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24.11.2012
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Paradiesvögel

Zählappell im Paradies

Von National-Geographic-Autor Mel White

Acht Jahre Arbeit, 18 Expeditionen in den Dschungel: Erstmals ist es Forschern gelungen, in Neuguinea alle 39 Arten der prachtvollen Paradiesvögel zu finden. Sie dokumentierten das bizarre Verhalten der Tiere in eindrucksvollen Bildern.

Kängurus, die auf Bäume klettern, Schmetterlinge von der Größe einer Frisbeescheibe, Säugetiere, die Eier legen: Neuguinea ist eine Welt voller biologischer Extravaganzen. Aber kein anderes Naturwunder dieser Insel hat die Wissenschaftler jemals so fasziniert wie jene Lebewesen, die der Naturforscher Alfred Russel Wallace einmal "die schönsten und außergewöhnlichsten gefiederten Bewohner der Erde" nannte: die Paradiesvögel.

Ihre Familie umfasst 39 Arten, die ausschließlich in Neuguinea und einigen angrenzenden Regionen bis hinüber nach Australien leben. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen hatte es kein Mensch geschafft, sie alle zu sehen - bis Edwin Scholes und Tim Laman ihr ehrgeiziges Projekt mit Erfolg beendeten.

Im Jahr 2003 hatten der Ornithologe Scholes von der Cornell-Universität und der Biologe und Fotograf Laman sich vorgenommen, alle Paradiesvogelarten im Bild zu dokumentieren. Sie brauchten acht Jahre und 18 Expeditionen. Auf Fotos, Videos und Tonaufnahmen hielten die beiden viele Verhaltensweisen fest, die der Wissenschaft bis dahin unbekannt waren.

Kaum ein Naturschauspiel ist so bizarr wie die Partnerwerbung dieser Vögel. Goldenes Gefieder, comicartige Tänze, wippende Antennen, metallisch schimmernde Halskrausen in Farben, die jeden Edelstein verblassen lassen - alles, um die Zuneigung der Weibchen zu gewinnen.

Der glitzernde Federschmuck beeindruckt nicht nur Vogelfrauen

Paradiesvögel belegen als extreme Beispiele Charles Darwins Theorie der sexuellen Selektion: Die Weibchen wählen ihre Männchen wegen bestimmter reizvoller Merkmale und steigern damit die Chance, dass diese Merkmale an die nächste Generation weitergegeben werden.

Der glitzernde Federschmuck beeindruckt übrigens nicht nur Vogelfrauen. Die Menschen in Asien schätzen ihn seit Jahrtausenden als Dekor. Als Jäger die ersten Vögel im 16. Jahrhundert an Europäer verkauften, entfernten sie häufig Flügel und Beine, damit das Gefieder besser zur Geltung kam. Solche Bälge begründeten die Legende, sie stammten von Vögeln, die als Begleiter der Götter durch die Luft schweben, ohne flattern zu müssen - getragen allein von den Nebeln des Paradieses.

Für Laman und Scholes stand allerdings handfeste Forscherarbeit im Vordergrund, wenn auch mit einem romantischen Aspekt: Sie wollten alle Arten mit den Augen der Weibchen dokumentieren. Dazu kletterte Laman zum Bei- spiel auf der Insel Batanta 50 Meter hoch ins Kronendach des Regenwalds, um das Paarungsritual der Rot-Paradiesvögel zu fotografieren.

Und auf der Huon-Halbinsel im Nordosten Neuguineas montierte er eine Kamera so, dass sie von einem Ast nach unten blickte: Nur auf diese Weise konnte er die Perspektive eines Weibchens auf die farbenfrohen Brustfedern und das Tanzröckchen eines männlichen Wahnes-Paradiesvogels einfangen.

Ihre Tropenerfahrung kam den Männern zwar zugute, die Strapazen, die sie auf sich nahmen, waren dennoch außergewöhnlich. Sie überstanden nervenzerreißende Hubschrauberflüge und marschierten endlos auf überfluteten Dschungelpfaden. Für den ersten Blick auf den Kopfstand einer balzenden Fächer-Paradieselster hockten sie insgesamt mehr als 2000 Stunden in Tarnzelten, ohne sich zu rühren.

Eine blauschwarze Jobi-Paradieskrähe war im Juni 2011 der letzte Vogel auf ihrer Liste. Jetzt, da die Lebensräume der Arten besser bekannt sind, könne man sie gezielter schützen, hoffen Laman und Scholes. Bisher bewahrte die Vögel vor allem die Unzugänglichkeit ihrer Reviere vor intensiver Nachstellung. Das war schon Wallace aufgefallen, der schrieb: "Anscheinend hat die Natur alle Vorkehrungen getroffen, dass ihre erlesensten Schätze nicht an Wert verlieren, weil man allzu einfach an sie herankommt."


Weitere Reportagen, Videos und Fotos von balzenden Paradiesvögeln auf Neuguinea finden Sie unter nationalgeographic.de/paradiesvoegel.

Auszug aus National Geographic Deutschland, Ausgabe Dezember 2012, www.nationalgeographic.de

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
1. Schwerstarbeit
canoscan 24.11.2012
ich komme aus der gleichen Branche. Ohne geduld - kein Erfolg.8 Tage schon angesessen = Null - Kein Foto Ein 1000 - 1200 mm Objektiv Stativ 2 kameras ist schwerst Arbeit.
ich komme aus der gleichen Branche. Ohne geduld - kein Erfolg.8 Tage schon angesessen = Null - Kein Foto Ein 1000 - 1200 mm Objektiv Stativ 2 kameras ist schwerst Arbeit.
2. The Film on National Geographic is much impressive
haltetdendieb 24.11.2012
Aber da scheint mir ein kleiner Widerspruch, denn in dem Film heißt es: "In the island of Great Guinea there are 42 species of Birds of Paradise....". In dem Bericht der NG wiederum ist die Rede von 39 Arten. Sei es, [...]
Aber da scheint mir ein kleiner Widerspruch, denn in dem Film heißt es: "In the island of Great Guinea there are 42 species of Birds of Paradise....". In dem Bericht der NG wiederum ist die Rede von 39 Arten. Sei es, wie es ist, die Vögel sind einfach unglaublich schön. Und der Balztanz im VimeoVideo ist einfach unvergleichlich, wenn auch leider nicht vom Erfolg gekrönt. Typisch männliches Verhalten: Erst wird alles aufgeräumt und dann geht es ans Balzen. Wie auch sonst bei uns Männern. Und dann wird sich erst einmal aufgedonnert, dass die Angebetete eigentlich nicht mehr Nein sagen kann. Eigentlich.....
3.
neoptolemos 25.11.2012
Die Tiere belegen überhaupt nichts, schon gar keine Theorie der sexuellen Selektion. Es ist umgekehrt: Die Theorie der sexuellen Selektion soll erklären, wie sich die zum Teil extremen Ornamente bei den Männchen [...]
Zitat von sysopNational Geographic/ Tim LamanAcht Jahre Arbeit, 18 Expeditionen in den Dschungel: Erstmals ist es Forschern gelungen, in Neuguinea alle 39 Arten der prachtvollen Paradiesvögel zu finden. Sie dokumentierten das bizarre Verhalten der Tiere in eindrucksvollen Bildern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/paradiesvoegel-in-neuguinea-forscher-dokumentieren-39-arten-im-bild-a-868860.html
Die Tiere belegen überhaupt nichts, schon gar keine Theorie der sexuellen Selektion. Es ist umgekehrt: Die Theorie der sexuellen Selektion soll erklären, wie sich die zum Teil extremen Ornamente bei den Männchen innerhalb der Stammesgeschichte ausbilden konnten. Diese Theorie bleibt allerding seit 150 Jahren die Antwort auf die Frage schuldig, wie die Präferenz für bestimmte Merkmale der Männchen in die Weibchen hineingekommen sein soll. Sie kann es innerhalb ihrer eigenen Logik nicht erklären. Eine Theorie, die über 150 Jahre weder durch empirische Belege gestützt werden kann, und noch nicht einmal logisch konsistent ist, ist schlicht Schrott.

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