06.02.2013
Ausbeutung der Meere
EU-Parlament stimmt für Ende der Überfischung
Grünen-Politiker im Europaparlament: Votum für ein Ende der Überfischung
Straßburg - Das Europäische Parlament hat sich dafür ausgesprochen, der Überfischung der Meere ein Ende zu setzen. Die Abgeordneten nahmen am Mittwoch mit 502 zu 137 Stimmen eine Entschließung an, in der eine umfassende Reform der Fischereipolitik verlangt wird. Die zuständige EU-Kommissarin Maria Damanaki begrüßte den Entschluss als einen wichtigen Durchbruch hin zu einer "ehrgeizigen Reform". Zustimmung gab es auch von Umwelt- und Tierschutzorganisationen.
Sollte sich das Votum durchsetzen, wären die EU-Länder ab 2015 zu einer nachhaltigen Fischerei verpflichtet: Die Bestände müssen stets eine Größe besitzen, die den höchstmöglichen Dauerertrag über einen unbegrenzten Zeitraum ermöglicht. Verboten werden auch verschwenderische Rückwürfe: Fast ein Viertel der gefangenen Fische (1,9 Millionen Tonnen pro Jahr) wird tot oder lebendig ins Meer zurück geworfen, weil sie keinen Handelswert haben, oder um Quoten einzuhalten.
So sollen sich die stark verringerten Fischbestände bis 2020 erholen können. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gelten 47 Prozent der Fischbestände im Atlantik und 90 Prozent der Populationen im Mittelmeer als überfischt. Eine Folge: In den vergangenen 15 Jahren ist der Fischfang in den EU-Ländern um nahezu 40 Prozent zurückgegangen.
Großes Lob von Umweltorganisationen
Mit dem Votum des Europäischen Parlaments ist allerdings noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Die Volksvertreter müssen jetzt mit dem EU-Ministerrat und der Kommission das weitere Vorgehen verhandeln. Das allerdings könnte sich noch als schwierig erweisen, denn die Interessen der einzelnen Staaten liegen teils weit auseinander.
Umweltorganisationen zeigten sich dennoch begeistert vom eindeutigen Votum der Abgeordneten. "Das EU-Parlament stemmt sich gegen den jahrzehntelangen Kollaps-Kurs der Fischereiminister ", sagte Anna Holl, WWF-Expertin für Fischereipolitik. "Die heutige Entscheidung ist ein historischer Etappensieg auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Fischerei und lebendigen Meeren."
Auch die Fischer selbst äußerten sich positiv über das Votum des Parlaments. "Wir befinden uns auf einem guten Weg in Europa", sagte Peter Breckling, Geschäftsführer des Deutschen Fischerei-Verbands. Mit langfristigen Managementplänen und der Reduzierung der Flottenkapazitäten habe man den Anteil der überfischten Bestände im Nordostatlantik in den letzten sechs Jahren von 94 auf 47 Prozent senken können. Dadurch konnte die Gesamtfangmenge für viele Bestände laut Breckling bereits wieder angehoben werden, was den Fischern ein Zusatzeinkommen von 135 Millionen Euro eingebracht habe.
Besonders begrüßenswert nannte WWF-Expertin Holl das Bekenntnis der Parlamentarier zu einem systematischen Wiederaufbau der europäischen Fischbestände, die unter zu hohem Fischereidruck geschrumpft seien: "Nach 30 Jahren verfehlter Fischereipolitik durch die Minister hat das Parlament mit einem Paukenschlag für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Fischerei gestimmt."
Nina Wolff von der Deutschen Umwelthilfe sagte, das Europäische Parlament habe "eine von uns seit Jahren geforderte Trendwende eingeleitet". "Das Votum sendet eine eindeutige Botschaft an die Fischereiminister der Mitgliedstaaten, in den bevorstehenden Verhandlungen mit dem EU-Parlament ihre Politik des Verzögerns zu überdenken." Sandra Altherr vom Umweltverband ProWildlife sprach von einem "guten Tag für die Meere".
mbe/AP/dpa