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26.02.2013
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Tauchgang mit Kopfsensor

See-Elefanten finden geheimnisvolles Tiefenwasser

REUTERS/ Antarctic Climate and Ecosystems CRC

See-Elefanten haben Forschern einen seltenen Blick unter die winterliche Eisdecke des Südpolarmeers ermöglicht. Mit Kopfsensoren ausgestattet führten die riesigen Robben die Wissenschaftler zu einer extrem kalten, salzigen und dichten Wassermasse, die aus der Tiefe ganze Weltmeere bewegt.

Um mehr über den schwer erreichbaren Meeresgrund im Antarktischen Ozean zu erfahren, haben Forscher professionelle Taucher engagiert, denen Kälte nichts ausmacht: See-Elefanten. Sie statteten die Tiere mit Kopfsensoren aus und begleiteten sie damit auf ihren Beutezügen in den Tiefen des Südpolarmeers.

Zusammen mit Satellitendaten und Messungen in Meeresgräben helfen die riesigen Robben bei der Erforschung einer unwirtlichen Gegend, die auch mit moderner Ausrüstung nur schwer zugänglich ist. Tief unter der Eisdecke schwammen die See-Elefanten zum sogenannten antarktischen Bodenwasser, einer stark salzhaltigen und mit minus 0,8 bis plus zwei Grad sehr kalten Wassermasse. Antarktisches Bodenwasser entsteht auf riesigen eisfreien Flächen, Polynjas genannt, wo kaltes Wasser mit hoher Dichte in die Tiefe sinkt. Das Bodenwasser hat großen Einfluss auf die Bewegung der Weltmeere.

Tauchgang in 1800 Metern Tiefe

Drei Entstehungsorte für antarktisches Bodenwasser waren schon seit längerem bekannt, die See-Elefanten haben die Forscher nun offenbar zu einem vierten Schauplatz geführt. "Die See-Elefanten waren in einem Küstenbereich, an den kein Schiff jemals gelangen würde", sagt Guy Williams vom Antarctic Climate and Ecosystems Cooperative Research Centre in Tasmanien. "Das antarktische Bodenwasser ist ein Motor der weltweiten Meeresströmungen. Wir haben einen weiteren Kolben in diesem Motor gefunden."

Der Südliche See-Elefant (Mirounga leonina) ist die größte Robbenart. Männchen können bis zu sechs Meter lang und vier Tonnen schwer werden und gehören damit zu den größten Raubtieren der Welt. Die Weibchen sind deutlich kleiner. Bereits im Jahr 2011 montierten die Forscher 20 Tieren je einen 100 bis 200 Gramm schweren Sensor auf den Kopf, der die Messdaten beim Auftauchen an der Meeresoberfläche gesammelt an einen Satelliten funkt. Bis zu 60 Tauchgänge absolvieren die Robben täglich, aber nur wenige davon liefern verwertbare Daten.

Am Kontinentalhang der Antarktis tauchten die Meeressäuger bei der Jagd bis zu 1800 Meter tief. "Die See-Elefanten schwammen genau zur Quelle und fanden mitten im Winter diese sehr kalte, salzige und dichte Wassermasse unter einer Polynja", erklärt Williams. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich die Beschaffenheit des antarktischen Bodenwassers in Zyklen von 50 Jahren verändert. Die Entdeckung der neuen Bodenwasserzone könnte laut den Forschern Anhaltspunkte für künftige Klimamodelle liefern.

twn/rtr

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