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Wissenschaft

Verkleinerte Schutzgebiete

Trumps skrupelloser Angriff auf die Natur

Donald Trump hat die größte Beschneidung von geschützten Flächen in der US-Geschichte angeordnet. Vordergründig sollen die Gebiete der Bevölkerung zugänglich gemacht werden, tatsächlich dürfte es um etwas anderes gehen.

imago/ Nature Picture Library
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Dienstag, 05.12.2017   16:44 Uhr

Er hatte es angekündigt, nun ist es passiert: US-Präsident Donald Trump hat zwei Naturschutzgebiete im Bundesstaat Utah per Dekret deutlich verkleinert. Um bis zu 85 Prozent wird das National Monument Bears Ears schrumpfen, das Grand Staircase-Escalante immerhin noch um 50 Prozent. Etwa 8000 Quadratkilometer werden beide Gebiete verkleinert - eine Fläche in etwa drei Mal so groß wie das Saarland.

Damit hat Trump die größte Beschneidung von geschützten Flächen in der US-Geschichte zu verantworten. Und es könnte nicht die letzte gewesen sein. Ein Überblick:

Was sind National Monuments?

Die Grundlage für die meisten Schutzgebiete oder Gedenkstätten in den USA ist der Antiquities Act von 1906. Er wurde unter Präsident Theodore Roosevelt erlassen und ermächtigt den US-Präsidenten, Landstriche oder "Objekte von historischem oder wissenschaftlichem Interesse", die der Regierung in Washington gehören oder von ihr kontrolliert werden, zu nationalen Denkmälern zu erklären.

Roosevelt ernannte 18 solcher Monumente, darunter den Grand Canyon in Arizona und den Devil's Tower in Wyoming. Viele Präsidenten haben seitdem weitere Denkmäler benannt. Auch der Kongress hat einige geschaffen. Die meisten National Monuments werden vom National Park Service überwacht und dürfen öffentlich genutzt werden. Einige werden vom Bureau of Land Management, dem Fish and Wildlife Service oder dem Forest Service betreut. Jede Institution hat Richtlinien für den Schutz der Landschaften, sie enthalten etwa die Eingrenzung von Bergbau und Holzwirtschaft aber auch von Freizeitaktivitäten wie etwa das Fahren von Geländefahrzeugen.

Was ist besonders an Bears Ears und Grand Staircase-Escalante?

Das Naturschutzgebiet Bears Ears wird durch Trumps Erlass nun in zwei Gebiete aufgespalten, die zusammen nur noch 930 Quadratkilometer umfassen - eine Verkleinerung der bisherigen Fläche um 5400 Quadratkilometer. Erst im Dezember 2016 hatte der ehemalige Präsident Barack Obama Bears Ears zum Nationalmonument ernannt. Das Naturschutzgebiet im Südosten von Utah ist für die Bears-Ears-Mesas bekannt - besonders beeindruckende Tafelberge, die mit ihren Steilhängen die Landschaft prägen. Dazu stehen auffällige Felsformationen in der Region, darunter etwa die Sandsteinfelsen aus dem Valley of the Gods, zudem gibt es Flüsse und Canyons.

Auch leben traditionell einige indianische Ethnien auf dem Gebiet, etwa die Navajo, die Hopi oder die Ute. Ihre Vorfahren haben zahlreiche Spuren hinterlassen - auf dem Gebiet befinden sich Tausende archäologische Stätten. Auch deren Reste und Kunstschätze sollen geschützt werden.

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National Monuments: Schutzgebiete unter Druck

Ex-Präsident Bill Clinton hatte das Nationalmonument Grand Staircase-Escalante, mit mehr als 750.000 Hektar größer als der Bundestaat Delaware, in den Neunzigerjahren geschaffen. Es liegt im Süden von Utah in einer entlegenen Gegend. Besonders auffällig auf dem Gebiet ist das sogenannte Grand Staircase.

Diese geologisch wertvolle Schichtstufenlandschaft, die im Süden an den Grand Canyon grenzt, gibt mit seinen verschiedenen Gesteinsschichten einzigartige Einblicke in die unterschiedlichen Erdzeitalter. Auf dem Gebiet wurden zudem von Paläontologen viele große Dinosaurierskelette ausgegraben.

Was ist der Hintergrund der Aufhebung?

Insgesamt hatte Trump bei seinem Innenminister Ryan Zinke die Prüfung von 27 in den letzten zwei Jahrzehnten ernannten Nationalmonumenten in Auftrag gegeben - darunter auch zwei Meeresschutzgebiete: die Pacific Remote Islands und das Rose Atoll.

Laut dem Präsidenten ging es darum, die Flächen für die einheimische Bevölkerung freizugeben. Die Menschen sollten dort wandern gehen können. In einem an die Öffentlichkeit gelangten Bericht schrieb Zinke von Abholzung, Jagd, kommerzieller Fischerei oder Weidehaltung. Vor allem Rinderzucht soll auf dem Gebiet gefördert werden.

Vermutlich aber geht es vor allem um Ressourcen. Zinke bemerkte in einem Memo an Trump, dass "mehrere Milliarden Tonnen Kohle und große Ölvorkommen" innerhalb der Grenzen der Naturschutzgebiete liegen.

Wie geht es jetzt weiter?

