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Wissenschaft

Rote Liste

Fast ein Drittel der Wildpflanzen gefährdet

In den letzten 20 Jahren hat sich der Zustand vieler Wildpflanzen in Deutschland massiv verschlechtert. Das geht aus der neuen Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz hervor. Für Probleme sorgt auch die Landwirtschaft.

Detlev Metzing / Bundesamt für Naturschutz / dpa

Arnika (Archivbild)

Mittwoch, 05.12.2018   13:23 Uhr

In Deutschland stehen fast ein Drittel der heimischen Wildpflanzen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das geht aus einem Bericht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) hervor. Danach sind 30,8 Prozent von insgesamt 8650 Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen in ihrem Bestand gefährdet.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich damit der Zustand vieler Wildpflanzenarten in Deutschland gravierend verschlechtert. Gezielte Natur- und Umweltschutzmaßnahmen führten aber auch zu Verbesserungen. So seien etwa die Kornrade und der Fransenenzian nicht mehr gefährdet. Insgesamt bleibe die Lage deshalb unverändert, heißt es im Bericht. Helfen gegen den Artenschwund könnte vor allem eine naturverträglichere Landwirtschaft. (Lesen Sie hier einen großen SPIEGEL-Report zum Artensterben in Deutschland und der Rolle der Landwirtschaft.)

Gründe für die Verschlechterungen sehen die Wissenschaftler in erster Linie in zu hohen Nährstoffbelastungen. Das liege vor allem an der Überdüngung in der Landwirtschaft sowie an Schadstoffen in der Luft, etwa durch Autoabgase.

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So lieben zum Beispiel Arnika, Wiesen-Küchenschelle, Ackerwildkräuter und das mittlerweile vom Aussterben bedrohte Flammen-Adonisröschen nährstoffarme Standorte. Dazu zählen auch Moore und Heiden. Bedrohte Pflanzen kommen dort aber immer seltener vor, weil im Boden zu viele Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor vorkommen.

Verbesserungen für die Pflanzen gab es laut dem Bericht, weil sich zum Beispiel die Luftqualität änderte: Weil Kraftwerke weniger Schwefel ausstoßen, geht es nachweislich Moosen besser, die auf Bäumen wachsen. Einigen Kieselalgenarten hilft es, dass Seen nicht mehr so saures Wasser haben.

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Bei Farn- und Blütenpflanzen ließ sich ein Schrumpfen der Bestände in den Gebieten aufhalten, die Schutzäcker oder Ackerrandstreifen haben. Das gilt zum Beispiel für die Kornrade oder die Dicke Trespe, früher typische Begleitpflanzen in Getreidefeldern.

Solche gezielten Hilfsprogramme gelten jedoch nur als unzureichend. Um den Artenrückgang auf breiter Front aufzuhalten, müssten eine naturverträgliche Landwirtschaft gefördert und die Gewässer verbessert werden, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Nach Angaben der Behörde sind in den vergangenen 150 Jahren 119 Pflanzenarten in Deutschland ausgestorben oder nicht mehr zu finden. Ein Rückgang der Artenvielfalt wirke sich in einem Ökosystem negativ auf eine große Zahl anderer Organismen aus, heißt es im Bericht.

Für ihre neue Rote Liste berücksichtigten die Forscher Gefährdungseinstufungen von sechs Pflanzengruppen: Farn- und Blütenpflanzen (4305 Arten), Moose (1195 Arten), im Süßwasser vorkommende Braun- und Rotalgen (34 Arten), Schlauchalgen (45 Arten), Zieralgen (968 Arten) und limnische Kieselalgen (2103 Arten). Die Liste zählt Algen zu den Pflanzen.

