Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

23-Jährige über Klima-Versagen

Danke für nichts

Zwanzigjährige können den Klimawandel nicht aufhalten, sondern nur die Schäden eindämmen. Hier nimmt eine von ihnen jene in die Pflicht, die viel zu lange, viel zu wenig für die Umwelt getan haben.

imago/ snapshot

Klima-Demonstration vor dem Bundeskanzleramt

Ein Kommentar von Lena Puttfarcken
Montag, 08.10.2018   14:41 Uhr

Lobbyisten, Politiker, Industrielle: Ihnen allen war das Wirtschaftswachstum wichtiger als der Klimaschutz. Dank ihnen sind junge Menschen wie ich in einer Welt aufgewachsen, in der wir nur noch Schadensbegrenzung betreiben können. Sie haben das Weltklima unumkehrbar verändert, bevor ich überhaupt geboren wurde.

Zur Autorin

Der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarates IPPC zeigt, dass sich eine Erwärmung der Erde um 1,5 Grad kaum noch verhindern lässt. Jeder Einzelne trägt dafür Verantwortung und sollte alles dafür tun, seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern.

Doch das allein wird nicht reichen. Selbst wenn sich der Normalbürger nur noch regional und vegetarisch ernährt, Ökostrom bezieht, seltener fliegt und mehr Bahn fährt: Ein globales Jahrhundertproblem wie den Klimawandel bekommen wir so nicht in den Griff. Wir brauchen eine Weltgemeinschaft, die geschlossen gegen den Klimawandel kämpft und radikal Emissionen senkt.

Wie drängend das ist, scheint jedoch niemanden zu interessieren. Zumindest nicht die, die tatsächlich etwas bewirken könnten.

Ein vieldiskutierter Artikel des "New York Times Magazine" stellte diesen Sommer die These auf, dass der Klimawandel um 1980 herum hätte aufgehalten werden können. Dann kamen Politiker dazwischen und Lobbyorganisationen. Konservative Thinktanks begannen, den Klimawandel zu leugnen oder kleinzureden.

Was ich mich frage: Haben diejenigen, die sich gegen ehrgeizige Klimaziele einsetzen, selbst Kinder? Vielleicht sogar Enkel? Und sind sie sich darüber im Klaren, was für eine Erde sie ihnen hinterlassen?

Lobbyisten, Politiker und Industrielle tragen mehr Verantwortung für die Gesellschaft als der Normalbürger. Und es ist ihre verdammte Pflicht, sie wahrzunehmen.

Ich erwarte von ihnen, dass sie eine Welt schaffen, die uns entlastet. In der wir kaum anders können, als klimaschonend zu leben. Stattdessen haben sie eine Welt gestaltet, die uns dauernd dazu verleitet, Dinge zu tun, die schädlich für das Klima sind.

Warum gibt es zum Beispiel überhaupt eine Flugverbindung von Frankfurt nach Stuttgart? Das ist eine Strecke von 204 Kilometern. Die Bahn braucht für dieselbe Strecke nur 25 Minuten mehr, als der reine Flug dauert. Solche Produkte sind ein schlechter Scherz, der auf Kosten meiner Zukunft gemacht wird. Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben.

In eine Welt geboren, die andere kaputt gemacht haben

Was also müsste passieren? Wir brauchen eine globale CO2-Steuer, damit Klimafolgen in Preise eingerechnet werden. Und: Wir müssen radikal Emissionen senken, durch einen schnellen Kohleausstieg und eine massive Begrenzung des CO2-Ausstoßes.

Wenn das nicht passiert, müssen wir laut werden. Und mit "wir" meine ich all die Kinder, die in eine Welt geboren wurden, die andere kaputt gemacht haben.

Wir müssen uns in Parteien und Organisationen für den Klimaschutz einsetzen, Petitionen unterschreiben, Demonstrationen organisieren und mit anderen über den Klimawandel reden. Reden, reden, reden. Und wenn unsere Eltern Politiker, Lobbyisten und Industrielle sind, erst recht.

