunterschiede von bis zu 2,2 Metern überbrücken könnten. Daher empfehlen die Wissenschaftler der Bevölkerung, Pflanzen zurückzuschneiden und hohe Barrieren aufzubauen, damit sich die Nattern nicht weiter ausbreiten.
jme/dpa/fwt