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Wissenschaft

Deutsche Gewässer

Im Norden sterben die Fische

Das warme Wetter macht den Fischen in deutschen Gewässern zu schaffen. In manchen Regionen sind in kurzer Zeit so viele der Tiere gestorben wie sonst in einem ganzen heißen Sommer.

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Tote Fische in einem Rückhaltebecken in Hamburg

Mittwoch, 13.06.2018   11:20 Uhr

Die anhaltend hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben in vielen Gewässern bundesweit den Fischen zu schaffen gemacht. "Je wärmer die Gewässer sind, desto weniger Sauerstoff können sie aufnehmen", erklärte Uwe Bergdolt von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

Im Neckar seien vorbeugende Belüftungsmaßnahmen nötig gewesen, um dem Flusswasser mehr Sauerstoff zuzuführen. Eine akute Gefahr für Fischbestände bestehe im Südwesten aber nicht.

Weiter östlich sieht die Lage kritischer aus: In Berlin wurden binnen etwa zwei Wochen fast sieben Kubikmeter tote Fische abgefischt und entsorgt, wie Wildtierexperte Derk Ehlert aus der Umweltverwaltung sagte. Damit sei eine Menge erreicht, die dem Durchschnittswert heißer Sommer entspreche. Hauptsächlich betroffen seien Kanäle und Teiche. Der Sauerstoffgehalt fiel dort in diesem Jahr vergleichsweise früh, wie Ehlert erklärte. Um dem Problem entgegenzuwirken, ist in den Sommermonaten seit Jahren nachts ein Belüftungsschiff in der Hauptstadt im Einsatz.

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Belüftungsschiff auf der Spree in Berlin

Generell gelten flache Gewässer und solche mit wenig Bewegung als besonders gefährdet, einen für Wasserorganismen wie Fische lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel zu entwickeln. Auch die Landwirtschaft im Umfeld spielt wegen des Nährstoffeintrags eine Rolle.

Probleme gab es auch in Sachsen. Bei der Teichwirtschaft Wermsdorf, einem Aufzuchtbetrieb für Karpfen, waren erste Verluste zu beklagen. "Bislang sind es etwa acht bis zehn Tonnen", sagte Angela Strähler von der Teichwirtschaft, die etwa 900 Hektar Fläche bewirtschaftet.

Starkregen verschlechtert die Lage zunächst oft

Zu einem Fischsterben kam es im Zuge der Hitzewelle auch an der Elbe im Norden. Dort hatte die Umweltbehörde bereits vergangenen Mittwoch vor einem Fischsterben gewarnt. So kam es dann auch: Im Hamburger Hafengebiet und angrenzenden Bereichen des Flusses, aber auch in anderen Gewässern im Stadtgebiet wurden vermehrt tote Fische gefunden und abgesammelt. An einigen Stellen sorgte die Feuerwehr für eine Berieselung, um mehr Sauerstoff ins Wasser zu bringen.

Starkregen verschlechtert die Lage meist sogar noch: "Wenn es nach langen heißen Phasen hohe Niederschläge gibt, werden von den landwirtschaftlichen Flächen Nährstoffe in Gewässer gespült", erklärte Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Deren Umsetzung durch Mikroben und Algen zehrt am Sauerstoff.

jme/dpa

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