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Wissenschaft

Tote Seevögel

Forscher rätseln über Massensterben in der Nordsee

20.000 tote Trottellummen wurden in den vergangenen Wochen an Strände in den Niederlanden angespült. Warum nur dort tote Vögel gefunden werden, lässt Forscher grübeln.

imago/BIA
Donnerstag, 07.02.2019   12:00 Uhr

In der niederländischen Nordsee hat es ein rätselhaftes Massensterben von Alkenvögeln gegeben. Wie Forscher am Mittwoch mitteilten, wurden 20.000 tote Trottellummen angeschwemmt - von den nördlichen Watteninseln bis zu Zeelands Stränden im Südwesten.

Alle Vögel wiesen demnach Zeichen schwerer Entkräftung auf. Es werden auch verstärkt magere und geschwächte Tiere zu Vogelschutz-Stationen gebracht.

Der Meeresbiologe Mardik Leopold von der Universität Wageningen sagte, die Lage sei "alarmierend". Die Gründe für das Massensterben seien unklar. Möglicherweise habe das stürmische Winterwetter dazu geführt, dass die Tiere keine Kraft hatten, Heringe oder Sprotten zu sich zu nehmen. Die Frage sei allerdings, warum es das Massensterben nur in den Niederlanden gegeben habe.

Spekulationen über Zusammenhang mit Havarie eines Containerschiffs

In niederländischen Medien wurde darüber spekuliert, ob es einen Zusammenhang zwischen den toten Vögeln und der Havarie des Containerschiffs "MSC Zoe" in der Nordsee geben könnte. Dabei waren Anfang Januar während eines Sturms im Seegebiet vor der deutsch-niederländischen Grenze zahlreiche Container über Bord gegangen, darunter zwei mit Gefahrgut.

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Tote Trottellummen: Das große Sterben

Die Schweizer Reederei MSC sprach am Mittwoch nach niederländischen Angaben von mindestens 341 Containern. Vorher war von rund 270 Containern die Rede gewesen. Dadurch gelangten Schuhe, Autoteile, Plastikspielzeug und Kunststoffe ins Meer.

Autopsien im großen Maßstab

Erste Untersuchungen ergaben, dass sich in den Mägen der Vögel keine Plastikteile befanden, wie Leopold erklärte. Kommende Woche wollen die Wissenschaftler an den toten Vögeln Autopsien im großen Maßstab vornehmen.

Trottellummen sind Seevögel. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens über dem offenen Meer. Nur zum Brüten oder, um vorab Besitzansprüche an Nestern für die nächste Brutsaison zu demonstrieren, gehen sie an Land. In Deutschland gibt es die einzige Brutkolonie in Mitteleuropa. Auf dem Lummenfelsen auf Helgoland brüten im Frühjahr ungefähr 2500 Trottellummenpaare.

jme/dpa

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