Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Erdbeben in Florenz

Michelangelos David zittern die Knie

Die berühmte David-Statue in Florenz droht auseinanderzubrechen. Risse in den Beinen machen ihm zu schaffen - und eine Serie kleiner Erdbeben hat die Beschwerden noch verschärft. Jetzt soll ein neuer Sockel die Figur retten.

AFP

David-Statue: 250 Mini-Erdbeben in Florenz rüttelten an der Figur

Sonntag, 21.12.2014   13:21 Uhr

Florenz - Die Region um Florenz ist in den vergangenen drei Tagen von mehr als 250 Erdbeben erschüttert worden. Sie zogen keine größeren Schäden nach sich, und Verletzte gab es auch nicht. Aber Kunstliebhaber sind nun in großer Sorge. Denn die weltberühmte David-Statue von Michelangelo ist in Gefahr.

Der italienische Kulturminister Dario Franceschini kündigte an, die Regierung werde 200.000 Euro in einen erdbebensicheren Sockel für die David-Statue investieren. Erst im Frühjahr hatte eine Studie ergeben, dass das Renaissance-Meisterwerk auseinanderzubrechen drohe, falls sich Mikrorisse in den Beinen weiter ausbreiten sollten. Angesichts der Erdstöße sei der Tausch des Sockels umso dringlicher geworden, betonte Franceschini. "Für Kunststücke wie David darf es keine Risiken geben", so der Minister.

Risse vom ersten Tag an

Die jüngsten Erdstöße in der Region Chianti zwischen Florenz und Siena hatten laut dem Institut für Geophysik und Vulkanologie Stärken von bis zu 4,1. Erdbeben sind in der Gegend um Florenz keine Seltenheit. So gab es an der David-Figur immer wieder Schäden. Schon der Marmorblock, aus dem Michelangelo die Statue zwischen 1501 und 1504 gefertigt hat, enthielt offenbar Risse. Hinzu kommt, dass das Kunstwerk bis 1873 im Freien stand. Doch Witterung und Vogelkot hatten dem David so zugesetzt, dass er den Platz vor dem Palazzo Vecchio verlassen musste. Dort steht nur noch eine Kopie. Für das Original wurde extra ein Kuppelraum in der Galleria dell'Accademia errichtet.

Außer Erdbeben setzen der David-Statue vor allem übermütige Touristen zu. 1991 schlug jemand ein Stück Marmor aus dem linken Fuß der Figur. Die David-Skulptur zeigt den biblischen David zu Beginn des Kampfes gegen Goliath.

jme/AFP

insgesamt 12 Beiträge
raber 21.12.2014
1. Florenz und die grossen Folgen der kleinen Erdbeben
Erdbeben, selbst kleiner Intensität, setzen den Bauten zu. In mehreren Ländern bebt es bis zu 5.000 mal im Jahr; davon ab und zu mit Stärken von 6 und mehr. Zum Glück kann die Regierung Italiens 200.000 Euro in einen [...]
Erdbeben, selbst kleiner Intensität, setzen den Bauten zu. In mehreren Ländern bebt es bis zu 5.000 mal im Jahr; davon ab und zu mit Stärken von 6 und mehr. Zum Glück kann die Regierung Italiens 200.000 Euro in einen erdbebensicheren Sockel für die David-Statue investieren.
two-wheels 21.12.2014
2. wie schön
Das Sie den Artikel noch mal in Kurzform wiedergeben.
Das Sie den Artikel noch mal in Kurzform wiedergeben.
nic 21.12.2014
3. Michelangelo die Statue zwischen 1501 und 1504 gefertigt hat
mittels vieler Steinmetze.
mittels vieler Steinmetze.
hmutt 21.12.2014
4. Banausen
Selbst wenn die Florentiner solche Banausen wären wie Sie, so sind sie dennoch in der Lage sich auszurechnen, was der echte David jedes Jahr an Touristenströmen anlockt. Aber klar, für manche Leute ist Kultur natürlich [...]
Zitat von raberErdbeben, selbst kleiner Intensität, setzen den Bauten zu. In mehreren Ländern bebt es bis zu 5.000 mal im Jahr; davon ab und zu mit Stärken von 6 und mehr. Zum Glück kann die Regierung Italiens 200.000 Euro in einen erdbebensicheren Sockel für die David-Statue investieren.
Selbst wenn die Florentiner solche Banausen wären wie Sie, so sind sie dennoch in der Lage sich auszurechnen, was der echte David jedes Jahr an Touristenströmen anlockt. Aber klar, für manche Leute ist Kultur natürlich nicht so wichtig, das ist was für Geldverschwender, besonders für diese faulen Südländer, die den ganzen Tag nur deutsche Steuergelder verprassen. Schauen Sie also ruhig weiter RTL2 und geniessen sie die Kostenlos-Kultur.
pric 21.12.2014
5. Kunst
nichts hält für immer. Man muss auch mal loslassen können und den Zerfall affirmieren, der grundsätzlicher Bestandteil des kreativen Prozesses ist...
nichts hält für immer. Man muss auch mal loslassen können und den Zerfall affirmieren, der grundsätzlicher Bestandteil des kreativen Prozesses ist...

