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Wissenschaft

Kanada

Forscherin entdeckt bisher unbekanntes Miniwesen

Bei einer Wanderung in Kanada nimmt eine Forscherin ein paar Erdproben mit. Darin entdeckt sie später einen bisher nicht bekannten Organismus. Er ist wohl uralt und mit keinem anderen Lebewesen vergleichbar.

Nature

Neu entdeckter Mikroorganismus unter dem Mikroskop

Samstag, 17.11.2018   21:02 Uhr

Ein Glück, dass Yana Eglit Probenröhrchen dabei hatte. Bei einer Frühlingswanderung in der ostkanadischen Provinz Nova Scotia stieß die junge Evolutionsbiologin auf einige Stellen am Wegesrand, die ihr auf der Suche nach Mikroorganismen vielversprechend erschienen. Also nahm sie einfach ein paar Proben aus dem Erdreich neben dem bekannten Bluff Wilderness Trail, füllte sie in Plastikröhrchen und untersuchte sie später an ihrem Arbeitsplatz - einem biologischen Labor der Dalhousie University in Halifax.

Nach einigen Wochen, in denen sie die Proben immer wieder mit dem Mikroskop untersucht hatte, stellte sich heraus: Ihr wissenschaftlicher Instinkt hatte sie nicht getäuscht. In der Erde entdeckte sie zwei seltene Kleinstorganismen, so genannte eukaryotische Protisten. Zu den Eukaryoten gehören alle Lebewesen mit einem Zellkern, also Tiere, Pflanzen und Pilze, nicht jedoch Bakterien. Eglit gelang es, die winzigen Urwesen zu isolieren.

Als sie die beiden kleinen Organismen der Spezies Hemimastigophora genauer untersuchte, fand sie heraus: Einer war bisher unbekannt. In den letzten hundert Jahren sind nur etwa zehn dieser seltenen Organismen entdeckt und beschrieben worden, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Sind Sie ein Superorganismus?

Das neu entdeckte Wesen sieht unter dem Mikroskop ziemlich gruselig aus. Der Einzeller ist etwa zwei hundertstel Millimeter lang und bewegt sich mit kleinen Härchen, sogenannten Flagellen, die an den Seiten hervorstehen, ziemlich unkoordiniert vorwärts. Zudem ernährt er sich von winzigen Mikroben, die er mit kleinen Harpunen, sogenannten Extrusomen, beschießt und zu sich heranzieht, um sie zu verspeisen.

Nachdem Eglit herausgefunden hatte, was ihr frisch entdeckter Miniorganismus gerne zu sich nahm, züchtete sie die Nahrung und konnte den Einzeller gewissermaßen domestizieren. Nun können auch andere Wissenschaftler Proben anfordern und untersuchen - ein großer Fortschritt in der Erforschung dieser Organismen.

Natürlich brauchte Eglit, die inzwischen mit weiteren Wissenschaftlern, darunter auch dem Deutschen Gordon Lax, an ihrer Entdeckung forschte, auch einen Namen für den Fund: Sie tauften das Minilebewesen Hemimastix kukwesjijk - nach Kukwes, einem gierigen und haarigen Oger aus der Mythologie der Mi'kmaq-Indianer, die in der Fundregion leben.

"Bisher gibt es nichts Vergleichbares"

Weitere Erkenntnisse zu ihrer Entdeckung brachten genetische Analysen, die bisher zu diesen Mikroorganismen noch nicht vorlagen. Dazu nutzte das Team eine Technik, die es noch nicht lange gibt und die es ermöglicht, genetische Informationen aus einer einzigen Zelle zu erhalten. Denn die Forscher wollten wissen: Wie haben sich Hemimastigophora entwickelt, mit wem sind sie verwandt? Schließlich standen Einzeller am Beginn der Entwicklung auf der Erde.

Nun erlebten Eglit und ihre Kollegen die zweite Überraschung: Offenbar lassen sich die Kleinstorganismen evolutionsbiologisch keinem der bekannten Entwicklungszweige zuordnen. "Bisher gibt es nichts Vergleichbares, das wir kennen", schreiben die Forscher in ihrer Studie, die nun im Fachmagazin "Nature" erschienen ist.

Um den Ursprung von Hemimastigophora zu ergründen, müsse man sehr weit in der Evolution zurückgehen, so Alastair Simpson, Co-Autor der Studie. Möglicherweise finde sich erst vor einer Milliarde Jahre - etwa 500 Millionen Jahre, bevor die ersten Tiere aufkamen - ein gemeinsamer Vorfahr.

In Zukunft wollen die Forscher noch weitere genetische Untersuchungen vornehmen - bisher haben sie noch nicht das gesamte Genom sequenziert. "Das ist eine ganz neue Möglichkeit, um die Entwicklung von komplexen Zellen und deren Ursprünge zu erforschen", schreiben sie.

joe

insgesamt 21 Beiträge
kedeske 17.11.2018
1. Seid gefasst
Es wird uns alle töten.
Es wird uns alle töten.
Fuxx81 18.11.2018
2. Häh?
---Zitat--- Als sie die beiden kleinen Organismen der Spezies Hemimastigophora genauer untersuchte, fand sie heraus: Einer war bisher unbekannt ---Zitatende--- Der Satz ergibt so keinen Sinn. Gemeint ist wahrscheinlich Ordnung [...]
---Zitat--- Als sie die beiden kleinen Organismen der Spezies Hemimastigophora genauer untersuchte, fand sie heraus: Einer war bisher unbekannt ---Zitatende--- Der Satz ergibt so keinen Sinn. Gemeint ist wahrscheinlich Ordnung oder Familie, o.ä.
noerglerfritz 18.11.2018
3. Super interessant
Danke für diesen Artikel!
Danke für diesen Artikel!
quark2@mailinator.com 18.11.2018
4.
Wär nur fair gewesen, das Tierchen nach ihr zu benennen, so wie man das früher auch gemacht hat. Obwohl die Idee mit den Indianern natürlich auch was hat, zumindest wenn man die vorher gefragt hatte.
Wär nur fair gewesen, das Tierchen nach ihr zu benennen, so wie man das früher auch gemacht hat. Obwohl die Idee mit den Indianern natürlich auch was hat, zumindest wenn man die vorher gefragt hatte.
Skepki 18.11.2018
5. Hervorragend!
Ich wünsche diessen Wissenschaftlern weiterhin viel Erfolg. Da kann der "liebe" Gott nur zuschauen.
Ich wünsche diessen Wissenschaftlern weiterhin viel Erfolg. Da kann der "liebe" Gott nur zuschauen.

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