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Wissenschaft

Satellitenbild

Gelbfisch süß-sauer

Im Süden Chinas gibt es so viele Aquakulturbetriebe wie fast nirgendwo sonst. Angefangen hat alles mit einem kleinen Fisch, der in Chinas Küchen etwas zu beliebt war.

NASA

Südchinesisches Meer

Montag, 11.03.2019   06:42 Uhr

Man nehme: Einen prächtigen Gelbfisch, zwei Esslöffel Sojasoße, dazu Reiswein, Essig, Zucker, Ingwer, Frühlingszwiebeln und etwas Stärke. Solche Rezepte zur Zubereitung des Gelbfischs erfreuen sich in China und auch anderswo in Asien offenbar großer Beliebtheit.

Seine Popularität als Speisefisch ist dem Gelbfisch (Larimichthys polyactis), auch als yellow croaker bekannt, fast zum Verhängnis geworden. Denn die Bestände waren seit den Achtzigerjahren aufgrund der starken Überfischung in Asien derart dezimiert, dass sich Experten schon fragten, ob das knapp 30 Zentimeter lange Tier womöglich ausgestorben ist.

Zwar hatte der Gelbfisch überlebt. Doch Chinas Regierung startete vor knapp 20 Jahren ein Programm, um die Bestände zu stabilisieren und gleichzeitig die Fischereiindustrie zu unterstützen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Dank der staatlichen Förderung hat sich im Südchinesischen Meer vor der Küste der Stadt Ningde in den letzten beiden Dekaden eines der weltweit größten Zentren der Aquakultur für Fische und Algen entwickelt. Längst wird nicht mehr nur der Gelbfisch gezüchtet. Von der Küste aus erstrecken sich endlos lange Reihen von Körben, Netzen und Booten. Teilweise sind fast schon kleine Dörfer auf dem Wasser entstanden. Hier leben die Tanka, eine Ethnie, die im Süden von China schon seit Jahrhunderten ein Leben auf dem Meer führt.

Die inselreiche Region um die Sansha Bay ist auf dem Nasa-Satellitenbild oben zu sehen - auch die Spuren der Aquakulturen sind zu erkennen. Wirft man einen genauen Blick auf die Aufnahme, zeigen sich kleine, dunkle wellenartige Strukturen im Meer, sie erinnern an Sandrippel, die man vom Meeresboden am Strand kennt. Doch es ist nicht der Meeresboden. Zu sehen sind Zuchtbetriebe dicht an dicht.

Getty Images

Aquakulturbetriebe in Chinas Provinz Fujian

Um den explosionsartigen Anstieg der Aquakultur in der Region um die Sansha Bay einschätzen zu können, nutzen Forscher schon lange Satellitendaten. Diese Aufnahme stammt von "Landsat 8". Sie wurde bereits im April 2017 gemacht und nun veröffentlicht.

Durch die bildgebenden Sensoren an Bord des Satelliten ist es möglich, die Erdoberfläche sehr viel genauer zu analysieren, als es mit einem normalen Foto der Fall wäre. So können auf dem Bild zwei Haupttypen der Aquakultur unterschieden werden. Die helleren Bereiche in Ufernähe zeigen die Becken für die Fisch- und Meeresfrüchtezucht, die dunkleren Bereiche signalisieren die Algenzucht.

Insgesamt, so schätzen die Forscher, befinden sich in der Region inzwischen mehr als 300.000 Fischzuchtbecken. Dazu kommen ungefähr 40.000 Körbe, in denen Seeohren gezüchtet werden. Diese Schneckenart gilt in vielen Küchen Asiens als Delikatesse, sie wird in Japan etwa für Sushi verwertet. Rezept gibt´s im Internet - guten Appetit.

joe

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