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Wissenschaft

Umweltschutz

Boomt die Wirtschaft, wächst auch der Wald

Je besser es einem Land wirtschaftlich geht, desto mehr Waldfläche hat es. Masse allein reicht allerdings nicht, um Verluste in anderen Staaten auszugleichen.

REUTERS

Regenwald in Costa Rica

Dienstag, 15.05.2018   08:17 Uhr

Vilma Sandström von der Universität Helsinki und ihre Kollegen haben untersucht, welche Faktoren dafür sorgen, dass ein Wald wächst oder schrumpft. Das Ergebnis ihrer Studie im Fachmagazin "Plos One" lässt sich auf eine grobe Formel bringen: Geht es der Wirtschaft gut, dann wächst die Waldfläche.

Die Forscher nutzten Daten der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) über die Waldflächen von 1990 bis 2015. Sie geben Informationen über 103 Länder, in denen sich drei Viertel aller Waldflächen befinden. Diese Statistiken glich das Team mit Umweltbedingungen und sozioökonomischen Faktoren ab.

Mehr heißt nicht gesund

Dabei zeigte sich eine Korrelation zwischen dem wirtschaftlichen Status eines Landes und der Entwicklung der Wälder. So wuchsen Wälder in Ländern mit hohem Einkommen zwischen 0,5 und 1,3 Prozent pro Jahr. In Deutschland lag das Wachstum bei fast 1,1 Prozent. Die Daten sagen jedoch nichts darüber aus, wie gesund die Wälder sind.

Dagegen ist die Waldfläche in Ländern mit unteren Einkommen um jährlich bis zu 0,79 Prozent geschrumpft. Ebenso deutlich war der Zusammenhang mit dem Index der menschlichen Entwicklung, der neben dem Nationaleinkommen auch Faktoren wie Lebenserwartung und Ausbildung einbezieht.

University of Helsinki

Entwicklung der Wälder weltweit

"Hochentwickelte Länder wenden moderne landwirtschaftliche Methoden auf gutem Ackerland an und verlassen grenzwertiges Land, das für die Ausdehnung des Waldes verfügbar wird", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Begründung.

Zudem könnten Industrieländer mehr in nachhaltige Forst- und Naturschutzprogramme investieren. Sandström räumt allerdings ein, dass reiche Länder zunehmend Nahrung und andere Güter aus ärmeren Ländern gewinnen, was Flächen benötigt.

Die Forscher fanden außerdem eine Korrelation zwischen den steigenden Temperaturen und der Ausbreitung der Wälder - zumindest für Europa. Dies sei jedoch kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, argumentieren Sandström und Kollegen, da in weiten Teilen Europas bereits seit dem 20. Jahrhundert die Waldflächen wachsen. Aus diesem Grund sehen sie auch den Ausstoß von Kohlendioxid nicht als Ursache für die Zunahme der Waldfläche an.

Insgesamt ist die Waldfläche der Erde laut Uno zwischen 1990 und 2015 um drei Prozent geschrumpft. "Leider geht die Abholzung in biologisch reichen Wäldern weiter", schreiben die Studienautoren mit Blick auf die tropischen Regenwälder. "Die neuen, sich ausbreitenden Wälder sind biologisch weniger vielfältig, insbesondere dort, wo sie aus gepflanzten Monokulturen bestehen."

Gerade wenn tropische Regenwälder abgeholzt werden, gehen viele große, alte Bäume verloren. Das kann zum Problem werden, wie eine weitere Studie zeigt, die im Fachblatt "Global Ecology and Biogeography" erschienen ist. Demnach machen nur ein Prozent der Bäume in älteren Wäldern die Hälfte der Waldbiomasse aus. Gehen diese wichtigen Bäume verloren, habe dies auch Auswirkungen auf das Klima, da Wälder das Treibhausgas CO2 binden.

koe/dpa

insgesamt 5 Beiträge
soisses1 15.05.2018
1. Das
ist zu allererst Verlagerung der landwirtschaftlichen Produktionsflächen sonst wo hin und Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe, auch von vollerwerb zu teilerwerb. Dafür muss man aber nicht zwingend eine Studie aufgelegt [...]
ist zu allererst Verlagerung der landwirtschaftlichen Produktionsflächen sonst wo hin und Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe, auch von vollerwerb zu teilerwerb. Dafür muss man aber nicht zwingend eine Studie aufgelegt werden. Es reicht, durch die Deutschen Mittelgebirge zu fahren.
Pless1 15.05.2018
2.
---Zitat--- Sandström räumt allerdings ein, dass reiche Länder zunehmend Nahrung und andere Güter aus ärmeren Ländern gewinnen, was Flächen benötigt. ---Zitatende--- Das ist der springende Punkt. Die armen Länder [...]
---Zitat--- Sandström räumt allerdings ein, dass reiche Länder zunehmend Nahrung und andere Güter aus ärmeren Ländern gewinnen, was Flächen benötigt. ---Zitatende--- Das ist der springende Punkt. Die armen Länder holzen die eigenen Wälder ab, die reichen lassen anderswo abholzen. Machen wir uns nichts vor: In den Entwicklungs- und Schwellenländern gehen die Wälder verloren für Palmöl, Soja, Tropenholz welches in den Industrieländern nachgefragt wird - also von uns!
pejoachim 15.05.2018
3. Waldverlust dank Hunden und Katzen?
Vor Jahren war nachzulesen, dass viele Waldgebiete in den Tropen abgeholzt würden, um für unsere Haustiere Rinder zu züchten. Sollte das noch stimmen, so gäbe es eine einfache Lösung, für mehr Wald in armen Ländern zu [...]
Vor Jahren war nachzulesen, dass viele Waldgebiete in den Tropen abgeholzt würden, um für unsere Haustiere Rinder zu züchten. Sollte das noch stimmen, so gäbe es eine einfache Lösung, für mehr Wald in armen Ländern zu sorgen.
interessierter Laie 15.05.2018
4. das ist zwar richtig...
Fakt ist aber auch, dass die landwirtschaftliche Produktion auch in der Forstwirtschaft in Deutschland trotz geringerer Flächen nicht zurückgegangen ist. Wohnstand ermöglicht Einsatz von Technologie und die wiederum erhöht [...]
Zitat von Pless1Das ist der springende Punkt. Die armen Länder holzen die eigenen Wälder ab, die reichen lassen anderswo abholzen. Machen wir uns nichts vor: In den Entwicklungs- und Schwellenländern gehen die Wälder verloren für Palmöl, Soja, Tropenholz welches in den Industrieländern nachgefragt wird - also von uns!
Fakt ist aber auch, dass die landwirtschaftliche Produktion auch in der Forstwirtschaft in Deutschland trotz geringerer Flächen nicht zurückgegangen ist. Wohnstand ermöglicht Einsatz von Technologie und die wiederum erhöht die Erträge und die Effizienz in der Produktion und auch eine nachhaltige Bewirtschaftung. Das schlimme in den Entwicklungs- und Schwellenländern: Sie verbrauchen tatsächlich Wald und Land. Wurde es einige Jahre "genutzt" ist es unbrauchbar.
dominik_bausenwein 19.05.2018
5. Weil Wirschaft lokal Gas und Öl, Kohle verbrennt und Essen importiert.
Boomende Wirtschaft und Industrie ist immer Resourcen verbrauchender, sie sorgt in der Regel sicher nicht für eine grüne Welt, drehts bitte nicht um....! Mag möglich sein wir haben aber auch einen Industriewald und keinen [...]
Boomende Wirtschaft und Industrie ist immer Resourcen verbrauchender, sie sorgt in der Regel sicher nicht für eine grüne Welt, drehts bitte nicht um....! Mag möglich sein wir haben aber auch einen Industriewald und keinen "Naturwald" mehr. Wie der Text schon sage was ist wertvoller ein natürlicher Wald mit Vielfalt der der Industrie, oder dem Mais oder Soja Anbau geopfert wird damit unsere Firmen und Unternehmen Kühe und Schweine mäßten und verkaufen können oder der gut aufgeforstet deutsch Nutzwald.....Ohne unser Kraftwerke und importiertes Tierfutter sähe die Sachlage aber auch bei uns ganz anders aus.

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