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Wissenschaft

Nowaja Semlja

Gefährliche Eisbären-Invasion vorerst vorüber

Durchatmen für die Bewohner der russischen Inselgruppe Nowaja Semlja: Eine Invasion Dutzender Eisbären ist einstweilen vorbei. Spezialeinheiten sollen die Tiere vertrieben haben.

REUTERS

Eisbär in der russischen Arktis (bei Dikson, Februar 2019)

Dienstag, 19.02.2019   14:58 Uhr

Gut eine Woche nach der Verhängung des Notstands wegen einer Eisbären-Invasion auf der sibirischen Arktis-Inselgrupe Nowaja Semlja haben die Behörden erst einmal Entwarnung gegeben. "Das massive Eindringen der Eisbären in bewohnte Gebiete hat aufgehört", begründeten die örtlichen Behörden die Entscheidung, den Notstand aufzuheben.

Den rund um die Uhr patrouillierenden Spezialeinheiten gelang es demnach, die Bären auf Abstand zu halten. Nun liege die Zahl der Eisbären in bewohnten Gebieten im "statistischen Durchschnitt". Die "Bedrohung wurde minimiert", sagte der Chef der Inselverwaltung, Zhiganscha Musin, der russischen Nachrichtenagentur Tass.

Am Samstag vergangener Woche hatten die Behörden wegen einer "Invasion aggressiver Eisbären" den Ausnahmezustand verhängt, weil Dutzende Eisbären in Wohnhäuser und öffentliche Gebäude eingedrungen waren. Einwohner hatten berichtet, dass in Belutschia Guba, der größten Ortschaft auf Nowaja Semlja, regelmäßig rund 50 Eisbären unterwegs seien. Einige von ihnen hätten sich aggressiv verhalten.

Da die Art bedroht ist, dürfen Eisbären in Russland nicht abgeschossen werden. Wegen der gefährlichen Invasion der Raubtiere hatten die örtlichen Behörden aber eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss nicht mehr ausgeschlossen. Dies war nun aber nicht nötig.

Müll lockte die Bären an

Als eine mögliche Begründung für das massenhafte Auftreten der Tiere war die beschleunigte Eisschmelze in der Arktis infolge des Klimawandels genannt worden. So wurde vermutet, dass die Tiere dadurch mehr Zeit an Land verbringen und sich dort einen Wettstreit um Nahrung liefern. Eine Rolle dürfte das langfristig verschwindende Meereis auch durchaus gespielt haben - doch entscheidender waren vermutlich wilde Mülldeponien auf Nowaja Semlja. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen.)

"Die Müllkippen sind ein riesiges Problem", hatte die Eisbärenexpertin Sybille Klenzendorf von der Umweltschutzorganisation WWF erklärt. "So werden die Tiere angezogen, es riecht dort gut, es ist interessant." "Wenn man den Müll loswird, wird man auch die Eisbären los", bestätigte Jon Aars vom Norwegischen Polarforschungsinstitut in Tromsö.

Nowaja Semlja ist militärisches Sperrgebiet, die Sowjetunion führte hier seit Mitte der Fünfzigerjahre etwa 130 Atombombentests durch. Eisbärenexperten fehlen daher wichtige Daten aus der Region, zumal sich Russland nicht an der letzten arktisweiten Eisbärenzählung von 2015 beteiligt hatte.

chs/AFP

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