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Wissenschaft

Umstrittenes Pestizid

EU verlängert Glyphosat-Zulassung um fünf Jahre

Glyphosat ist ein hoch umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die EU-Kommission hat die Zulassung des Pestizids nun um fünf Jahre verlängert.

DPA/ Forum Moderne Landwirtschaft

Traktor auf einem Feld bei Göttingen

Montag, 27.11.2017   15:45 Uhr

Die EU-Länder haben der Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre zugestimmt. Dies teilte die EU-Kommission am Montag mit. Zuvor war die Entscheidung mehrfach verschoben worden. Am 15. Dezember endet die bisherige Lizenz. Heute hat ein Vermittlungsausschuss schließlich einen Kompromiss erzielt.

18 Mitgliedstaaten hätten für den Vorschlag der Kommission für eine Verlängerung um fünf Jahre gestimmt, neun dagegen, ein Land habe sich enthalten. Damit sei die nötige qualifizierte Mehrheit erreicht. Auch Deutschland hat für die weitere Zulassung gestimmt.

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist sehr wirksam, gilt als preiswert und wird weltweit in der Landwirtschaft genutzt, um Ernten zu verbessern. Entwickelt wurde der Wirkstoff vom US-Konzern Monsanto - den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Das Mittel wird aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern vertrieben. Umstritten ist es wegen des Verdachts, es könnte Krebs erregen und die Umwelt schädigen.

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So stufte die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation das Herbizid im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen ein. Die IARC bewertet allerdings nur, ob ein Stoff grundsätzlich in der Lage ist, Krebs auszulösen. Sie schätzt keine konkreten Risiken ab. So bewertet sie etwa auch Wurst und Alkohol als sicher krebserregend.

Behörden, die sich um Risikobewertung kümmern, kommen im Zusammenhang mit Glyphosat zum Schluss, dass keine Gefahr für den Verbraucher besteht. So etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa, die Chemikalienagentur Echa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung.

Unabhängig davon gibt es Bedenken, unter anderem beim Umweltbundesamt, gegen die Vernichtung von Kräutern und Gräsern auf Ackerflächen. Damit werde Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage entzogen. Bauernverbände warnen hingegen, sie müssten bei einem Verbot noch schädlichere und gleichzeitig weniger wirksame Pestizide einsetzen.

Eigentlich Verlängerung um zehn Jahre geplant

Die EU-Kommission wollte ursprünglich eine Verlängerung der Lizenz um zehn Jahre. Dafür bekam sie aber im Kreis der EU-Mitgliedsländer keine Unterstützung. Auch ein neuer Antrag auf Verlängerung um fünf Jahre fiel Anfang November zunächst durch. Daraufhin beantragte die Brüsseler Behörde das Vermittlungsverfahren, das nun erfolgreich war. Nach Angaben der EU-Kommission darf jedoch jedes Mitgliedsland noch selbst entscheiden und bei ernsten Bedenken den Verkauf von Glyphosat verbieten.

Die deutsche Bundesregierung, die seit der Bundestagswahl nur noch geschäftsführend im Amt ist, ist sich nicht einig. Das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium war für und das SPD-geführte Umweltministerium gegen eine weitere Zulassung. Wegen dieses Widerspruchs enthielten sich deutsche Vertreter bei den vorangegangenen Abstimmungen - ein wesentlicher Grund, dass zuvor weder für noch gegen die Zulassung die nötige Mehrheit der Mitgliedstaaten zustande gekommen war.

jme/dpa/AFP

insgesamt 89 Beiträge
Bauer1 27.11.2017
1.
Endlich mal eine politische Entscheidung im landwirtschaftlichen Bereich, die auf Vernunft gründet und nicht auf ideologischen Verfehlungen!
Endlich mal eine politische Entscheidung im landwirtschaftlichen Bereich, die auf Vernunft gründet und nicht auf ideologischen Verfehlungen!
bullermännchen 27.11.2017
2.
Eine sehr schlechte Nachricht für Umwelt und Gesundheit. Haben sich die Lobbyisten wieder einmal durchgesetzt und die Politik hat keine eigene Meinung. Schade das wir bei solchen, alle betreffenden Themen, keinen Volksentscheid [...]
Eine sehr schlechte Nachricht für Umwelt und Gesundheit. Haben sich die Lobbyisten wieder einmal durchgesetzt und die Politik hat keine eigene Meinung. Schade das wir bei solchen, alle betreffenden Themen, keinen Volksentscheid durchsetzen können. Umso mehr der Aufruf nachzufragen, sich zu verweigern und wo es irgendwie geht, Bioprodukte einzukaufen. Und für die Zweifler, nein, kein zertifizierter Bio Landwirt wird und darf solchen Mist einsetzen. Nicht auf seinem Feld und nicht auf den an seine Felder angrenzenden Feldern.
Willi Wacker 27.11.2017
3.
Die alte GroKo lebt noch... Ob für die neue GroKo Umweltschutz ein Thema wäre...?
Die alte GroKo lebt noch... Ob für die neue GroKo Umweltschutz ein Thema wäre...?
as-du 27.11.2017
4. Katastrophe
Unsere Generation schafft es noch, die Lebensgrundlage für unsere Kinder nachhaltig zu zerstören.
Unsere Generation schafft es noch, die Lebensgrundlage für unsere Kinder nachhaltig zu zerstören.
isi723 27.11.2017
5. in dubio pro reo
heißt es eigentlich und im Kontext Glyphosat solte man meinen, dass in dubio wir Verbraucher vor einem vermutlich krebserregenden Mittel geschützt werden müssten. War wohl nichts aber die Aktionäre von Bayer werden es der EU [...]
heißt es eigentlich und im Kontext Glyphosat solte man meinen, dass in dubio wir Verbraucher vor einem vermutlich krebserregenden Mittel geschützt werden müssten. War wohl nichts aber die Aktionäre von Bayer werden es der EU danken. (wenn das Geschäft Bayer/Monsanto stattfindet) Werden jetzt auch Diesel PKW rehabilitiert? Wäre logisch!
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