23.07.2012
Neues aus der Geoforschung
Fluss mit Kurzschluss, CO2-Sprint, verirrtes Erdbeben
Von Axel Bojanowski
Brazos River in Texas: Aus dem Ufer gekratzt
Ein erstes Foto von 1944 zeigt, wie der Fluss eine ausladende U-förmige Schleife nimmt. 51 Jahre später hatten sich die beiden unteren Ende der Schleife bereits so stark angenähert, dass man gleichzeitig an beiden Ufern hätte stehen können (siehe Fotostrecke).
Was war passiert? Flüsse schaben sich immer tiefer in ihre Kurven: Das Wasser, das sich in die Biegung legt, kratzt Erde aus dem Ufer an seinem sogenannten Prallhang - die Flusskurven verlagern sich stetig. Bald liegen sich in einer Fluss-Schleife zwei Prallhänge gegenüber.
Bei Hochwasser passiert es irgendwann - es kommt zum Kurzschluss: Das Wasser durchschneidet die Schlinge, es schwappt über auf die andere Seite. Zurück bleibt das sogenannte Altwasser - die abgeschnittene Fluss-Schleife. Am Brazos River ist es irgendwann zwischen 1995 und 2004 passiert, wie die Fotos beweisen.
Auf dem Foto von 2004 ist das Altwasser aber noch gut gefüllt, noch hat es Verbindung zum neuen - kürzeren - Flusslauf. Zwei Jahre später aber war die alte Schleife bereits endgültig abgeschnitten. Seit 2010 zeugt nur noch ein feuchter Abdruck vom einstigen Flusslauf.