Verwandte Themen

Erdbebenstärken

Die Richterskala
Die Stärke eines Erdbebens wird mit Hilfe der Richterskala und anderer Skalen beschrieben. Der jeweils angegebene Wert, die Magnitude , kennzeichnet dabei die freigesetzte Energie.

Mittels Seismografen werden die Maximal amplituden (also die Ausschläge der Nadel) bestimmt, die umgerechnet von Erdbeben in 100 km Entfernung erzeugt worden wären. Der dekadische Logarithmus der gemessenen Maximalamplituden ergibt die Magnitude. Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 33-fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also 33-mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die Skala wurde 1935 von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg am California Institute of Technology entwickelt.

Genau genommen werden Erdbebenstärken jedoch heute in der Moment-Magnituden-Skala angegeben. Sie berücksichtigt neben der Energie auch die Größe des gebrochenen Gesteins. Die Bruchfläche lässt sich aus der Erdbebenmessung vieler Seismografen berechnen.
Die Auswirkungen
Grob lassen sich die typischen Effekte der Erdbeben in der Nähe des Epizentrums folgendermaßen beschreiben:
  • - Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachweisbar
  • - Stärke 3: nur selten nahe dem Epizentrum zu spüren
  • - Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden
  • - Stärke 6: mittelschweres Beben, Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen
  • - Stärke 7: starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann
  • - Stärke 8: Groß-Beben
Weltweit ereignen sich jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke drei bis vier, 800 der Stärke fünf oder sechs und durchschnittlich ein Groß-Beben. Das stärkste auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile .

Skala der Erschütterungsstärken von Erdbeben

Unterschied zur Richterskala
Die Skala der Erschütterungsstärken beziehen sich NICHT auf die RICHTERSKALA, SONDERN auf die zwölfstufige INTENSITÄTEN-SKALA. Die Richterskala ist ein Maß für die bei Erdbeben freigesetzte Energie. Die Intensitäten-Skala hingegen beschreibt die Einwirkung der seismischen Wellen auf Gegenstände - die Werte werden kleiner mit der Entfernung zum Bebenherd. Intensität 9 entspricht ungefähr einem Beben der Stärke 6,5 auf der Richterskala, das in der Nähe stattfindet. Das Japan-Beben hatte die Stärke 9, was Erschütterungen der Stärke 12 zufolge hatte.
I - Nicht gespürt
Keinerlei Wahrnehmungen durch Menschen.
II - Sehr selten gespürt
Nur von sehr wenigen Personen (< ein Prozent) in Ruhe und in sehr empfindlicher Position innerhalb von Gebäuden wahrgenommen.
III - Schwach
Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen als leichtes Schwingen oder Vibrieren.
IV - Weitgehend beobachtet
In Gebäuden von vielen, im Freien aber nur von sehr wenigen Personen wahrgenommen; einige wachen auf; leichtes Schwingen oder Vibrieren von Gebäuden, Möbel, etc., Rütteln von Fenstern und Türen, Knarren von Balken; hängende Objekte schwingen.
V - Stark
In Gebäuden von den meisten und im Freien von einigen wahrgenommen; einige rennen erschrocken ins Freie, viele Schlafende erwachen; starke Erschütterungen des ganzen Gebäudes, Raums und von Möbeln; hängende Objekte schwingen erheblich, labil aufgestellte können sich verschieben oder fallen um; Flüssigkeiten schwingen und können überschwappen, Türen und Fenster können auf- und zuschlagen; wenige Gebäude schlechter Bausubstanz können leichte Schäden aufweisen.
VI - Geringe Schäden
Viele Leute rennen verängstigt ins Freie. Einige Objekte fallen um, Möbel können rutschen. Viele Häuser erleiden geringe Schäden wie Haarrisse oder Abfallen kleiner Putzflächen.
VII - Schäden
Die meisten Leute rennen verängstigt ins Freie. Möbel können verrückt und viele Gegenstände aus Regalen geworfen werden. Viele gut gebaute gewöhnliche Bauten erleiden mäßige Schäden wie kleine Risse in Wänden, Abfallen von Putz, Abbrechen von Schornsteinteilen. Bei älteren Gebäuden können größere Risse in Wänden auftreten; nichttragende Wände können einstürzen.
VIII - Starke Schäden
Viele Leute haben Schwierigkeiten stehenzubleiben. Viele Häuser weisen große Risse in den Wänden auf. Einige gut gebaute, normale Bauten zeigen ernsthafte Versagensschäden von Wänden. Schwache ältere Gebäude können einstürzen.
IX - Zerstörend
Allgemeine Panik. Viele schwache Konstruktionen stürzen ein. Sogar gut gebaute, normale Bauten zeigen sehr schwere Schäden, z.B. schwerwiegendes Versagen von Wänden und teilweise auch strukturelles Versagen.
X - Stark zerstörend
Viele normale Bauwerke stürzen ein.
XI - Verwüstend
Die meisten gut gebauten, normalen Bauwerke stürzen ein, sogar einige mit guter, erdbebensicherer Bauweise werden zerstört.
XII - Totale Zerstörung
Alle Gebäude schlechter bis mittelguter Bausubstanz und die meisten mit guter Bausubstanz (holz-, stahl- oder stahlbetonverstärkt) werden zerstört. Maximale Schäden und Landschaftsveränderungen.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP