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Wissenschaft

Uno-Umweltkonferenz

Deutschland hofft auf Abkommen gegen Plastikmüll

Ab Montag treffen sich Delegationen aus aller Welt zur Uno-Umweltkonferenz im kenianischen Nairobi. Diskutiert wird unter anderem über riskante Eingriffe in das weltweite Klimasystem und eine Reduzierung der Plastikflut.

DPA

Mann sammelt Plastik am Arabischen Meer

Montag, 11.03.2019   15:33 Uhr

Wenn weiterhin pro Minute ungefähr die Menge eines Müllwagens voller Plastik in die Ozeane gelangt, dann könnten im Jahr 2050 mehr Kunststoff als Fische in den Weltmeeren schwimmen. So hatten es Forscher der Ellen MacArthur Foundation vor drei Jahren ausgerechnet und entsprechend für Aufsehen gesorgt. Weltweit schwimmen inzwischen mehr als 100 Millionen Tonnen Abfall in den Meeren. Jedes Jahr kommen geschätzt weitere zehn Millionen Tonnen hinzu.

Seit Jahren ist klar: Um die Vermüllung der Meere in den Griff zu bekommen, braucht es dringend geeignete globale Strategien. Nun steht das Thema bei der fünftägigen Uno-Umweltkonferenz auf der Tagesordnung, die am Montag beginnt. Für eine Woche treffen sich Staats- und Regierungschefs sowie Umweltminister aus aller Welt für eine Woche im kenianischen Nairobi, um dort zur vierten Uno Environment Assembly zusammenzukommen, dem höchsten Entscheidungsgremium der Uno in Umweltfragen.

Für Fische, Seevögel und Meeressäuger hat die Verschmutzung ihrer Lebensräume mit Plastik dramatische Folgen. Die Tiere verheddern sich in alten Netzen und Leinen oder verwechseln unverdaulichen Müll mit Nahrung. Zerfällt der Abfall in winzige Mikroplastikpartikel, kann er über die Nahrungskette auch auf den Tellern der Menschen landen.

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Auch die Bundesregierung schickt eine mehr als 20-köpfige Delegation nach Afrika. Allerdings wird ihr nicht Umweltministerin Svenja Schulze vorstehen, sondern ihr Staatssekretär Jochen Flasbarth.

Bettina Hoffmann, die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kritisiert die Entscheidung. "Es ist bezeichnend, dass sich die Ministerin bei der Uno-Umweltversammlung von ihrem Staatssekretär vertreten lassen wird", sagte sie.

Eigentlich liegt der Bundesregierung laut einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen viel an einem Uno-Abkommen gegen Plastikmüll in den Meeren. Man unterstütze internationale Vereinbarungen unter dem Dach der Vereinten Nationen mit dieser Stoßrichtung, hieß es. Aber wenn Schulze ein wirkungsvolles Abkommen am Herzen liege, müsse sie mehr Engagement zeigen, mahnt Hoffmann.

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Arktis: Meer voll Müll

Auch das Bundesumweltministerium vertritt die Position, dass die bisherigen Abkommen wie etwa das Aus für Wegwerfprodukte wie Plastikteller und Trinkhalme in der EU nicht ausreichen. Deshalb brauche es weitere Anstrengungen - die Konferenz in Nairobi könnte dafür richtungsweisend sein. Nach Meinung den Grünen müsse das Ziel sein, den Eintrag von Plastik in die Ozeane bis 2030 zu stoppen.

Geo-Engineering - eine hitzige Debatte

In Nairobi wird es noch um andere wichtige Themen gehen - spannend dürfte vor allem die Diskussion um das umstrittene Geo-Engineering werden. Damit sind Technologien gemeint, mit denen sich die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre oder die Erwärmung der Erde insgesamt verringern lassen könnten. Sie werden in Fachkreisen seit einigen Jahren als mögliche technische Notfallstrategie bei einem eskalierenden Klimawandel diskutiert.

Viele Wissenschaftler halten die Techniken, bei denen etwa Aerosole in die Stratosphäre eingebracht werden, um das Sonnenlicht zu blockieren, jedoch für nicht ausgereift genug. Die Risiken seien zum Teil nicht vorhersehbar, die Kosten zu hoch. Zudem würde die breite Anwendung von Geo-Engineering ohnehin keine Klimaschutz-Maßnahmen ersetzen, heißt es.

Doch ein von der Schweiz und zehn weiteren Ländern unterstützter Vorschlag könnte vom Uno-Umweltprogramm in Nairobi eine umfassende Bewertung der Technologie und neue Studien fordern. Bisher gebe es keine globale Bewertung, das sei aber dringend erforderlich, sagte János Pásztor, Leiter der Carnegie Climate Geoengineering Governance Initiative, kürzlich der Fachzeitschrift "Nature". Pásztor und andere Befürworter erhoffen sich von einer Bewertung durch die Uno positive Signale für die Anwendung von einigen Techniken.

"Die Technologien sind nach wie vor spekulativ, daher brauchen wir keine neue Studie", sagt dagegen Silvia Ribeiro von der ETC Group, einer Umweltschutzorganisation. Wie die Debatte in Nairobi ausgehen wird, ist offen. Auch Nationen wie die USA oder Saudi-Arabien gelten als Geo-Engineering-Skeptiker. Eine Entscheidung über eine Bewertung wird frühestens gegen Ende des Treffens erwartet. Sollten sich die Konferenzteilnehmer auf neue Untersuchungen einigen, könnten diese dann in einen Bericht einfließen, der im August 2020 erscheint.

joe/dpa

insgesamt 17 Beiträge
neanderspezi 11.03.2019
1. Der Umwelt ist ein von Menschen gemachtes Desaster beigegeben
Hauptsache es gibt zu dem Thema Plastikmüll eine Konferenz und es wird darüber diskutiert. Viel mehr sollte die Menschheit auch nicht mehr erwarten zu dieser unausweichlichen menschenverursachten Hybris, die zunehmend erkennbar [...]
Hauptsache es gibt zu dem Thema Plastikmüll eine Konferenz und es wird darüber diskutiert. Viel mehr sollte die Menschheit auch nicht mehr erwarten zu dieser unausweichlichen menschenverursachten Hybris, die zunehmend erkennbar in ein globales Desaster führt. Es ist einfach davon auszugehen, dass die Produktion an Plastik weltweit keineswegs reduziert wird und damit die Ausbringung künstlicher Stoffe in die Umwelt nicht nur gesichert ist, sondern mit jeder weiteren Anwendungsmöglichkeit neuen Anreiz für großangelegte und erweiterte Produktionsmöglichkeiten findet. Der Mensch ist anpassungsfähig und wenn er eine Möglichkeit zu erweiterter Bequemlichkeit ausbaldowert hat, greift er sie auch unweigerlich auf. Konferenzen irgendwo auf diesem Globus passen mit weit ausholenden Diskussionen glänzend zu diesem Thema.
egonv 11.03.2019
2.
Ich habe diese Plasikmülkdebatte nie verstanden. Wie blöde müssen die Leute denn sein. Man muss ja nur auf einem deutschen Rastplatz Halt machen. Wenn dass so im Kleinen aussieht, dann brauchts einen nicht zu wundern. Aufgrund [...]
Ich habe diese Plasikmülkdebatte nie verstanden. Wie blöde müssen die Leute denn sein. Man muss ja nur auf einem deutschen Rastplatz Halt machen. Wenn dass so im Kleinen aussieht, dann brauchts einen nicht zu wundern. Aufgrund meines Handelns ist noch nie Plastik in der Umwelt gelandet...Aber wohl indirekt aufgrund meines Konsums. Tatsächlich vertrete ich beim Plastik eine ganz restriktive Vorgehensweise: Steuern in der Produktion und Verwendung nach und nach sehr stark steigern und enorm empfindliche Strafen für Abladen/Liegenlassen von Müll.
muckp 11.03.2019
3. Deutschland sauber?
Bei den Stürmen der letzten Tagen habe ich gesehen was an Plastik aus den Parks auf die Straßen geblasen wird. Da soll Deutschland sauber sein? Wie oft ich Plastik von unserem Grundstück wegräume ... und die nette [...]
Bei den Stürmen der letzten Tagen habe ich gesehen was an Plastik aus den Parks auf die Straßen geblasen wird. Da soll Deutschland sauber sein? Wie oft ich Plastik von unserem Grundstück wegräume ... und die nette Hundebesitzer sollten doch mal auf die rote Tütchen verzichten und ihren Hunden besser erziehen es nicht auf der Spielewiese zu machen und dann ihren Dreck bei uns in den Mülleimer bzw. im Plastik auf die Straße schmeißen. Da sind die Discounterkunden die das Gemüse in ein Plastiktüte stecken noch harmlos dagegen.
mrthink 11.03.2019
4. Mit Plastikmüll Geld verdienen durch Pyrolyse. Plastic2Gasoline
Kann mal bitte jemand der Plastik Industrie sagen, dass mit ihren Produkten selbst als Müll noch Geld zu machen ist. Firmen wie z.B. Biofabrik aus Dresden und andere bieten Kompakte Pyrolyse Reaktoren an, die bis zu 700 kg [...]
Kann mal bitte jemand der Plastik Industrie sagen, dass mit ihren Produkten selbst als Müll noch Geld zu machen ist. Firmen wie z.B. Biofabrik aus Dresden und andere bieten Kompakte Pyrolyse Reaktoren an, die bis zu 700 kg Plastik pro Tag in Flüssige Kraftstoffe umwandeln. Da muss doch ein Geschäft mit zu machen sein wenn man genug Kapital hat. Wenn jemand in Bangladesh, Indonesien usw Plastikmüll aufkauft, dann gibt es ganz schnell viele Leute die vom Sammeln von Plastik Müll leben können. Someone an idea for an affordable DIY Plastic2Gasoline Pyrolysis Reactor?
kratzdistel 11.03.2019
5. nur das zur info
Die Umwandlung von Abfall in sekundärer Brennstoffe oder Ersatzbrennstoffe hat zwei Gründe: Es verringert die Müllmengen, die in die Abfalldeponien geliefert werden und somit das Problem im Abfallsektor lindert, desweiteren [...]
Die Umwandlung von Abfall in sekundärer Brennstoffe oder Ersatzbrennstoffe hat zwei Gründe: Es verringert die Müllmengen, die in die Abfalldeponien geliefert werden und somit das Problem im Abfallsektor lindert, desweiteren liefert es alternative Brennstoffe für die energieintensive Industrie. RDFs werden zur Energiegewinnung in Zementofen, Elektrizitätswerken und Industrieboilern als Ersatzstoff zu fossilen Brennstoffen benutzt. Um die strikten Standards der Abfallverbrennungsanordnung zu befolgen, verwenden Zementofen in Europa RDFs. RDFs und SRFs sind effective Ersatzstoffe für fossile Brenstoffe, da sie niedrige Produktionskosten aufweisen, jedoch einen erheblichen thermischen Wert haben. In Japan ist die Verwendung von Ersatzbrennstoffen aus Kunststoff und Papier (RPF) weit verbreitet. RPF besteht aus Altpapier und Kunststoffabfällen, ausgenommen PVC (Polyvinylchlorid) und PVDC (Polyvinylidenchlorid).

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