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23.01.2013
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Grönland

Eisstange enthüllt Risiko der Superschmelze

Von
Science/ AAAS/ Ian Joughin

Ein Kollaps des Eispanzers in Grönland gilt als gravierendste Folge des Klimawandels - die Ozeane würden um sieben Meter steigen. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich? Die Analyse von Ablagerungen aus einer früheren Warmzeit offenbart nun erstmals, was geschehen kann.

Hamburg - Welche Folgen hat der Klimawandel? Was passiert, wenn sich der Planet weiter erwärmt? Die besten Prognosen liefert manchmal der Blick in die Vergangenheit: Während der Eem-Zeit vor rund 120.000 Jahren war es noch wärmer, als es Klimaszenarien für die Zukunft vorhersehen. Die Geschehnisse dieser Zeit ermöglichen es, die Folgen einer drastischen Erderwärmung abzuschätzen.

Als größte Gefahr des Klimawandels gilt der Eispanzer Grönlands. Er drohe schon bei einem Temperaturanstieg zwischen 0,8 bis 3,2 Grad Celsius komplett abzuschmelzen, warnten Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Madrid vor einem Jahr. Folglich würden die Ozeane um sieben Meter anschwellen, ganze Länder im Meer versinken.

Jetzt ergründeten Fachleute erstmals genauer, was tatsächlich geschehen kann. Sie haben die Ereignisse der Eem-Warmzeit ergründet, die vor 130.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Damals beherrschten Neandertaler Europa, Südgrönland war so bewaldet wie das heutige Schweden.

"Wirklich aufregend"

Die Erde stand in der Eem-Zeit näher zur Sonne, bekam mehr Strahlung ab, auch das war bekannt - doch wie mild war es wirklich? "Unsere Daten zeigen, dass es während der Eem-Warmzeit in Nordgrönland bis zu acht Grad wärmer war als heute", sagt Dorthe Dahl-Jensen von der Universität Kopenhagen in einer Mitteilung ihrer Forschergruppe. Für dieses Jahrhundert hingegen sagen Klimaprognosen aufgrund des verstärkten Treibhauseffekts durch Abgase wie CO2 im globalen Durchschnitt allenfalls eine halb so starke Erwärmung vorher wie im Eem; in Grönland könnte es den Berechnungen zufolge aber auch wärmer werden.

Die größte Überraschung aber brachten die Daten über das Schmelzen während der letzten Warmzeit: Trotz der hohen Temperaturen im Eem sei das Grönlandeis um höchstens ein Viertel geschrumpft, berichten die Experten nun im Wissenschaftsmagazin "Nature". Das Schmelzwasser habe die Meere um maximal zwei Meter steigen lassen.

"Die neuen Erkenntnisse sind wirklich aufregend", sagt der Glaziologe und Mitautor der Studie Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). "Sie widerlegen nicht nur alle Schreckensszenarien, denen zufolge der grönländische Eispanzer im Zuge einer Warmzeit im Nu verschwindet. Sie bestätigen zudem Modellrechnungen, die schon vor über einem Jahrzehnt am Alfred-Wegener-Institut gemacht wurden."

Tagebuch der Urzeit

Der Blick in die Vergangenheit gelang, indem die Wissenschaftler Ablagerungen im Eispanzer analysierten: Jahr für Jahr schweben Schneeflocken auf Grönland, in Bläschen bleibt die Luft früherer Zeiten erhalten. Eine 2540 Meter lange Eisstange aus dem grönländischen Eispanzer, die das Neem-Projekt (North Greenland Eemian Ice Drilling Project) erbohrt hat, gibt den Forschern wie ein Tagebuch Auskunft über den Klimaverlauf.

Eine Art Thermometer aus zwei Sauerstoff-Varianten im Eis verrät die Temperatur: Sauerstoff gibt es sowohl als leichtes als auch als schweres Atom. Je milder die Luft ist, desto mehr schwerer Sauerstoff verdunstet aus dem Ozeanwasser - über den Polen fiel im Eem besonders viel schwerer Sauerstoff als Schnee.

Bislang fehlten in der Abfolge ausgerechnet die "Tagebuch"-Seiten aus dem Eem. Das Eis aus jener Zeit ist geknickt und gefaltet - Gletscherbewegungen haben es verbogen. So blieb unklar, welche Eisschichten welcher Zeit zugeordnet werden müssen. Die Forscher des Neem-Projekts haben die ursprüngliche Reihenfolge der Ablagerungen nun rekonstruieren können, indem sie den Gehalt an Gasen mit Bohrkernen im Meeresboden verglichen.

Problem nur verlagert?

Die Analyse offenbart, dass der Eispanzer am Ort der Bohrung in der Hochphase des Eem vor 128.000 bis vor 122.000 Jahren um etwa 400 Meter dünner geworden ist; seine Oberfläche lag damals 130 Meter unter der heutigen.

Die Forscher beurteilen die neuen Daten zwiespältig: Einerseits müsse "man vorsichtig sein mit Prognosen, die einen außerordentlich raschen Eismassenverlust Grönlands beschwören", sagt Miller. Andererseits dokumentierten die Daten zeitweise "exzessives Schmelzen während des Eems", schreiben die Forscher in "Nature".

