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Wissenschaft

Geologische Zeitbombe

Ruanda plant Förderung von gefährlichen Methanvorkommen im Kivusee

In den Tiefen des zentralafrikanischen Kivusees lagern große Mengen an Gas - Erdbeben könnten sie freisetzen. Ein Förderprojekt soll die Gefahr nun entschärfen und gleichzeitig Energie liefern.

DPA

Ufer des Kivusees auf ruandischer Seite (Archivbild)

Mittwoch, 06.02.2019   20:22 Uhr

Der Kivusee liegt an der Grenze von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, er ist etwa fünfmal so groß wie der Bodensee. Und er birgt ein gefährliches Geheimnis: In den tieferen Wasserschichten gibt es große Mengen an Methan und Kohlendioxid (CO2). Bei Methan sind es geschätzte 60 Kubikkilometer, bei CO2 300 Kubikkilometer.

Sollten die Gase freigesetzt werden - manchen Wissenschaftlern zufolge etwa durch einen Vulkanausbruch -, könnten bis zu zwei Millionen Menschen rund um den See ersticken. Forscher befürchten zudem eine große Flutwelle. Eine vergleichbare Katastrophe hatte sich im Jahr 1986 nach einem Erdrutsch am Nyos-See in Kamerun ereignet. Damals waren rund 1800 Menschen durch Gase gestorben.

Ein 400-Millionen-Dollar-Projekt soll nun in Ruanda Methan aus dem Kivusee holen - und somit das Risiko eines verheerenden Gasunglücks mit vielen Tausend Toten verringern. Die Initiative werde nicht nur die Gefahren reduzieren, sondern auch Jobs schaffen, sauberen Brennstoff produzieren und die Gasexporte erhöhen, teilte die Leiterin der ruandischen Entwicklungsbehörde (RDB), Clare Akamanzi, mit.

"Die Gase sind eine ernsthafte Bedrohung für alle Lebewesen in der Nähe des Sees, die auf Sauerstoff angewiesen sind", sagte Akamanzi. Gleichzeitig werde das hergestellte Methan dabei helfen, die Nutzung von Holz und Holzkohle als Kochbrennstoff zu reduzieren.

Abkommen für 25 Jahre

Das Unternehmen Gasmeth Energy plant laut der RDB den Bau einer Gasförderungsanlage auf dem See. Dort soll das Methan gewonnen und vom Wasser getrennt werden. In einem Werk an Land soll es dann komprimiert und im In- und Ausland verkauft werden.

Das Projekt soll demnach während des Baus 600 bis 800 Stellen schaffen, danach wird es rund 400 Mitarbeiter haben. Das Abkommen mit der ruandischen Regierung gilt für 25 Jahre, wie Stephen Tierney, der Chef von Gasmeth Energy, am Mittwoch sagte.

Ruanda ist vergleichsweise arm an Bodenschätzen. Projekte zur Nutzung des Methans sind immer wieder einmal begonnen worden. Das Gas entsteht dadurch, dass seit Tausenden von Jahren in der Tiefe des Sees Bakterien organisches Material zersetzen. Die Gefahr eines Vulkanausbruchs in dem Gebiet besteht, weil der See im Bereich des afrikanischen Grabenbruchs liegt. Ganz in seiner Nähe befinden sich die Virunga-Vulkane.

chs/dpa

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