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Wissenschaft

Schwarzer Leopard

Die wahre Geschichte hinter den Panther-Bildern

Hat ein Fotograf wirklich nach Jahrzehnten den Nachweis geliefert, dass es in Afrika noch Panther gibt? Keineswegs. Die Bilder sind spektakulär, aber definitiv nicht die ersten seit hundert Jahren.

Burrard-Lucas Photography / camtraptions.com
Freitag, 15.02.2019   15:17 Uhr

Schöne Bilder und dahinter angeblich auch noch eine spektakuläre Geschichte: Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Fotograf Will Burrard-Lucas auf seinem Blog Fotos von einem Panther, die er im kenianischen Laikipia Wilderness Camp gemacht hatte. Schnell wurden sie weltweit verbreitet. Es seien die ersten Aufnahmen eines Panthers in Afrika seit hundert Jahren und der Beweis, dass es die vom Aussterben bedrohte Tierart dort überhaupt noch gibt, berichteten mehrere Medien. Klingt spannend, stimmt aber nicht.

Panther sind zum einen keine eigene Art. Der Begriff wird für alle schwarzen Großkatzen verwendet, etwa für Leoparden, die aufgrund einer Genmutation deutlich mehr schwarze Pigmente produzieren als üblich. Sie haben zwar trotzdem die für die Art typischen Flecken, aber diese sind nur unter bestimmtem Licht zu erkennen.

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Schwarzer Leopard: Erwischt

Und es sind auch nicht die ersten Bilder eines Panthers in Afrika seit hundert Jahren. In Wahrheit geht die Geschichte so: Burrard-Lucas hatte Gerüchte gehört, dass es im Zentrum Kenias Panther geben soll. Der Wildtierfotograf habe schon immer davon geträumt, die Katzen vor die Kamera zu kriegen, schreibt er auf seinem Blog. In Indien sei es ihm bereits einmal gelungen.

Fotograf klärt Missverständnis auf

Er reiste also eigens ins kenianische Laikipia und siehe da: Die Gerüchte stimmten. In der Region wurden schon mehrmals Panther beobachtet. Daraufhin stellte Burrard-Lucas eine hochauflösende Kamerafalle auf, in der Hoffnung einen Schnappschuss der seltenen Katzen zu bekommen. Und tatsächlich: Nach mehreren Nächten gelangen ihm die spektakulären Aufnahmen eines Panthers. "Ich konnte es nicht glauben", schreibt Burrard-Lucas. Erst nach Tagen sei ihm klar geworden, dass sein Traum in Erfüllung gegangen war.

Die Bilder verbreiteten sich rasend schnell und dabei kam es zu einem entscheidenden Missverständnis. Burrard-Lucas war keineswegs der erste, der einen Panther in Laikipia gefilmt und fotografiert hatte - und er hatte das auch nie behauptet.

Fotograf macht schöne Bilder

Ein Wissenschaftler vom Zoo in San Diego hatte mit einem Forschungsteam bereits im vergangenen Jahr Aufnahmen eines Panther-Weibchens gemacht und darüber in einer Studie berichtet.

Darin heißt es, die Aufnahmen seien der erste wissenschaftlich dokumentierte Nachweis von Panthern in Afrika seit dem Jahr 1909. Damals wurde in Äthiopien ein Panther fotografiert. Die Aufnahme wird im National Museum of Natural History in den USA aufbewahrt.

Aus dem ersten wissenschaftlichen Nachweis machten mehrere Medien das erste Foto seit hundert Jahren und lagen damit daneben (auch SPIEGEL ONLINE veröffentlichte ein Video dazu). Inzwischen sind mehrere Bilder von Panthern in Afrika bekannt geworden, unter anderem aus den Jahren 2007 und 2013 - die sind nur nicht so schön wie die von Burrard-Lucas.

Der Fotograf hat auf seinem Blog inzwischen klargestellt, dass er keineswegs die ersten Aufnahmen eines Panthers in Afrika seit hundert Jahren gemacht hat. Am Ende müsste die Geschichte also lauten: Fotograf macht außergewöhnlich schöne Aufnahmen eines schwarzen Leoparden in Kenia.

koe

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