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19.12.2012
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Fernwirkung

Nordpolstürme wärmen Europa

NEODAAS Dundee Satellite Receiving Station

Polartief: Bedrohung für die Schifffahrt

Kleine Wirbel, große Wirkung: Eisige Stürme über der Arktis treiben eine Meeresströmung an, die Wärme nach Europa bringt. Wissenschaftler sind überrascht - der Effekt könnte das Klima verändern.

London/Hamburg - Kleine Stürme über dem Nordatlantik haben einen unterschätzten Einfluss auf das Klima in Europa und Nordamerika. Die Tiefdruckgebiete verändern Meeresströmungen und leiten damit Wärme nach Europa, berichten Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience".

Jedes Jahr queren Tausende Tiefdruckgebiete den Nordatlantik zwischen Südgrönland und Norwegen, oft mit orkanartigen Winden und bis zu elf Meter hohen Wellen. Diese Tiefs sind ungewöhnlich klein, sie haben weniger als 1000 Kilometer Durchmesser und überdauern meist nur wenige Tage. Die meisten Stürme sind sogar nur 250 Kilometer klein und dauern unter 48 Stunden. Ihr plötzliches Auftreten macht sie gleichwohl zu einer erheblichen Bedrohung für die Schifffahrt.

Trotz ihrer enormen Zahl werden diese Tiefs bisher in Klimamodellen kaum berücksichtigt. In Computersimulationen berechneten die Forscher um Alan Condron von der University of Massachusetts in Amherst und Ian Renfrew von der University of East Anglia in Norwich nun, wie stark ihr Einfluss ist.

Warme Seite des Wirbels

Die Studie zeigt, dass die Stürme die Umwälzung des Wassers etwa im Europäischen Nordmeer zwischen Grönland, Skandinavien und Spitzbergen verstärken. Demnach kurbeln sie einen riesigen Meereswirbel an, den sogenannten Grönlandseewirbel - er leitet an seiner Ostseite warmes Wasser nach Europa.

Dort treibt der Norwegische Atlantikstrom warmes und salzreiches Wasser entlang der skandinavischen Küste polwärts. Auf der Westseite des Wirbels hingegen führt der Ostgrönlandstrom kaltes und salzarmes Wasser durch die Dänemarkstraße zwischen Grönland und Island nach Südwesten in den Atlantik Richtung Nordamerika.

Die polaren Tiefdruckgebiete verstärken diesen Wirbel deutlich. Damit tragen sie dazu bei, dass warmes Wasser im Atlantik nach Norden geleitet wird. Klimamodelle müssten diese kleinen Stürme künftig berücksichtigen, fordern die Forscher. Manche Studien deuten darauf hin, dass die Zahl der polaren Tiefdruckgebiete in den kommenden 20 bis 50 Jahren abnehmen wird. Damit könnte möglicherweise der Transport von warmem Wasser nach Europa abflauen - das Klima würde sich entsprechend wandeln.

"Die Tatsache, dass Klimamodelle diese Stürme nicht simulieren, ist ein echtes Problem, denn diese Modelle werden fehlerhaft vorhersagen, wie viel Wärme nach Norden in die Polarregion geleitet wird", betont Condron laut einer Pressemitteilung seiner Universität. "Das erschwert eine zuverlässige Prognose darüber sehr, wie sich das Klima in Europa und Nordamerika in der nahen Zukunft verändern wird."

boj/dpa

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