Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Wallace Broecker

"Großvater der Klimaforschung" ist tot

Er hat den Begriff der "globalen Erwärmung" weltweit bekannt gemacht - und die entscheidende Rolle von Meeresströmungen für das Erdklima erforscht. Nun ist der US-Forscher Wallace Broecker im Alter von 87 Jahren gestorben.

AP

Wallace Broecker im November 2008

Dienstag, 19.02.2019   16:40 Uhr

"Meine Forschung befasst sich mit der Rolle der Ozeane beim Klimawandel", mit diesem bescheidenen Satz beginnt die Selbstdarstellung von Wallace - genannt Wally - Broecker auf seiner Webseite. Tatsächlich hat der US-Geochemiker entscheidende Beiträge für das Verständnis globaler Klimaänderungen geliefert. Nun ist er im Alter von 87 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus gestorben.

Broecker hat beinahe seine gesamte wissenschaftliche Karriere am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in Palisades (US-Bundesstaat New York) verbracht. Bereits Ende der Fünfzigerjahre fing er dort an. Im Jahr 1975 machte er dann in einem Aufsatz im Fachmagazin "Science" das Konzept der globalen Erwärmung weltweit bekannt. Verwendet worden war der Begriff zwar schon gelegentlich davor, doch nun hörte auch eine breite Masse erstmal davon. Broecker wird manchmal auch spielerisch als "Großvater der Klimaforschung" bezeichnet.

Er führte aus, dass eine zwischenzeitlich zu beobachtende weltweite Abkühlung nur ein kurzfristiger Effekt sei. Bereits innerhalb eines Jahrzehnts, also bis Mitte der Achtzigerjahre, werde eine spürbare Erwärmung zu verzeichnen sein. Verursacht werde sie durch die massenhafte Emission von Kohlendioxid durch die Verbrennung fossiler Treibstoffe, so der Forscher.

Mehr zum Thema

Broecker hatte seine Erkenntnisse unter anderem durch die Analyse von Isotopen in Bohrkernen aus dem Eis Grönlands und aus dem Sediment an den Böden der Ozeane gewonnen. Der Forscher hatte so auch die Existenz eines sogenannten globalen Förderbandes in den Weltmeeren nachgewiesen. Also eines Kreislaufs von Meeresströmungen, die unter anderem Temperaturen und Niederschläge in vielen Teilen der Welt entscheidend beeinflussen.

Im Vergleich zu Nordamerika beschert diese Thermohaline Zirkulation Europa durch den Nordatlantikstrom etwa gemäßigte Temperaturen - bis hinauf ins arktische Spitzbergen.

Das könnte Sie auch interessieren

Broecker zeigte auch, wie fragil dieses Förderband ist. Ein bestimmender Faktor für den Verlauf der Meeresströmungen ist der jeweilige Salzgehalt des Wassers. Dieser ändert sich allerdings durch das Abschmelzen von Eisschilden und Meereis, weil dabei zusätzliches Süßwasser entsteht.

Broecker bezeichnete das globale Förderband daher als "Achillesferse des Klimasystems" - weil es hier zu vergleichsweise schnellen Veränderungen mit globalen Konsequenzen kommen könne. Er warnte davor, dass dies ein Kipppunkt für das Erdklima sei, ein Konzept das seitdem von vielen Forschern genutzt wird.

chs

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Mehr zum Thema

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP