Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Satellitenbild der Woche

Vernarbte Erde

Waldbrände in Afrika tragen entscheidend zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bei. Nun zeigen Satellitenaufnahmen, dass es in der Region noch häufiger brennt als bislang gedacht.

ESA

Brandnarben bei Kapstadt in Südafrika

Montag, 11.02.2019   04:21 Uhr

Experten schätzen, dass Feuer weltweit für 25 bis 35 Prozent der jährlichen Treibhausgasemission verantwortlich sind. Deshalb sei es wichtig, große Brände - etwa im Wald - und deren Ausmaß zu dokumentieren, berichtet die Europäische Weltraumbehörde Esa.

Mithilfe von Satelliten erfassen Forscher die Narben, die Feuer in der Landschaft hinterlassen. Das Bild der Erdbeobachtungssatelliten "Sentinel-2" oben zeigt eine Falschfarbenansicht der Region um Kapstadt in Südafrika vom 26. Januar 2019. Verbrannte Bereiche sind in dunklem Grau und Braun dargestellt. Die rote Farbe zeigt unverbrannte Vegetation.

2016 verbrannten südlich der Sahara 4,9 Millionen Quadratkilometer Land

In der Region waren im Januar und Februar 2019 immer wieder Feuer ausgebrochen. Insgesamt gehört die Gegend aber nicht zu den von Bränden am stärksten betroffenen Bereichen im Afrika südlich der Sahara, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach haben die nördlicher gelegenen Staaten deutlich mehr mit Bränden zu tun (siehe Karten unten).

Fotostrecke

Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Wissenschaftler um Ekhi Roteta von der Universität Baskenland haben die erste detaillierte Waldbrandkarte für das Afrika südlich der Sahara - und überhaupt einen Kontinent erstellt. Frühere Satelliten-Untersuchungen hatten gezeigt, dass dort rund 70 Prozent der verbrannten Regionen weltweit liegen. Nun wird klar: Es könnte noch mehr sein.

Die Forscher werteten Daten der "Sentinel-2"- Satelliten aus dem europäischen Copernicus-Programm aus. Beide Fluggeräte tragen je ein hochauflösendes Multispektral-Aufnahmegerät an Bord.

Mithilfe der Bilder entdeckten die Forscher, dass 2016 südlich der Sahara 4,9 Millionen Quadratkilometer Land brannten (siehe linke Grafik unten). Das entspricht ungefähr der Fläche Indiens und der Mongolei zusammen. Und es sei 80 Prozent mehr als zuvor dokumentiert, schreibt die Esa. Das rechte Bild zeigt die bislang gültige Brandkarte.

ESA/ University of the Basque Country

Brandnachweise mit "Sentinel 2" (links) und mit alter Technik (rechts)

Rodung für die Landwirtschaft

Neu hinzu kamen vor allem verbrannte Gebiete die kleiner waren als 100 Hektar, berichten die Forscher im Fachmagazin "Remote Sensing of the Environment". Zwar richteten kleine Feuer meist nicht so große Schäden an wie große Brände. Dafür werde die Fläche anschließend aber oft nicht mehr als Wald genutzt, berichten Roteta und Kollegen. Mitunter würden die Feuer gezielt gelegt, um Böden für die Landwirtschaft oder als Weidefläche nutzbar zu machen.

Dass sie mehr verbrannte Fläche gefunden haben, als zuvor bekannt war, überraschte die Forscher kaum. Die "Sentinel"-Satelliten haben eine Auflösung von 20 Metern. Damit komme man mehr als zehnmal näher an die Gebiete ran als mit anderen Satelliteninstrumenten, erklärt Roteta. Deutlich werden die Unterschiede auch im Vergleich der Karten oben.

Roteta befürchtet, dass der Einfluss der vielen kleineren Feuer auf den Treibhausgasausstoß durch Brände unterschätzt wird. Er plädiert daher dafür, die neuen Erkenntnisse in gängige Klimamodelle einfließen zu lassen. Ein nächster Schritt könne zudem sein, eine Weltkarte verbrannter Region in höherer Auflösung zu erstellen.

jme

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP