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Wissenschaft

Hamburg

Behörde findet hohe Dioxin-Werte im Naturschutzgebiet

Im Osten Hamburgs hat die Umweltbehörde im Boden hohe Mengen Dioxin nachgewiesen. Fachleute vermuten einen Zusammenhang mit einem alten Chemiewerk der Firma Boehringer.

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Fachleute bei der Probennahme

Freitag, 09.11.2018   10:53 Uhr

Bei einem Dioxin-Fund in einem Naturschutzgebiet in Hamburg ist ein extrem hoher Wert des hochgiftigen Stoffes gemessen worden - das erinnert an den Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den Achtzigerjahren.

In der sogenannten Boberger Niederung fand die Hamburger Umweltbehörde 700 Mikrogramm Dioxin pro Kilogramm Boden. Offenbar handelt es sich um die höchste Konzentration des Stoffs, die bisher in Hamburger Boden gemessen wurde. Der gesetzlich festgelegte Grenzwert liegt bei einem Mikrogramm, auf Kinderspielplätzen bei 0,1 Mikrogramm.

Experten vermuten, dass es sich bei dem Fund um Abfall aus der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln der Firma Boehringer handelt. Nach den bisherigen Erkenntnissen könnten die Rückstände des Gifts in den Sechzigerjahren in den Boden gelangt sein. Auf einem Luftbild von 1962 fanden sich Hinweise, dass in dem Bereich neben Bauschutt und Abraum illegal Industrieabfälle entsorgt worden sein könnten.

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Bodenprobe

Das Werk von Boehringer in Hamburg Moorfleet war 1984 geschlossen worden. Auf dem Gelände selbst wurden damals Dioxinmengen von 400 Mikrogramm pro Kilo nachgewiesen.

"Schweres Umweltvergehen"

Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Die technisch wie zeitlich aufwendige Auswertung weiterer Proben müsse abgewartet werden. "Erst im Januar wissen wir, wie groß die betroffene Fläche ist", sagte der Senator. Unabhängig davon handele es sich angesichts "des sehr, sehr hohen Werts" aber schon jetzt um ein "schweres Umweltvergehen".

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Auch Pilze und Beeren sowie Fische aus zwei am Fundort gelegenen Teichen wurden untersucht. Das Angeln ist bis auf Weiteres untersagt. Dioxine gelangen vor allem über die Nahrung in den Körper und reichern sich im Fettgewebe an. In hohen Konzentrationen ist der Stoff krebserregend.

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Die Probe sei im Rahmen regelmäßiger Bodenuntersuchungen eher zufällig an genau diesem Punkt genommen worden, hieß es. "Es gab bislang keinerlei Verdacht, dass da eine Altlast liegen könnte", sagte Kerstan.

Mitte der Achtzigerjahre hatte ein Dioxin-Skandal um die Firma Boehringer Hamburg geschockt. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

jme/dpa/AFP

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