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15.11.2012
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Erbgut entschlüsselt

Genom-Analyse erklärt Supernase der Schweine

dapd

Junge Duroc-Hausschweine: Ihre Gene machen sie zu exzellenten Trüffelschnüfflern

Vor etwa 10.000 Jahren begannen Menschen, Schweine zu halten und zu züchten. Eine Genom-Analyse von Haus- und Wildschwein zeigt nun, welche Spuren das im Erbgut der Vierbeiner hinterlassen hat - und erklärt die feine Nase der Tiere.

Zwar gilt der Hund als des Menschen bester Freund, doch auch mit dem Schwein verbindet uns eine besondere - wenn auch nicht ganz so innige - Beziehung. Schon vor etwa 10.000 Jahren begannen Menschen die Tiere zu fangen, zu zähmen und durch gezielte Züchtung an ihre Bedürfnisse anzupassen. Grund genug für eine internationale Forschergruppe, sich die genetische Entwicklung der Schweine, die stark vom Menschen geprägt wurde, genauer anzusehen.

Das Team um Martien Groenen von der Universität Wageningen in den Niederlanden analysierte das Erbgut eines weiblichen Duroc-Hausschweins, einer der Stammrassen moderner Zuchtschweine. Die Wissenschaftler verglichen die Sequenz mit dem Erbgut von zehn Wildschweinen aus verschiedenen Gebieten Europas und Asiens.

Die bisher umfassendste Inventur des Schweineerbguts erklärte auch den erstaunlichen Geruchssinn der Tiere, die auch zur Trüffelsuche eingesetzt werden: Haus- und Wildschweine haben mehr Geruchsgene als die meisten anderen Säugetiere. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten, sind bei den Tieren mehr als 1300 Gene allein für die Funktion der verschiedenen Duftsensoren zuständig. Dies könne auch erklären, warum sich Schweine bei der Nahrungssuche so stark auf ihren Geruchssinn verlassen.

Der Geschmacksinn der Tiere ist dagegen wenig entwickelt. So haben Schweine beispielsweise nur 17 Gene für Bittersensoren; Menschen haben 25. Wahrscheinlich nehmen Schweine auch salzige Geschmacksrichtungen weniger intensiv wahr als Menschen, wie die Analysen ergaben. "Schweine fressen deshalb problemlos Dinge, die für uns abscheulich schmecken", erklärt Lawrence Schook von der University of Illinois, einer der Studienleiter.

Kälteeinbruch trennte Populationen vor einer Million Jahren

Der Erbgutvergleich von Wildschweinen aus verschiedenen Gegenden ergab zudem, dass sich die Vorfahren der europäischen und asiatischen Wildschweine schon vor einer Million Jahren voneinander getrennt hatten. Ursache dafür ist nach Ansicht der Experten wahrscheinlich ein Kälteeinbruch, der damals beide Populationen voneinander isolierte. Nach dieser Kältephase habe es zwar immer wieder vereinzelten Genaustausch gegeben, die Unterschiede im Erbgut seien aber bis heute deutlich nachweisbar. Die Forscher entdeckten zwischen beiden Varianten mehr als eine Million unterschiedliche Erbgutbausteine.

Die Auswirkungen der letzten Eiszeit lassen sich am Genom der Wildschweine ablesen, wie die Forscher berichten. Vor allem die europäischen Wildschweine erlebten vor rund 20.000 Jahren einen starken Einschnitt in ihrer genetischen Vielfalt. Das extreme Klima ließ ihre Population damals bis auf wenige Tiere zusammenschrumpfen. Ihre Artgenossen in Asien seien davon weniger stark betroffen gewesen, berichten die Forscher. Die genetische Vielfalt der asiatischen Wildschweine sei daher noch heute deutlich größer als die der europäischen.

Die neuen Genanalysen geben auch Aufschluss darüber, wo der Mensch vor rund 10.000 Jahren die ersten Hausschweine aus ihren wilden Vorfahren züchtete. Wie die Wissenschaftler berichten, entstanden domestizierte Rassen demnach voneinander unabhängig im westlichen Eurasien und in Ostasien. "Der aus den genetischen Unterschieden rekonstruierte Stammbaum zeigte eine klare Trennung zwischen europäischen und asiatischen Zuchtrassen", schreibt das Team um Groenen . Durch spätere Einkreuzungen bedingt, tragen die europäischen Hausschweinrassen allerdings rund 35 Prozent asiatische Erbgutanteile in sich, und auch in asiatischen Rassen sei ein europäischer Einfluss nachweisbar.

twn/dapd

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