chs/dpa

insgesamt 12 Beiträge
L_P 05.12.2018
1. Bauer Ulrich sagt
Wenn die Unkräuter doch nur so empfindlich wären, wie die Pflanzen auf der roten Liste.
Wenn die Unkräuter doch nur so empfindlich wären, wie die Pflanzen auf der roten Liste.
xc20 05.12.2018
2. Preise werden steigen
Ich lese diese Beiträge immer sehr interessiert und habe auch den verlinkten Artikel nochmal überflogen. Was mir dabei als Landwirt jedes Mal auffällt: Wenn schon eine naturverträglichere Wirtschaftsweise gefordert wird, [...]
Ich lese diese Beiträge immer sehr interessiert und habe auch den verlinkten Artikel nochmal überflogen. Was mir dabei als Landwirt jedes Mal auffällt: Wenn schon eine naturverträglichere Wirtschaftsweise gefordert wird, dann sollte man der Bevölkerung auch mal mitteilen wie teuer der Spaß wird. Dazu liest man überraschend wenig in den Medien. Denn sind wir mal ehrlich, eine solche Wirtschaft wäre global nicht mehr konkurrenzfähig. Also müsste sich die EU/Deutschland nach außen abschotten und nur noch Importe zulassen, die ebenfalls den entsprechenden Standards entsprechen, oder die landeseigene Versorgung wird an die Wand gefahren. Denn wie viele Menschen in Deutschland könnten sich überhaupt die so produzierten Lebensmittel leisten? Und wie viele würden weiterhin auf die billige Variante zurückgreifen und so die Schäden einfach nur auslagern?
halverhahn 05.12.2018
3. Autofahrer sind irgendwie an allem schuld!!
Wie auch hier wieder... Ohne die genauen Zahlen oder prozentualen Aufteilungen zu kennen, hier werden sie ja auch nicht näher aufgedröselt. Aber jede Wette: Die Industrielle Landwirtschaft ist der absolute Hauptverursacher des [...]
Wie auch hier wieder... Ohne die genauen Zahlen oder prozentualen Aufteilungen zu kennen, hier werden sie ja auch nicht näher aufgedröselt. Aber jede Wette: Die Industrielle Landwirtschaft ist der absolute Hauptverursacher des Artensterbens bei Pflanzen als auch bei den Insekten. Monokultur, Überdüngungen durch künstliche Düngemittel (auch durch Gülle wird das Grundwasser verunreinigt (Thema Nitrat und Phosphat)), zu wenig Freiflächen für Hecken und Co. an den Rändern von landwirtschaftlich genutzten Flächen, wo sich „Wildwuchs“ zumindest auf eng begrenzen Flächen mal ausbreiten könnte und und. Würde man da mal rangehen, sähe die Welt direkt ganz anders aus. Und mal nebenbei: durch den Klimawandel, egal ob jetzt menschlich verursacht oder „natürlicher Wandel“, wird sich eh die Flora und Fauna bei uns noch radikal verändern. Bestimmte Arten werden dann eh komplett verschwinden, andere dafür hinzu kommen. Also eine Art Selektion...
xc20 05.12.2018
4. @Halverhahn
Sicher ist die Landwirtschaft eines der anzugehenden Gebiete. Aber doch bitte bei Leibe nicht das einzige. 40% der Stickstoffemissionen stammen aus Verkehr und Industrie und werden somit flächenungebunden überall eingetragen. [...]
Sicher ist die Landwirtschaft eines der anzugehenden Gebiete. Aber doch bitte bei Leibe nicht das einzige. 40% der Stickstoffemissionen stammen aus Verkehr und Industrie und werden somit flächenungebunden überall eingetragen. Entsprechend gibt es am einigen Naturschutzstandorten Probleme bei angestrebten Nährstoffverknappungen, da ständig neuer Eintrag erfolgt. Auch die angesprochenen "wilden Ecken" dürfte es mittlerweile in der Landwirtschaft sogar schon deutlich häufiger geben als in den glattgebügelten Siedlungsbereichen, wo es nahezu kein insekten- und vogelfreundliches Biotop mehr gibt. Der tägliche!!! Flächenverbrauch liegt noch immer bei etwa 60ha. Da werden also etwa 180 landwirtschaftliche Betriebe pro Jahr komplett zubetoniert. DAS kann nicht gut für Artenvielfalt und Umwelt sein.
richey_edwards 05.12.2018
5. Das kennt man doch
schon lange, genauso beim Artensterben und dann tauchen sie plötzlich wider auf die angeblich ausgestorbenen Arten und Pflanzen.
schon lange, genauso beim Artensterben und dann tauchen sie plötzlich wider auf die angeblich ausgestorbenen Arten und Pflanzen.

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