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30.01.2013
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Nesseltiere

Karibische Korallenriffe wachsen kaum noch

Chris Perry

Steinkorallen: Im flachen Meer Rückgang der Kalkproduktion um bis zu 70 Prozent

Viele Korallen in der Karibik wachsen nicht mehr richtig - und einige schrumpfen sogar. Forscher sehen ganze Riffe in Gefahr. Bei einer ständigen Erosion könnten stützende Strukturen womöglich einfach zusammenbrechen.

Hamburg/Exeter - Korallenriffe sind Heimat für zahllose Fische und Pflanzen. Doch vielerorts sind die Nesseltiere bedroht. In der Karibik wachsen sie kaum noch - einige schrumpfen sogar, berichten Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Das erhöhe die Gefahr, dass die Tiere mit einem steigenden Wasserspiegel nicht mithalten können. Ganze Riffe könnten verschwinden, warnen die Forscher.

Chris Perry von der Universität Exeter in Großbritannien und Kollegen haben den Kalkaufbau in 19 Riffen vor den Bahamas, Belize, Bonaire und den Kaiman-Inseln bestimmt. Dabei fanden sie heraus, dass nur fünf Prozent der Korallenriffe deutlich wuchsen - und zwar mehr als fünf Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr. Bei 26 Prozent lag dieses Wachstum unter einem Kilogramm, und 21 Prozent der Riffe verloren sogar Kalk.

Korallen bauen ihr Skelett, indem sie Kalk produzieren. So bilden sie zusammen mit anderen Lebewesen riesige Riffe. Doch insgesamt bauen Korallenriffe in der Karibik im Schnitt nur noch halb so viel Kalk auf wie noch vor rund 7000 Jahren. Im flachen Meer ist die Kalkproduktion im Vergleich zu früheren Langzeitwerten sogar um 60 bis 70 Prozent zurück gegangen, in tiefen Regionen lag der Rückgang etwa bei einem Viertel.

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Diese Entwicklung habe etwas mit dem sinkenden Anteil lebender Korallen an der Oberfläche eines Riffs zu tun, schreiben die Forscher. Er dürfe nicht weniger als rund zehn Prozent betragen. Hinzu komme eine Verschiebung innerhalb der Lebensgemeinschaften hin zu nicht kalkaufbauenden Arten.

Die Wissenschaftler nehmen außerdem an, dass das sogenannte Bleichen der Korallen eine Rolle spielen könnte. Dabei verlieren die Korallen oft wegen höherer Wassertemperaturen ihre symbiotischen Algen und sterben. Ein weiterer Grund könne die Versauerung der Meere durch das Treibhausgas Kohlendioxid sein. Beides sei allerdings bislang nicht bestätigt worden.

Die Zukunft sieht nach Forscherangaben düster aus: Bei einer ständigen Erosion im Meerwasser könnten mit der Zeit die stützenden Strukturen der Riffe angegriffen werden und zusammenbrechen. Außerdem seien die Riffe nicht in der Lage, sich durch Wachstum einem Anstieg des Meeresspiegels anzupassen.

Eine Übersichtsstudie von Forschern um Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung war im vergangenen Jahr zu dem Schluss gekommen, dass bis zu Jahr 2030 rund 70 Prozent aller Korallenstandorte weltweit langfristig geschädigt werden könnten. Mit 19 verschiedenen Klimamodellen hatten die Forscher den Wärmestress an 2160 Korallenstandorten weltweit simuliert.

Kurzfristig, so ihr Fazit, können Korallen höhere Temperaturen vertragen - aber langfristig gefährden diese ihr Überleben. Um wenigstens die Hälfte der Korallenriffe weltweit zu schützen, müsse die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad begrenzt werden. Doch danach sieht es - auch wegen der mageren Ergebnisse auf dem Klimagipfel von Doha - derzeit nicht aus.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Kohlendioxid unmittelbar schädlich für den Kalk der Korallenriffe ist. Tatsächlich handelt es sich um einen indirekten Effekt: Kohlendioxid führt zur Versauerung der Meere, so dass Korallen und andere riffbildende Organismen immer weniger Kalk produzieren können. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jme/dpa

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