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Wissenschaft

Rekord im Tierreich

Schwärzer geht nicht

Sieh! Mich! An! Paradiesvögel prahlen mit ihrem bunten Gefieder. Doch ausgerechnet ihre schwarzen Federn bringen den Tieren nun einen ungewöhnlichen Rekord ein.

DPA / Ed Scholes
Mittwoch, 10.01.2018   10:33 Uhr

Paradiesvögel sind eigentlich bekannt für ihr sehr farbenfrohes Gefieder. Wie Biologen herausgefunden haben, bringen sie aber auch das wohl tiefste Schwarz des Tierreichs hervor. Die Forscher vermuten den evolutionären Vorteil darin, dass neben dem tiefen Schwarz die farbigen Bereiche des Gefieders umso deutlicher hervortreten. Die brillanten Farben versprechen mehr Aufmerksamkeit bei den Weibchen und eine größere Wahrscheinlichkeit der Fortpflanzung.

Viele Vögel haben schwarze Federn - in der Regel färbt ein Farbpigment wie Melanin sie schwarz. Das Tiefschwarze am Federkleid einiger Paradiesvögel aber entsteht durch sehr feine Strukturen, berichten Forscher um Dakota McCoy von der Harvard University in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) im Fachjournal "Nature Communications".

Die Wissenschaftler hatten sich diese Strukturen mit Mikroskopen genauer angesehen. Demnach sind die feinen Verästelungen der tiefschwarzen Federn des Wahnesparadiesvogels nicht stabförmig wie bei gewöhnlichen schwarzen Federn. Stattdessen sehen sie aus wie langgezogene Eichenblätter, die an den Ausbuchtungen noch längere Fortsätze tragen.

Nur 0,05 Prozent Reflexion

Bei der Untersuchung, wie viel Licht die tiefschwarzen Federn reflektieren, kamen die Wissenschaftler auf lediglich 0,05 bis 0,31 Prozent. Der erste Wert ist damit fast 100-fach niedriger als bei schwarz pigmentierten Federn (3,2 bis 4,7 Prozent). "Die Reflexionskurven des tiefschwarzen Gefieders waren auch flacher als die vieler künstlicher Samtstoffe sowie tiefschwarzer Schlangenschuppen und Schmetterlingsflügelschuppen", schreiben die Forscher.

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Paradiesvögel: Die Farbe der Saison? Schwarz!

Lediglich mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen sei ein ähnlich tiefes Schwarz wie beim Gefieder der Paradiesvögel zu erreichen. (Lesen Sie hier, wie ein Unternehmen mit einem so hergestellten Tiefschwarz die Herstellung von Weltraumteleskopen verbessern will.)

In Computersimulationen fanden die Biologen heraus, dass ein auftreffender Lichtstrahl bei einer tiefschwarzen Feder mehrmals gestreut wird. Bei jeder Streuung wird ein Teil der Strahlung absorbiert, sodass nur ein winziger Rest am Ende die Feder wieder verlässt.

Eindrucksvoll demonstrierten die Forscher den Effekt, indem sie eine schwarze und eine tiefschwarze Feder ganz fein mit Goldfarbe besprühten: Während die schwarze Feder golden erschien, sah die tiefschwarze Feder nach wie vor schwarz aus. Denn auch die besprühte Feder streute und absorbierte auftreffendes Licht so stark, das sie kaum Licht zurückwarf und deshalb schwarz erschien. Die Forscher glauben, dass ihre Erkenntnisse auch für die Herstellung tiefschwarzer künstlicher Materialien genutzt werden können.

chs/dpa

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