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15.11.2012
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Experimente mit Nerzen

Auch Tiere langweilen sich

REUTERS

Nerz (auf einer Farm in Weißrussland, November 2011): Anfällig für Langeweile

Was macht ein Nerz, wenn nichts los ist? Genau, er langweilt sich. Kanadische Forscherinnen haben das Phänomen jetzt wissenschaftlich untersucht. Die Erkenntnisse könnten für die Haltung von Zootieren interessant sein.

Guelph - Für Haustierbesitzer mag die Nachricht wenig überraschend kommen. Und auch Forscher haben schon lange vermutet, dass auch Tiere sich langweilen können. Doch Wissenschaft bedeutet eben auch, dass man unbewiesene Vermutungen beweist - auch wenn der Rest der Welt kaum Zweifel hat. Kanadische Wissenschaftlerinnen haben nun gezeigt: Amerikanische Nerze langweilen sich, wenn man sich nicht um sie kümmert. Und wie.

Die gelangweilten Tiere in leeren Käfigen waren wach, aber untätig - und waren viel stärker an Ablenkungen und Naschereien interessiert als Artgenossen mit zahlreichen Spielmöglichkeiten. Das spreche dafür, dass die Tiere wirklich unter Langeweile litten und nicht etwa unter Apathie oder einer Depression. Denn diese beiden Gefühlszustände schwächten das Interesse für Reize eher ab.

Die Nerze hingegen hätten jede Form der Zerstreuung willkommen geheißen, berichten Rebecca Meagher und Georgia Mason von der University of Guelph im Fachmagazin "PloS ONE" . "Gängigen Hypothesen nach leiden vielseitige, anpassungsfähige Arten wie Waschbären oder Wölfe eher unter Langeweile als sehr spezialisierte", berichten die Forscherinnen. Auch intelligente Tiere wie Menschenaffen oder Delfine seien möglicherweise stärker betroffen.

Bisher aber habe es keine Methode gegeben, um dies eindeutig nachzuweisen, denn standardisierte Testverfahren fehlten. "Daher war es bisher auch schwer festzustellen, ob Beschäftigungsmaßnahmen, beispielsweise für Zootiere, den gewünschten Effekt haben", so Meagher. Nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen könnte die von ihnen entwickelte Testmethode nun dabei helfen, zu klären, in welchem Maße auch andere Tiere unter Langeweile leiden und welche besonders anfällig dafür sind.

Für ihre Studie hielten die Forscherinnen 29 Amerikanische Nerze sieben Monate lang einzeln unter verschiedenen Bedingungen: Eine Hälfte der Tiere verbrachte die Zeit in Käfigen, die bis auf ein Schlafnest leer waren. Die andere Hälfte konnte dagegen jederzeit in ein angrenzendes Gehege mit fließendem Wasser, Kletterborden und zahlreichen verschiedenen Spielzeugen wechseln. Jeweils einmal im Monat erhielten die Nerze der zweiten Gruppe zudem neue Spielzeuge.

Nach Ablauf der sieben Monate begannen die eigentlichen Tests. Dafür beobachteten die Forscherinnen zunächst das Verhalten der Nerze im Tagesverlauf und notierten, wie häufig die Tiere aktiv waren, schliefen oder untätig, aber wach waren. Dabei stellten sie fest, dass die Nerze in den leeren Käfigen sehr viel mehr Zeit damit verbrachten, untätig im Käfig zu liegen, als ihre mit Spielzeug versorgten Artgenossen.

chs/dapd

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