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Wissenschaft

Fossilienfund

Forscher entdecken uralte Affenknochen in der Nordsee

Vor mehr als 100.000 Jahren haben Affen dort gelebt, wo heute die Nordsee liegt. Ihre Knochen wurden nun bei Bauarbeiten entdeckt - wie zuvor schon Fossilien anderer Tiere.

DPA

Linker oberer Eckzahn einer fossilen Makakenart vom Nordseegrund

Montag, 11.02.2019   17:55 Uhr

Eigentlich sollte der Hafen von Rotterdam in den Niederlanden nur ein kleines Stück größer werden. Doch bei den Bauarbeiten und der Aufschüttung einer Insel entdeckte man Erstaunliches - denn auf der Baustelle wurden Fossilien von Makaken im Nordseeboden gefunden. Wie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) mitteilte, ist das jüngste der Fossilien, ein Unterkieferfragment, zwischen 115.000 und 126.000 Jahre alt. Es sei der erste Fund dieser Art.

Zusätzlich konnte das Team, das aus dem Weimarer Forscher Ralf-Dietrich Kahlke und zwei niederländischen Kollegen bestand, mehrere Zähne untersuchen, die noch deutlich älter sind.

Der Nordseeboden gilt als eine der bedeutendsten Fundstellen für die Rekonstruktion des Lebens im eiszeitlichen Europa, wie die Gesellschaft weiter berichtete. Dort wurden schon Reste von Fellnashörnern, Breitstirnelchen, Höhlenlöwen und Waldelefanten gefunden. Allein die Menge von Mammut-Backenzähnen liege laut SGN bei mindestens 50.000 Stück.

Die Affenknochen sowie die Zähne stammten aus verschiedenen Warmzeiten innerhalb des Eiszeitalters. Sie gehörten zu Tieren, die den noch heute am Felsen von Gibraltar lebenden Berberaffen sehr ähnlich waren und konnten der Primatenart Macaca sylvanus zugeordnet werden. "Erst mit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher wurde der Raum der heutigen Nordsee geflutet", so Kahlke. Daher finde man die Fossilien heute am Meeresboden.

Die zahlreichen Entdeckungen von Skelettresten eiszeitlicher Landsäugetiere würden beweisen, dass weite Teile der Nordsee mehrfach Bestandteil des europäischen Festlands waren, so Kahlke, der in Weimar die Forschungsstation für Quartärpaläontologie der Senckenberg-Gesellschaft leitet. Nun könne die lange Liste von Nachweisen verschiedenster Säugetierarten um eine Makakenart erweitert werden.

joe/dpa

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