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Wissenschaft

Frage eines US-Politikers

Lassen abstürzende Steine den Meeresspiegel steigen?

Erhöhen sich die Pegel der Ozeane, weil Steilküsten einstürzen und Flüsse Sedimente ins Meer spülen? Das wollte ein US-Politiker von einem Klimaforscher wissen. Die Antwort fiel knapp aus.

imago / Manngold

Klippen von Dover

Freitag, 18.05.2018   16:17 Uhr

Es sollte eine ganz normale Fragerunde für den Klimaforscher Philip Duffy werden. Der Experte vom Woods Hole Research Center im US Bundesstaat Massachusetts saß bei einer Anhörung des Ausschusses für Wissenschaft, Weltraum und Technologie einigen US-Abgeordneten gegenüber, um Auskunft über den Klimawandel und die Erderwärmung zu geben. Nach und nach stellten die US-Politiker ihre Fragen an Duffy und einige Kollegen.

Irgendwann war Mo Brooks dran, der Politologe und Jurist aus Alabama sitzt für die Republikaner im US-Repräsentantenhaus. Er fragte Duffy zunächst nach den Ursachen für den Anstieg des Meeresspiegels. Der Klimatologe nannte einige, etwa die globale Erhöhung der Temperaturen und das Schmelzen der Landeismassen - all das ist wissenschaftlicher Konsens.

Doch dann fragte Duffy nach einem weiteren Punkt: Wie sieht es mit Erosionen aus, wollte er wissen. Schließlich spülen Flüsse wie der Mississippi, der Amazonas oder der Nil jedes Jahr Tonnen Sediment ins Meer. Zudem würden auch Steilküsten wie in Kalifornien oder die White Cliffs im britischen Dover abbrechen und auf diese Weise Erde und Gestein ins Meer gelangen. Das müsste doch auch den Meeresspiegel ansteigen lassen, mutmaßte er.

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Die Antwort von Duffy war kurz und knapp: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass das für menschliche Zeitskalen winzige Effekte sind", sagte er.

Tatsächlich liegt Duffy wohl richtig - zumindest in Bezug auf ins Meer stürzende Steine, wie die "Washington Post" ausgerechnet hat. In ihrer groben Kalkulation geht das Blatt von 3,3 Millimetern Meeresspiegelanstieg pro Jahr aus. Bei einer weltweiten Ozeanfläche von 362 Millionen Quadratkilometern entspricht das einem Volumen von 1,19 Billionen Kubikmetern Wasser. Um die Ozeane um 3,3 Millimeter steigen zu lassen, müssten also 1,19 Billionen Kubikmeter Erde, Steine oder sonstiges Sediment hineingeschüttet werden.

Die Menge entspräche einem Würfel mit 10,6 Kilometern Kantenlänge. Oder man könnte etwa die obersten 13 Zentimeter Erdschicht der gesamten Fläche der USA abtragen und ins Meer schütten, damit die Ozeane um 3,3 Millimeter ansteigen. Eine unvorstellbar große Menge Material, die jedes Jahr ins Meer gelangen müsste.

Tatsächlich steigt der Meeresspiegel seit 1993 im weltweiten Durchschnitt jährlich um etwas mehr als drei Millimeter. Nach einer Studie, die kürzlich erschienen ist, könnte der Anstieg bis 2100 sogar bei zehn Millimeter pro Jahr liegen.

joe

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