Viele konservative Kräfte hielten die Ernennung der Schutzzonen unter dem Demokraten Obama für völlig überdimensioniert und warfen dem Präsidenten Amtsmissbrauch vor. Auch Clintons Entscheidung für die Errichtung von Grand Staircase stieß immer noch auf Kritik. Die Gebiete seien zu groß, es gehe nicht mehr um den ursprünglichen Zweck des Gesetzes. Das Deklarieren von Millionen Hektar für wissenschaftliche Beobachtungen oder den Schutz seltener Arten sei föderaler Landraub. Umweltschützer sehen das anders und halten die Gebiete für schützenswert.

Tatsächlich fordert das Gesetz die Errichtung von kleinstmöglichen Schutzzonen, deshalb halten einige die früheren Ernennungen für illegal. Doch ob Trump das Recht hat, die Nationalmonumente wieder aufzuheben, ist unklar. Deshalb haben Umweltschützer bereits angekündigt, Klage einzureichen. Auch Vertreter der Ureinwohner wollen vor Gericht ziehen. Gut möglich, dass ein jahrelanger Rechtsstreit die Folge ist. Und am Ende die Frage entschieden werden muss, ob riesige Gebiete der USA frei für Öl- und Gasförderung, Bergbau oder Holzfällerei gegeben werden können.

Reduzieren die Nationalmonumente tatsächlich die Wirtschaftskraft der Region?

Dass um die Ernennungen von Nationalmonumente im Kongress und vor Gericht gekämpft wird, ist nicht neu: Bereits Roosevelt musste für einige Entscheidungen heftige Kritik einstecken, ebenfalls Jimmy Carter für die Einrichtung von riesigen Gebieten in Alaska, und auch George W. Bush stritt sich um das Papahanaumokuakea Marine National Monument nordwestlich von Hawaii mit Fischern und Geschäftsleuten. Doch kein Präsident hat versucht, die Ernennungen eines Vorgängers zu widerrufen. Außer Trump.

Immerhin kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Befürchtungen der Konservativen möglicherweise unnötig sind und die Wirtschaftskraft unter der Größe der Schutzzonen nicht leidet. Indikatoren wie Beschäftigung, Bevölkerung und Pro-Kopf-Einkommen in Teilen des US-Westens, in denen seit 1981 Monumente mit einer Größe von mehr als 4000 Hektar errichtet wurden, sind stabil geblieben oder haben sich verbessert, so die gemeinnützige Forschungsgruppe Headwaters Economics.

Mit Material von AP

insgesamt 104 Beiträge
vorgespiegelt 05.12.2017
1. Nehmt Trump aus der Überschrift!
Und setzt U.S.A. ein. Es dürfte hoffentlich bald allen klar sein, dass Trump nur eine Markeeting-Trick ist, damit die U.S.A. nun endlich wieder unpopuläre Entscheidungen treffen können.
Und setzt U.S.A. ein. Es dürfte hoffentlich bald allen klar sein, dass Trump nur eine Markeeting-Trick ist, damit die U.S.A. nun endlich wieder unpopuläre Entscheidungen treffen können.
irene74 05.12.2017
2.
Das niemand dabei eingreift ist unglaublich. Vielen dank von den nachfolgenden Generationen für gar nichts ,ist uns allen sicher gewiss.
Das niemand dabei eingreift ist unglaublich. Vielen dank von den nachfolgenden Generationen für gar nichts ,ist uns allen sicher gewiss.
Peter Q. 05.12.2017
3. Paläo...
Paläoanthropologen würden nach Überresten unserer Vorfahren suchen. Der Autor meint sicherlich Paläontologen... Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion
Paläoanthropologen würden nach Überresten unserer Vorfahren suchen. Der Autor meint sicherlich Paläontologen... Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion
chrimirk 05.12.2017
4. Jeder wie er kann!
Und der kann eben nichts! Fühle mit den US-Bürgern mit. Einen solchen Menschen als Präsidenten haben/ertragen zu müssen, ist eine schwere Last! Und dann noch der ewige Spott und die tägliche Häme! Aber es kommen wieder [...]
Und der kann eben nichts! Fühle mit den US-Bürgern mit. Einen solchen Menschen als Präsidenten haben/ertragen zu müssen, ist eine schwere Last! Und dann noch der ewige Spott und die tägliche Häme! Aber es kommen wieder bessere Zeiten. Wie heisst es so schön: "Die Trupms kommen und gehen, aber das amerikanische Volk aber bleibt"!
quark2@mailinator.com 05.12.2017
5.
Ich wette mal, daß auch in DE früher oder später mal irgendeines der diversen Natur-, Landschafts-, Habitats-, Biosphären-, Kulturerbe etc. -gebiete verkleinert werden wird. Wenn Obama es installieren kann, sehe ich nicht, [...]
Ich wette mal, daß auch in DE früher oder später mal irgendeines der diversen Natur-, Landschafts-, Habitats-, Biosphären-, Kulturerbe etc. -gebiete verkleinert werden wird. Wenn Obama es installieren kann, sehe ich nicht, warum der nächste Präsident diese Entscheidung nicht einer Prüfung unterziehen können soll. Und wenn es eben zuviel war, muß man das auch korrigieren können. Wir haben die Angewohnheit, immer mehr schützen zu wollen, was prinzipiell auch gut ist. Aber das Leben geht auch weiter und wenn man nicht auch in der Lage ist, mal irgendwo etwas zu beschneiden, dann besteht irgendwann das ganze Land aus geschützten Fasaden und Landschaften und nichts geht mehr, keine Straße kann mehr gebaut werden - z.B. keine Brücke bei Dresden, usw. Es kommt darauf an, mit Augenmaß vorzugehen und in Veränderung nicht immer nur Verschlechterung zu sehen.

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