Lade Daten...
04.02.2013
Schrift:
-
+

Evolution

Weibliche Kärpflinge stehen auf Verlierer

Goethe-Universität Frankfurt/ David Bierbach

Brutale Kämpfer: Weibliche Kärpflinge scheuen den Sex mit sieghaften Artgenossen

In brutalen Kämpfen entscheiden männliche Kärpflinge, wer ein Weibchen begatten darf. Doch die Fisch-Damen wissen die Kräfte ihrer Artgenossen offenbar nicht zu schätzen. Wenn sie die Wahl haben, entscheiden sie sich für den unterlegenen Fisch.

Hamburg/Frankfurt - Unter Fischen gilt das Recht des Stärkeren: Männliche Kärpflinge prügeln sich mit Artgenossen um die Gunst der Weibchen. Doch bei denen kommt das Machtgehabe offenbar gar nicht an, zeigt eine Studie von Forschern der Universität Frankfurt am Main im Fachjournal "Behavioral Ecology and Sociobiology". Demnach wählen weibliche Atlantik-Kärpflinge (Poecilia mexicana) lieber den Verlierer eines Kampfs zwischen zwei Männchen als den Gewinner. Letztere seien den Fisch-Damen zu brutal.

Biologen zeigten Fischweibchen zunächst zwei Videos von zwei etwa gleich großen Männchen. Die Weibchen hielten sich in etwa gleich häufig in der Nähe beider Videos auf. Danach spielten die Forscher der Hälfte der Weibchen ein Video von einem Kampf der beiden soeben beobachteten Männchen vor. Kurze Zeit später verbrachten die Weibchen viel mehr Zeit vor dem Video des nun wieder allein schwimmenden Verlierers. Die zweite Hälfte der Weibchen entschied sich für den Sieger - sie wussten nicht, dass dieser kurz zuvor gekämpft hatte.

Der Kampf der vier bis sechs Zentimeter langen männlichen Atlantik-Kärpflinge ist recht brutal: Sie beißen sich, schlagen mit den Schwanzflossen aufeinander und rammen ihren Gegner. Zugleich stellen sie ihre Flossen auf - um größer zu erscheinen, so vermuten die Forscher. "Am Ende eines Kampfs wird das unterlegene Tier, erkennbar an den eingefalteten Flossen, vom Gewinner verjagt", berichten sie.

In weiteren Experimenten beobachteten die Forscher, dass die Siegermännchen direkt nach dem Kampf sexuell besonders aktiv waren. Das läge an den männlichen Hormonen, die nach dem Sieg produziert werden. Für die Weibchen ist dieses Verhalten allerdings stressig bis gefährlich: Sie wurden heftig bedrängt, vom Fressen abgehalten und ihr Genitaltrakt wurde häufiger als gewöhnlich beim Sex verletzt.

Schwule Männchen sind beliebt

In der Regel entschieden sich die Weibchen des Atlantik-Kärpflings dennoch für das größere von zwei Männchen. Das ändere sich nur, wenn die Fische vorher einen Kampf beobachtet hätten. "Unsere Studie zeigt, wie stark das weibliche Partnerwahlverhalten von Informationen aus dem sozialen Umfeld abhängt und wie kompliziert auch das Liebesleben eines Fischweibchens sein kann", sagt Martin Plath von der Universität Frankfurt.

Bei den Kärpflingen werden die vom Weibchen abgelegten Eier nicht wie bei vielen anderen Fischen vom Männchen im Gewässer befruchtet. Vielmehr geschieht die Befruchtung im Körper des Weibchens, das lebende Junge zur Welt bringt.

Das Frankfurter Team hatte bereits im vergangenen Dezember berichtet, dass homosexuelles Verhalten männlicher Kärpflinge die Weibchen anzieht. Den Weibchen sei es in dem Fall egal, welche geschlechtlichen Vorlieben ein Männchen habe, Hauptsache es habe Sex und zeige damit Aktivität an, schreiben sie im Journal "Biology Letters". Dieser ist offensichtlich weit attraktiver als ein siegreicher Kampf.

jme/dpa

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Fotostrecke

Video

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Fische
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten