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Wissenschaft

Gestein aus der Sahara

Älteste Farbe der Welt entdeckt

1,1 Milliarden Jahre alt und rosa: Wissenschaftler sind in Gesteinsproben auf uralte Farbpigmente gestoßen, die von Lebewesen hergestellt wurden. Sie kommen aus einer Zeit, in der es wohl noch keine Pflanzen gab.

Australian National University

Forscherin mit wohl ältestem Pigment der Welt

Dienstag, 10.07.2018   17:12 Uhr

Weit vor den Menschen und den Dinosauriern beherrschten winzige Bakterien die Erde. Forscher der Australien National University (ANU) sind unter der Sahara auf ihre Rückstände gestoßen und haben dabei das bisher älteste biologische Pigment der Welt entdeckt, wie sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten. Und siehe da: Die Vergangenheit ist zartrosa.

Die Farbstoffe stammen aus einer marinen Schieferschicht, die heute mehrere Hundert Meter unter dem westafrikanischen Taoudeni-Becken liegt und vor etwa 1,1 Milliarden Jahren entstand. Zu dieser Zeit bedeckte ein Ozean die heutige Sahara, in dem winzige Bakterien lebten. Tiere und Pflanzen gab es dagegen noch nicht, vermuten die Forscher.

Die Forscher beschrieben die Farbpigmente in ihrer Studie als blutrot bis purpurn in ihrer konzentrierten Form und leuchtend rosa, wenn sie verdünnt werden. "Die leuchtend rosa Pigmente sind die Überreste von Chlorophyll, das von Cyanobakterien produziert wurde", sagt Geologin Nur Gueneli. Dank des Farbstoffs beherrschen die Bakterien genau wie heutige Pflanzen den Trick, mit Hilfe von Sonnenlicht Energie zu gewinnen. Ein Prozess, der als Fotosynthese bekannt ist.

"Cooles, pinkes Zeug"

Die Forscher hatten das uralte Gestein zu einem Puder gemahlen und daraus Moleküle der alten Organismen extrahiert. Die Analysen bestätigten die Annahme, dass vor einer Milliarde Jahren vor allem Cyanobakterien die Ozeane der Erde bevölkerten. "Das hilft uns, zu erklären, warum es zu dieser Zeit keine Tiere gab", sagt Gueneli. Sie wären durch die Bakterien einfach nicht satt geworden.

Erst als sich Algen entwickelten, habe sich das geändert. Denn obwohl viele Algen mikroskopisch klein sind, haben sie ein tausend Mal größeres Volumen als Cyanobakterien und sind damit eine deutlich reichere Energiequelle.

"Die Ozeane der Cyanobakterien verschwanden erst vor etwa 650 Millionen Jahren, als Algen sich rapide ausbreiteten und den nötigen Energieschub bereitstellten, der für die Entwicklung komplexer Ökosysteme nötig war", sagt Geologe Jochen Brocks, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat.

"Wir haben also nicht nur cooles, uraltes, pinkes Zeug entdeckt, sondern auch geholfen, zu erklären, warum größere Lebewesen erst so spät in der Geschichte auftauchten."

koe

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