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15.01.2013
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Verräterischer Bauch

Fliegender Frosch in Vietnam entdeckt

Von Thomas Wagner-Nagy
Fotos
Australian Museum/ Jodi Rowley

Eine australische Forscherin hat eine neue Art von Flugfröschen in Vietnam entdeckt - nicht im tiefsten Urwald, sondern vor den Toren einer Millionenmetropole. Allerdings musste sie dem Frosch zweimal begegnen, um ihn als neue Art zu identifizieren.

Hamburg - In Vietnam ist eine neue Art fliegender Frösche entdeckt worden. Der zehn Zentimeter lange Frosch unterscheide sich in Farbe, Form und Größe von seinen nächsten Verwandten, sagte seine Entdeckerin, die australische Forscherin Jodi Rowley. Molekulare Untersuchungen hätten bestätigt, dass es eine unbekannte Art sei. Für den Namen der neuen Art dachte sich Rowley etwas Besonderes aus: Sie benannte die Frösche nach ihrer Mutter Helen "Rhacophorus helenae" - also "Helens Fliegender Frosch". "Meine Mutter ist ebenso fasziniert von Fröschen wie ich und fühlte sich sehr geehrt", sagt Rowley.

Erst bei der zweiten Begegnung als neue Art erkannt

Erstmals gesehen habe sie den Frosch bereits 2009 in einem Wald in der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt. Damals hatte sie das Tier für eine bekannte Art gehalten. Erst als sie ein Tier derselben Art nun bei einer erneuten Reise in Vietnam auf einem Baumstamm sitzen sah, realisierte sie, dass es sich um eine noch nicht beschriebene Art handelte. Sein markanter weißer Bauch und seine auffällige Größe hatten den neuen Frosch schließlich enttarnt.

Weltweit sind etwa 80 Arten von Flugfröschen bekannt. R. helenae sticht laut Rowley hervor. "Genau ist er noch nicht untersucht, aber der Frosch hat auffällig große Füße mit Schwimmhäuten, die ihn wohl zu einem der besten Flieger unter den Fröschen machen." Zusätzliche lappenartige Auswüchse an der Außenseite seiner Beine helfen ihm dabei, zwischen Bäumen durch die Luft zu gleiten. Bisher bekannte Flugfrösche können so Distanzen von 15 bis 20 Metern zurücklegen.

Unerwartete Entdeckung

Die Entdeckung des Tieres am Rande der Sieben-Millionen-Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt sei ein absoluter Glückstreffer, sagt Rowley. Flugfrösche seien gewöhnlich selten am Boden anzutreffen. "Ich hätte nicht damit gerechnet, ausgerechnet in einem von Menschen intensiv bewirtschafteten Gebiet eine neue Art zu finden. Ich könnte wohl noch fünfmal an dieselbe Stelle zurückkehren und würde R. helenae womöglich nicht wieder antreffen.

Laut Rowley vermehren sich die fliegenden Frösche in den zeitweise überschwemmten Auwäldern. Bisher seien allerdings nur fünf Exemplare an zwei Orten entdeckt worden. Forscher prüften nun, ob die gerade erst entdeckte Art schon bedroht ist. Ihr Lebensraum im vietnamesischen Tiefland ist für den Menschen leicht zugänglich und daher anfällig für Zerstörungen. Das letzte prominente Opfer aus diesem Gebiet ist das Java-Nashorn, das Ende 2011 in Vietnam für ausgestorben erklärt wurde.

mit Material von afp

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