Möglicherweise hat sich das Problem aber verlagert: Andere Studien hatten gezeigt, dass die Pegel der Ozeane im Eem um vier bis neun Meter höher standen als heute - irgendwo muss das Wasser hergekommen sein: "Offenbar waren die Eismassen der Antarktis hauptverantwortlich dafür, dass der Meeresspiegel während des Eems mehrere Meter höher war als heute", sagt Dorthe Dahl-Jensen, Leitautorin der Studie.

In den Zukunftsszenarien der Klimaforscher galt das Eis der Antarktis bislang als weniger bedroht als der Panzer Grönlands. Die neu gewonnenen Daten sollen die Genauigkeit der Klimamodelle verbessern, erklärt das AWI. Die Erkundung der Vergangenheit könnte also künftig einen schärferen Blick in die Zukunft erlauben.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 134 Beiträge
1. 7 Meter?
denkdochmalmit 23.01.2013
Warum wird hier eigentlich immer noch der Blödsinn von den 7 Meter Meeresspiegelanstieg verbreitet? Wenn es passiert werden flache küstennahe Landstriche und Küstengebiete voll laufen, aber nirgends 7 Meter hoch. Hört doch [...]
Warum wird hier eigentlich immer noch der Blödsinn von den 7 Meter Meeresspiegelanstieg verbreitet? Wenn es passiert werden flache küstennahe Landstriche und Küstengebiete voll laufen, aber nirgends 7 Meter hoch. Hört doch endlich mit der Klimapanik auf..
2.
gast100100 23.01.2013
Aus dem Artikel: "Sie haben die Ereignisse der Eem-Warmzeit ergründet, die vor 130.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Damals beherrschten Neandertaler Europa, Südgrönland war so bewaldet wie das [...]
Zitat von sysopScience/ AAAS/ Ian JoughinEin Kollaps des Eispanzers in Grönland gilt als gravierendste Folge des Klimawandels - die Ozeane würden um sieben Meter steigen. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich? Die Analyse von Ablagerungen aus einer früheren Warmzeit offenbart nun erstmals, was geschehen kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eem-warmzeit-eiskern-zeigt-eisschmelze-und-temperatur-in-groenland-a-879278.html
Aus dem Artikel: "Sie haben die Ereignisse der Eem-Warmzeit ergründet, die vor 130.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Damals beherrschten Neandertaler Europa, Südgrönland war so bewaldet wie das heutige Schweden." Hoffentlich wird dieser Satz auch von den anderen Panik-Schreibern gelesen, die eine mensch-gemachte Klimapanik herbeischreiben.
3. Im Mittelalter fast Eisfrei !
berndj 23.01.2013
Wenn man dem renommierten Wissenschaftler und Klima-Experten Prof. Dr. Fritz Vahrenholt glauben kann,war Grönland im Mittelalter fast ganz eisfrei,warum wird das ignoriert ?????
Wenn man dem renommierten Wissenschaftler und Klima-Experten Prof. Dr. Fritz Vahrenholt glauben kann,war Grönland im Mittelalter fast ganz eisfrei,warum wird das ignoriert ?????
4.
günter1934 23.01.2013
In dem Artikel wird ja aufgezeigt, dass es mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zu einer Schmelze des Grönlandeises kommen wird. Aber wenn man das Wasser des auf dem grönländischen Festland aufsitzenden Eises auf die [...]
Zitat von denkdochmalmitWarum wird hier eigentlich immer noch der Blödsinn von den 7 Meter Meeresspiegelanstieg verbreitet? Wenn es passiert werden flache küstennahe Landstriche und Küstengebiete voll laufen, aber nirgends 7 Meter hoch. Hört doch endlich mit der Klimapanik auf..
In dem Artikel wird ja aufgezeigt, dass es mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zu einer Schmelze des Grönlandeises kommen wird. Aber wenn man das Wasser des auf dem grönländischen Festland aufsitzenden Eises auf die Weltmeere verteilt, kommt man schon auf einen Anstieg von 7 Meter. Während der letzten Eiszeit waren ausser Grönland auch grosse Teile der nördlichen Erde vereist, dadurch lag der Meeresspiegel 130 Meter tiefer als heute.
5. Und warum keine 7 Meter?
Flari 23.01.2013
Haben Sie ggf. andere Daten als die meisten Wissenschaftler über das aktuelle Eisvolumen auf Grönland, den Erdradius, den prozentualen Anteil von Meer/Land auf der Erdoberfläche? Oder haben Sie eine bahnbrechende neue [...]
Zitat von denkdochmalmitWarum wird hier eigentlich immer noch der Blödsinn von den 7 Meter Meeresspiegelanstieg verbreitet? Wenn es passiert werden flache küstennahe Landstriche und Küstengebiete voll laufen, aber nirgends 7 Meter hoch. Hört doch endlich mit der Klimapanik auf..
Haben Sie ggf. andere Daten als die meisten Wissenschaftler über das aktuelle Eisvolumen auf Grönland, den Erdradius, den prozentualen Anteil von Meer/Land auf der Erdoberfläche? Oder haben Sie eine bahnbrechende neue Formel für die Berechnung des Kugelvolumens?

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