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Wissenschaft

Tordalken

Wie Seevögel Meeresforschern helfen

Tordalken verbringen die meiste Zeit ihres Lebens auf dem Meer - dort dümpeln sie nachts stundenlang auf den Wellen. Gezeitenforscher wollen sich dieses Verhalten nun zunutze machen.

Derren Fox/RSPB/DPA

Tordalk (Alca torda)

Dienstag, 04.12.2018   13:37 Uhr

Ebbe und Flut an den Küsten der Meere gehören zu den faszinierendsten Bereichen der Geoforschung. In einer Studie konnten Wissenschaftler nun zeigen, wie ihnen Seevögel dabei helfen könnten, mehr über solche Gezeitenströmungen herauszufinden.

Dafür zeichneten die Forscher Bewegungsdaten wie Richtung und Geschwindigkeit von auf den Wellen dümpelnden Tordalken (Alca torda) auf - diese Tiere schwimmen vor allem nachts auf dem Meer und lassen sich offenbar treiben.

Das Team um Matthew Cooper von der Bangor University in Wales hatte sich auf Daten gestützt, die die britische Vogelschutzorganisation Royal Society for the Protection of Birds bereits vor einigen Jahren erhoben hatte. Die Umweltschützer hatten Tordalken einer Brutkolonie auf Puffin Island, einer unbewohnten Insel an der Nordküste von Wales, mit einem GPS-Sender ausgestattet. Die Sender zeichneten alle hundert Sekunden die Position von 49 Vögeln auf.

Ursprünglich hatten die Wissenschaftler diese Daten gesammelt, um mehr über die Lebensweise und das Verhalten dieser Seevögel, die nur in der Brutsaison an Land kommen, herauszufinden. Dabei kam unter anderem heraus, dass sie nachts häufig auf den Wellen sitzen. "Wir sahen das als Gelegenheit an, die Daten neu zu nutzen und zu prüfen, ob die Vögel möglicherweise mit der Strömung driften", erläutert Cooper.

Aus den Positionsdaten und den Zeitangaben errechneten sie die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung der Vögel. Nachts, wenn die Vögel ruhen, bedeuten Positionsveränderungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass die Vögel mit der Strömung treiben. Um die Aussagekraft der Daten zu verbessern, filterten die Wissenschaftler die Zeiten heraus, in denen die Tiere flogen. Das war möglich, weil die Vögel dies mit deutlich höherer Geschwindigkeit machen.

Die Daten zeigten, dass sich die Bewegungsrichtung der Vögel mit Ebbe und Flut änderte - ein Beleg für die Forscher, dass sie tatsächlich passive Bewegungen auswerteten und sich die Tiere nicht von selbst fortbewegt haben. Um das auszuschließen, verglichen sie ihre Ergebnisse zu den Bewegungsgeschwindigkeiten der Vögel mit Modellen zu Strömungsgeschwindigkeiten. Grundsätzlich stammten die Daten gut überein. In Bereichen mit hoher Geschwindigkeit wichen sie etwas voneinander ab. Die Gründe dafür müssten weiter untersucht werden, schreiben die Wissenschaftler.

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Die Aussagekraft der Ergebnisse in dieser ersten Studie sei aber dennoch begrenzt. So seien die Vögel etwa auch dem Wind ausgesetzt, der sie vertreiben könnte und sie könnten auch mit ihren Füßen paddeln und so aktiv ihre Richtung ändern. Mit mehr Daten ließen sich einige dieser Probleme beseitigen, indem etwa anomales Verhalten aus den Daten gelöscht werden.

Positiv sei aber die Tatsache, dass die Methode relativ günstig sei und es wenig andere gebe, um Gezeitenströme großräumig zu untersuchen. Spezielle Radar-Messungen und Auswertungen von Schiffen seien zwar möglich, aber sehr viel teurer. Die Erforschung von Gezeiten im Meer beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Sie hoffen, mit der Erfassung solcher Daten etwa Erkenntnisse über Überschwemmungsrisiken zu gewinnen.

Denkbar sei, mithilfe der Daten sogar die besten Standorte für Gezeitenströmungskraftwerke zu ermitteln, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Ocean Science" der European Geosciences Union. Denn womöglich hielten sich Tordalken gerade in Regionen mit schnellen Strömungen auf, die sie als Jagdgründe nutzten.

joe/dpa

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