Die Politik wird sich nicht von allein verändern, sondern nur durch Menschen, die sich einbringen. Wir müssen unser Recht einfordern auf eine Welt, in der wir und unsere Kinder noch gut leben können. Dafür müssen wir kämpfen.

insgesamt 203 Beiträge
Susi Sorglos 08.10.2018
1. Kyoto
Es gab da doch die Klimakonferenz in Kyoto, die auch von Deutschland unterschrieben wurde. Wer war das doch noch gleich ? Richtig: Frau Merkel. Beschwert euch bei ihr.
Es gab da doch die Klimakonferenz in Kyoto, die auch von Deutschland unterschrieben wurde. Wer war das doch noch gleich ? Richtig: Frau Merkel. Beschwert euch bei ihr.
herumnöler 08.10.2018
2. Runter damit !
Immer wieder hört man, dass der steigende CO2-Gehalt der Luft Ursache für die Klimaerwärmung sei. Immer wieder werden dafür Autoverkehr, Industrie, Abholzung und Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Nie hört man, dass der [...]
Immer wieder hört man, dass der steigende CO2-Gehalt der Luft Ursache für die Klimaerwärmung sei. Immer wieder werden dafür Autoverkehr, Industrie, Abholzung und Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Nie hört man, dass der Mensch selbst die Hauptursache für die Misere darstellt: In den letzten 150 Jahren, in denen sich der Klimawandel abspielt, ist die Weltbevölkerung von 2 auf über 7 Milliarden gestiegen. Menschen atmen Sauerstoff ein und CO2 aus. Was ich daraus ableite, ist, dass die Weltbevölkerung drastisch schrumpfen müsste. China hat vorgemacht, dass das im Prinzip geht, Stichwort Ein-Kind-Familie. Man müsste dies nur weltweit durchsetzen können, und dazu bräuchte man Diktaturen. Vermutlich wird sich die Menschheit in diese Richtung bewegen müssen, wenn sie noch eine Chance zum Überleben haben will. Man müsste begreifen, dass Demokratien gut sind für Schönwetter. Das Hochdruckgebiet, das uns Demokratien für über 100 Jahre weltweit ermöglicht hat, baut sich gerade ab und es droht Schlechtwetter. Spannen wir den Regenschirm auf und gehen es hart an: 1 Kind pro Familie für 4 Generationen, und schon wäre die Weltbevölkerung wieder auf einem erträglichen Niveau, ohne dass das den Fortschritt hemmen würde.
spon_4666721 08.10.2018
3. in vielen vielen Jahren
wird man sich in den Hintern beissen, wenn man zurückblickt und bemerkt, dass man die Erde und deren Lebewesen hätte retten können, wenn man nicht auf die CO2 Lüge gehört und die wirklichen Ursachen für das Sterben des [...]
wird man sich in den Hintern beissen, wenn man zurückblickt und bemerkt, dass man die Erde und deren Lebewesen hätte retten können, wenn man nicht auf die CO2 Lüge gehört und die wirklichen Ursachen für das Sterben des Planeten bekämpft hätte wie Rodung der Regenwälder, Vergiftung der Meere und landwirtschaftlichen Flächen, Massentierhaltung, Monokulturen, Überdüngung und Zubetonierung der Landschaft. Dabei war es doch so offensichtlich.
herm16 08.10.2018
4. liebe Schreiberin
anfangen, einfach selbst anfangen, wetten das packen Sie nicht, warum? geboren im Luxus!
anfangen, einfach selbst anfangen, wetten das packen Sie nicht, warum? geboren im Luxus!
noalk 08.10.2018
5. Das wird nix
Wer eine Veränderung des Klimas zum Guten haben will, muss die Gesellschaft tiefgreifend verändern. Ohne Einschränkung der persönlichen Freiheit wird das nicht gelingen. Die Menschen werden auf liebgewonnenen Komfort [...]
Wer eine Veränderung des Klimas zum Guten haben will, muss die Gesellschaft tiefgreifend verändern. Ohne Einschränkung der persönlichen Freiheit wird das nicht gelingen. Die Menschen werden auf liebgewonnenen Komfort verzichten müssen, so sie ihn denn bisher haben.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP