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Wissenschaft

Gipfel in Paris

Macrons Klimashow

Eine Koalition aus Unternehmern, Bänkern und Regierungsvertretern sammelt auf Einladung des französischen Präsidenten Macron Geld für den Klimaschutz - unter Umgehung des Präsidenten der USA.

WO/ POOL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Emmanuel Macron

Von
Dienstag, 12.12.2017   13:59 Uhr

Donald Trump hatte der französische Regierungschef Emmanuel Macron nicht eingeladen. Der Präsident der USA gilt nach seinem angekündigten Rückzug aus dem Weltklimavertrag als überflüssig, wenn es um Fortschritte beim Klimaschutz geht. Dennoch ist auch die USA mit einer Delegation vertreten am Dienstag auf dem Klimagipfel in Paris, mit einer ungewöhnlichen.

Die US-Regierung wird mit über 50 Staats- und Regierungschefs laut französischen Diplomaten mit Vertretern ihrer Botschaft präsent sein - vor allem aber haben Bürgermeister und Unternehmer aus den USA zugesagt, Fortschritte beim Klimaschutz ankündigen zu wollen.

Für Deutschland schickt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nach Paris.

Öffentliche Entwicklungsbanken, Investmentfonds, Unternehmen und Regierungen wollen auf Einladung von Macron konkrete Maßnahmen bekannt geben, Geld in die Investition von Erneuerbaren Energien zu lenken.

Die andere USA

Erstmals sollen in Paris angeblich auch Emissionsgrenzen für Schiffe angekündigt werden, deren Abgase für drei Prozent des aktuellen menschengemachten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hat das wachsende Klima-Engagement in den USA gelobt. Ungeachtet der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Klimavertrag auszusteigen, setzten sich Städte, US-Staaten oder Unternehmen stark ein, sagte der Mitgastgeber des Spitzentreffens der französischen Tageszeitung "Le Figaro".

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Klimawandel: Des einen Dürre, des anderen Sturmflut

Auf dem Gipfel herrscht ungewöhnliche Einigkeit zwischen Wirtschaftsvertretern und Nichtregierungsorganisationen: "Nur mehr private Investitionen können die immensen finanziellen Herausforderungen der Klimaschutz-Finanzierung meistern", sagte der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank EIB zu Beginn der Veranstaltung. "Banken fühlen sich dem Klimaschutz verpflichtet", heißt es in einer Erklärung der Europäischen Banken-Vereinigung EBF.

"Ohne private Geldmittel wird die Wende zu besserem Klimaschutz nicht gelingen, deshalb ist der Pariser Gipfel wichtig", sagt auch die Klimaexpertin von "Brot für die Welt", Sabine Minninger. Es gehe darum, "Geld, das sowieso ausgegeben wird, in bessere Bahnen zu lenken".

Wohin mit dem Geld?

Einem Gutachten der Organisation Oil Change International stecken internationale Entwicklungsbanken und öffentliche Finanzierungsinstitutionen der G20-Länder viermal mehr Geld in fossile als in alternative Energien.

Regierungen und öffentliche Banken dürften nur noch Investitionen in Erneuerbare fördern, nicht mehr in Treibhausgas verursachende Energieformen, fordern 180 Nichtregierungsorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung auf dem Gipfel in Paris, der symbolträchtig genau zwei Jahre nach der Verabschiedung des Weltklimavertrags in der gleichen Stadt stattfindet und entsprechend "One Planet Summit" genannt wird.

Künftig sollen nach Bekunden einiger Gipfelteilnehmer Fonds ihr Geld weniger in Aktien anlegen, deren Gewinn von Erdöl, Gas oder Kohle abhängt. Privatanleger könnten mit Steuervergünstigungen belohnt werden für entsprechende Anlagen.

Die reichen Staaten hatten auf den Uno-Klimakonferenzen bereits stattliche Hilfen versprochen: Hundert Milliarden Dollar jährlich sollen ab 2020 an arme Staaten fließen, damit die sich gegen den Klimawandel wappnen und ihre Energieversorgung umstellen können. Indes: Die Hälfte der Summe sollen private Gelder sein - dort besteht noch Nachholbedarf.

EU zahlt vor allem an Türkei

Die Lenkung der Hilfen erscheint zudem fraglich: Die größte Summe aus EU-Geldern zur Klimafinanzierung erhält nicht etwa ein Entwicklungsland, sondern die Türkei. Mehr als drei Milliarden Euro bezog das Industrieland von 2010 bis 2015 allein von der Europäischen Investitionsbank, wie ein Gutachten des Wirtschaftsberatungsinstituts INKA Consult belegt, das dem SPIEGEL vorliegt.

Der "One Planet Summit" mit mehreren Tausend Teilnehmern sei ein Signal, dass auch die Privatwirtschaft beim Kampf gegen Klimawandel mitziehe, sagt Weltbank-Chef Kim. Mehr als 50 internationale Unternehmen haben in einer gemeinsamen Erklärung zum Pariser Gipfel "mehr Klimaschutz" gefordert.

Das Treffen in einem Kulturzentrum auf der Seine-Insel Ile de Seguin soll abgasarm eröffnet werden: Nicht mit großen Limousinen, sondern mit einem Boot sollen die Teilnehmer vorfahren.

insgesamt 22 Beiträge
cottoncandy86 12.12.2017
1.
Macrons Klimashow. Genau: Show. Endlich mal einer, der zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden kann.
Macrons Klimashow. Genau: Show. Endlich mal einer, der zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden kann.
achwas35 12.12.2017
2. Eindrucksvoll..
Beim smarten Präsident Macron sind solche PR-Aktionen sicherlich in guten Händen! Mein Gott: mit dem Boot zum Tagungsort - wahrscheinlich sind die Teilnehmer nach Paris zu Fuß gelaufen oder geschwommen....
Beim smarten Präsident Macron sind solche PR-Aktionen sicherlich in guten Händen! Mein Gott: mit dem Boot zum Tagungsort - wahrscheinlich sind die Teilnehmer nach Paris zu Fuß gelaufen oder geschwommen....
brathbrandt 12.12.2017
3. Frankreich wird das zentrale Land Europas,
durch seinen agilen Präsidenten. Wir sollten froh sein. Merkel hat in der Zeit, als D Nummer 1 war, nur Chaos angerichtet.
durch seinen agilen Präsidenten. Wir sollten froh sein. Merkel hat in der Zeit, als D Nummer 1 war, nur Chaos angerichtet.
d.b.licht 12.12.2017
4. Größte Aufgabe des 21.Jhd.
Nachdem sich die Menschheit über lange Zeit gegen die Natur verteidigen musste und sie sich im 19. und 20. Jhd. unterjocht hat ist die Aufgabe unseres Zeitalters nun, zu einem Miteinander zu finden. Hier ist jeder! täglich! [...]
Nachdem sich die Menschheit über lange Zeit gegen die Natur verteidigen musste und sie sich im 19. und 20. Jhd. unterjocht hat ist die Aufgabe unseres Zeitalters nun, zu einem Miteinander zu finden. Hier ist jeder! täglich! gefordert; der Lohn liegt im Erhalt der Lebensgrundlagen für unsere Kinder. Das sollte es uns wert sein.
darthmax 12.12.2017
5. Klimafreunde
jetzt warten wir noch auf die Ankündigung, dass Frankreich nicht nur seine Kohle sondern auch die Atomkraftwerke abschaltet. Bessere Klimaheuchler als unsere Klimapolitiker, schwer vorstellbar. Ein Gipfel reicht schon nicht mehr [...]
jetzt warten wir noch auf die Ankündigung, dass Frankreich nicht nur seine Kohle sondern auch die Atomkraftwerke abschaltet. Bessere Klimaheuchler als unsere Klimapolitiker, schwer vorstellbar. Ein Gipfel reicht schon nicht mehr zur CO2 Erzeugung .

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